Nein. Immer alles hinterfragen! (Sammelthreads)

Der Blaschke, Montag, 22.11.2021, 20:05 (vor 220 Tagen) @ GUM

Hey.

beim Lesen der Beiträge hier und an anderer Stelle ist mir aufgefallen wie schnell die Leute neue Begriffe aufsaugen und kritikfrei verwenden. Wer also die Kommunikationsstrategie durchschauen möchte, der muß leider auch als Erwachsener wieder anfangen insbesondere die aufgeladenen Begriffe zu lernen.

Man muss IMMER Begriffe und Sprache hinterfragen. Ich erinnere mich noch gut an diesbezügliche Seminare der Arbeitnehmervertetung. Heute wird man ja nicht entlassen, sondern, und das klingt doch positiv, von der Arbeit freigestellt. So wie ich mein Abo der Bahnpostille ja auch nicht etwa kündige; das klingt böse - nein, ich stelle den Verlag von der Lieferverpflichtung frei.

Und so gilt es Begrifflichkeiten immer zu hinterfragen.

Wo wir gerade dabei sind: ich war mal auf einem Seminar "Weltsichten-Sichtwelten" gelandet. Zum Einstieg gab es eine Aufgabe. Es wurde ein Bild gezeigt. Ein Weg mit dem Schild "Durchfahrt verboten". Also dieses runde mit rotem Rand. Aufgabe war, zu zeichnen, was wir sehen. Wir hielten das für total gaga - aber jeder zeichnete halt das Schild und den Weg; mehr war nicht auf dem Foto. Zu unserem Erstaunen teilte uns die Leiterin dann mit, dass niemand das gezeichnet habe, was er gesehen habe. Der Clou nämlich war: das Foto war oben abgeschnitten und so war auch das Schild nicht ganz drauf - der ganz oberste Teil fehlte. Nur hatten halt wir alle das Schild vollständig gemalt!

Ein total primitives simples Experiment - was aber beeindruckend einfach klar machen, dass nicht immer alles so ist, wie wir meinen, das es ist.

Ist mir jedenfalls immer in Erinnerung geblieben. Die Kursleiterin meinte übrigens, dass wir uns nicht grämen müßten: das Ergebnis sei in jedem Kurs so ...

Oder in anderes Experiment, als ich damals in Kur war: wir waren so 20 Leute in der Turnhalle. Aufgabe: umherspazieren - und zwar 3 Minuten lang. Wenn 3 Minuten um sind, möge man stehenbleiben. Ohne natürlich auf die Uhr zu schauen oder leise Sekunden zählen - rein nach Gefühl. Die Chefin erzählte dann, dass sie diese Aufgabe seit 30 Jahren stellt. Und in der Tendenz die Leute immer früher stehenbleiben. "Rekord" sei irgendwo bei 51 Sekunden, wenn ich mich noch recht entsinne.

Auch da ist die Wahrnehmung dann oft eine ganz andere als die 'Realität'.


Seit solchen Erlebnissen versuche ich immer, nie 'dabei zu sein', sondern möglichst quasi 'von außen' die Dinge zu betrachten. Möglichst unabhängig zu sein und möglichst wenig in einem System/einer Organisation etc eingebunden zu sein.

Klappt natürlich nicht immer. Aber ich gebe mir Mühe. ;-). Hat zwar auch Nachteile - wie alles im Leben -, aber die Vorteile dieser Art zu leben überwiegen für mich doch deutlich.


Schöne Grüße von jörg

der gerade die Sinnhaftigkeit eines Fahrplans für die Eisenbahn hinterfragt. In Dortmund Hbf losgefahren - aber schon in Hörde 8 Min Verspätung. Und das ist sowieso schon eine spätere Verbindung als geplant. Aber der RE 2 fuhr nicht - angeblich Streckensperrung; was den verspäteten ICE nicht vom Fahren abhielt. Und in Münster war natürlich der RE 7 auch nicht pünktlich, was einen 7-Min-Anschluß platzen lassen würde.

Und so in der Art geht das mittlerweile täglich. Täglich! Das ganze System von überforderten Chefetagen zugrundegerichtet.


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