Milliardenhilfe für die Bahn geplant (Allgemeines Forum)

Henrik @, Montag, 11.05.2020, 20:38 (vor 15 Tagen) @ Power132

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In dem Dokument "Umgang mit den finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die DB AG" veranschlagen Verkehrs- und Finanzministerium einen wirtschaftlichen Schaden bis zum Jahr 2024 mit insgesamt elf oder im schlechteren Fall mit bis zu 13,5 Milliarden Euro.

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Unter dem Vorbehalt der beihilferechtlichen Prüfung durch die EU-Kommission ist der Bund laut dem Papier bereit, 80 Prozent der Schäden aus der Corona-Pandemie für den Konzern durch eine Eigenkapitalerhöhung bei der Bahn auszugleichen - dies seien derzeit geschätzt 6,9 Milliarden bis 8,4 Milliarden Euro.

Außerdem soll die geltende Schuldenobergrenze von derzeit rund 25 Milliarden Euro ausgeweitet werden. Die Bahn lag vor der Krise knapp darunter.

Damit soll dem bundeseigenen Konzern mehr Spielraum gegeben werden, um Schäden aus der Corona-Krise durch zusätzliche Kredite vom Kapitalmarkt auszugleichen.

Die Deutsche Bahn sichert laut Papier zugleich zu, im "Systemverbund Bahn" einen Beitrag in Höhe der Hälfte der entstehenden Finanzlücke zu leisten, in Höhe von bis zu 5,1 Milliarden Euro.

Der Schwerpunkt liege beim Personal- und Sachaufwand. Bei Investitionen solle nicht gespart werden, Vorhaben könnten aber zeitlich gestreckt werden.

So soll der Konzernvorstand für das Jahr 2020 keine Bonuszahlungen erhalten. Zudem seien Auswirkungen auf die variable Vergütung der Vorstände von Tochtergesellschaften sowie für die Führungskräfte im Unternehmen zu erwarten.

Erwartet wird dadurch ein Einsparungsvolumen in einer Größenordnung von 150 Millionen bis 180 Millionen Euro.

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https://www.tagesschau.de/wirtschaft/bahn-unter-druck-101.html


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Finanzhilfen für die Bahn könnten aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) fließen, so wie für andere Unternehmen wie Lufthansa auch. Frisches Eigenkapital dagegen soll aus dem allgemeinen Haushalt finanziert werden. Wie bereits im vergangenen Jahr, als die Koalition elf Milliarden Euro bewilligte, zahlbar bis 2030.

Bahnchef Lutz wird seinen Eigentümer auf eine lange Durststrecke einstimmen. Vor 2022 wird sich der Personenverkehr nach Prognosen des Bahnvorstands nicht erholen, im Güterverkehr ist von einem „dramatischen Einbruch“ die Rede. Für das laufende Jahr rechnet die Bahn mit einem Konzernverlust von zwei Milliarden Euro, weil Fahrgäste ausbleiben und der Güterverkehr massiv von der Coronakrise getroffen ist. Der Umsatz wird um etwa acht Milliarden Euro einbrechen, so lauten interne Informationen an die Führungskräfte des Unternehmens.

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Der Bahnvorstand geht nicht davon aus, dass trotz beginnender Lockerung für Reisefreiheit und Wirtschaftsleben die Auslastung der Züge schnell wieder steigen wird. Die Folgen der Coronakrise würden bis weit in das nächste Jahr für die Bahn spürbar sein, wird Lutz seinen 20 Aufsichtsräten erklären. Normalisierung erst Jahre danach.

Schlechte Aussichten auf eine schnelle Erholung

Gestützt werden diese pessimistischen Erwartungen auch von Branchenexperten. Nach Prognosen des Beratungsunternehmens SCI Verkehr wird der Personenverkehr im günstigsten Szenario um 30 Prozent in diesem Jahr einbrechen und sich Ende 2021 erholt haben. Im pessimistischen Szenario allerdings stürzt die Verkehrsleistung um 50 Prozent ab und wird bis 2025 das Vorkrisenniveau nicht wieder erreichen.

SCI nennt dafür mehrere Gründe: Fahrgäste steigen dauerhaft auf den Pkw und andere Verkehrsmittel um, Geschäftsreisen sinken wegen digitaler Meetings und der Pendlerverkehr nimmt insgesamt durch verstärktes Homeoffice ab.

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Ursache für das unerwartete Finanzloch ist nicht nur der Fernverkehr, der mit zuletzt 485 Millionen Euro gut ein Viertel zum Ergebnis des Gesamtkonzerns beitrug. Auch die anderen Geschäftsbereiche melden Umsatz wie Gewinn ab. DB Regio bekommt zwar Geld von den Ländern für den Nahverkehr, verkauft aber auch Tickets auf eigene Rechnung. Seit acht Wochen kommt durch Fahrkartenverkauf aber praktisch kein Cent in die Kasse.

Minus auch bei den Infrastrukturgesellschaften. Fahren weniger Züge, bekommt die Netz AG weniger Trassenmaut. Auch Station und Service, bisher eine profitable Tochter der Bahn, wird weniger einnehmen, weil die Geschäfte in den Bahnhöfen zeitweise geschlossen waren. Allein mit der Netz AG machte der Staatskonzern eine Milliarde Gewinn – bislang.

Besonders heftig dürfte es nach Informationen aus Bahnkreisen den Güterverkehr treffen, der seit Jahresbeginn unter der Leitung von Sigrid Nikutta steht. Die Bahntochter DB Cargo fuhr schon denkbar ungünstig in das Corona-Krisenjahr hinein. 2019 machte sie 308 Millionen Euro Minus (Ebit) in diesem Jahr wäre es laut früheren Planungen noch einmal auf 400 Millionen Euro abwärts gegangen. Alles Makulatur. Im April buchte Cargo einen Transportverlust von 30 Prozent.

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Arriva dürfte deshalb ebenfalls in die tiefroten Zahlen fahren. Von der „schönen Tochter“ (Richard Lutz) wird nicht viel bleiben.

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Niemand weiß, wie sich der Verkehr auf den Schienen wirklich entwickeln wird. Klar ist allerdings, dass der Bahnvorstand seinen Jahresbonus 2020 vergessen kann. Diese Bedingung stellt die Regierung nicht nur Privatunternehmen, denen sie mit dem Corona-Fonds WSF hilft. Boniverzicht dürfte auch für das Management der größten deutschen Staatskonzerns gelten.

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/coronakrise-bis-zu-10-mill...


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