ZEIT: Mit mehr Angebot gegen die Krise (Allgemeines Forum)

Henrik @, Sonntag, 17.05.2020, 14:10 (vor 13 Tagen) @ Administrator

Mit mehr Angebot gegen die Krise

Die Reisenden kehren nur zögerlich zur Bahn zurück, groß ist die Sorge vor Ansteckung. Um das zu ändern, setzt die Bahn auf mehr Schutz und mehr Angebot.

17. Mai 2020, 10:00 Uhr

Derzeit sind die Schaffnerinnen der Deutschen Bahn wirklich nicht zu beneiden. Im ICE von Berlin nach Köln mussten sie in den vergangenen Tagen darauf hinweisen, dass alle Fahrgäste wegen der Corona-Pandemie bitte unbedingt eine Maske tragen – diese aber erst ab Wolfsburg verpflichtend ist. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen galt eine Maskenpflicht in Fernzügen, in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt jedoch nicht.


"Es kann doch nicht sein, dass es im deutschlandweit fahrenden Fernverkehr keine einheitliche Regelung gibt", sagt Claus Weselsky, der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Das Bundesverkehrsministerium hätte diese durchsetzen müssen, sagt er. "Aber die verstecken sich hinterm Pfeiler."

Im Ministerium sagt man dazu, dass man sich mit den Landesverkehrsministern auf eine Maskenpflicht im Fernverkehr geeinigt habe, die nun von den zuständigen Ländern nach und nach umgesetzt werde. Ab Montag gelte die Maskenpflicht dann voraussichtlich deutschlandweit. Claus Weselsky geht das zu langsam. Es sei richtig, dass die Züge auch während der Corona-Pandemie Mobilität ermöglichten, sagt Weselsky, "aber der Schutz aller Beteiligten muss dabei das oberste Gebot sein".

Viele der Zugbegleiter sind schon älter, gehören damit zur Risikogruppe [...]

Naumann sieht im Tourismusverkehr auch kein besonderes Risiko für den Infektionsschutz. Mit einer Ausnahme: alkoholisierte Tagesausflüglerinnen, die in Gruppen verreisen. Naumann fordert deshalb, dass in den Zügen und den Ferienorten "kein Alkohol verkauft wird".

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Wo Fahrgäste, die nicht gemeinsam verreisen, doch nebeneinandersitzen müssen, weisen die Zugbegleiterinnen auf die Maskenpflicht hin. Zumindest in den zehn Bundesländern, in denen diese bereits gilt. Zur Kontrolle muss man das Ticket nur vorzeigen, der Schaffner fasst es nicht an.

Dennoch sehen viele Bundesbürgerinnen eine Reise mit der Bahn weiterhin skeptisch. So gaben in einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) 36 Prozent der Befragten an, dass sie sich in Fernzügen deutlich unwohler als vor der Corona-Pandemie fühlen. 25 Prozent fühlen sich zumindest unwohler als zuvor. Die Zahlen entsprechen ungefähr den Werten für den Nahverkehr und das Flugzeug. Entsprechend wächst laut der Anfang Mai veröffentlichten Umfrage gerade bei vielen Menschen, die in einem autolosen Haushalt leben, die Sehnsucht nach einem eigenen Auto – gerade bei jungen Städtern.

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Jeder volle Zug ein Imagedesaster

Mit einer starken Nachfrage rechnet man derzeit auch bei der Deutschen Bahn eher nicht. Die Verbindungen in die Tourismusregionen führe man nicht aus Gewinninteresse wieder ein, sagt ein Sprecher. Man wolle den Bürgern vielmehr das Reisen im eigenen Land ermöglichen. "Außerdem machen mehr Verbindungen das Abstandhalten im Zug einfacher." Die Bahn testet derzeit auch ein System, das anhand von Überwachungsvideos aus Zügen auswertet, wo es voll ist. So sollen künftig womöglich die Fahrgäste besser verteilen werden können.

Klar ist jedoch: Selbst wenn die Züge überwiegend leer bleiben, führt jeder einzelne überfüllte Zug in den Sommermonaten zu einem hohen Infektionsrisiko und ist darüber hinaus ein potenzielles Imagedesaster für die Deutsche Bahn. Der Gewerkschafter Weselsky fordert deshalb eine Reservierungspflicht. So könne man die Reisendenströme effektiv steuern, sagt Weselsky. "Auch wenn ich grundsätzlich gegen eine Reservierungspflicht bin, ist sie deshalb in der Krise für mich kein Teufelszeug."

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte im Interview mit ZEIT ONLINE eine Reservierungspflicht bei der Bahn nicht ausschließen wollen. Denkbar sei, dass die Deutsche Bahn und Airlines jeden zweiten Platz freilassen müssten und dafür vom Staat entschädigt würden. Auf Nachfrage reagierte das Verkehrsministerium nun allerdings zurückhaltend. Zunächst wolle man abwarten, wie sehr die Züge in den kommenden Wochen gebucht würden, sagt ein Sprecher.

https://www.zeit.de/mobilitaet/2020-05/deutsche-bahn-fahrgastzahlen-coronavirus-ansteck...


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