Situation Lindau-Memmingen mit grafischem Fahrplan. (Aktueller Betrieb)

Twindexx, St. Gallen (CH), Donnerstag, 10.06.2021, 19:34 (vor 2 Tagen) @ lokuloi

Hoi,

Wenn man die Wahl hat eine Regionalbahn zu streichen oder zu schieben, in der - sorry - ohnehin fast niemand sitzt oder 200 - 400 Mio € auszugeben, dann weiß ich wie in 193 Ländern entschieden wird. Persönlich fände ich einen Fernzug Bregenz - München - Wien auch "wichtig" genug, um dafür mal eine Regionalbahn zu opfern.

Wenn man das aber zu Ende denkt, dann kann man sich aber die Bemühungen schenken, auch in der Fläche einen brauchbaren öV anzubieten. Diesbezüglich haben wir in der Schweiz mit dem Gedanken der funktionierenden Reiseketten über Postauto, Regionalzug, Schnellzug und Tram im Takt eine andere Philosophie. Das System ist auch in die Fläche eng getaktet mit schlanken Anschlüssen, die eine Schiebung um wenige Minuten in der Regel unmöglich machen.

Im Knoten St. Gallen haben wir derzeit auch so ein Thema mit der Verlängerung des IC 5 nach Rorschach. Die schnelle Sprinterverbindung Zürich-St. Gallen wird ab Dezember 2021 zum diesjährigen Fahrpanwechsel stündlich nach Rorschach verlängert und Rorschach erhält damit einen schnellen IC-Anschluss an die restliche Schweiz. Dafür muss aber eine HVZ-S-Bahn St. Gallen-Wittenbach gestrichen werden, womit hier nur noch der 15-15-30-min-Takt angeboten werden kann. Stadt und Kanton St. Gallen wollen den durchgehenden 15min-Takt aber die nächsten Jahre durchgehend über den ganzen Tag statt nur zur HVZ ausdehnen.

Allerdings sieht der Kanton auch die Chancen des IC 5 nach Rorschach und hat deshalb der Streichung der S-Bahn zugestimmt unter der Voraussetzung, dass der nötige Infrastrukturausbau, der diesen Ausschluss behebt, noch vor 2030 abgeschlossen wird.
Aus diesem Grund planen die SBB derzeit den Ausbau der östlichen Zufahrt des Bahnhofs St. Gallen. Dieser doch recht umfangreiche Umbau mitten in der gebauten Stadt (je nach Variante müssen Häuser abgerissen werden) soll nun zwischen 2025 und 2028 realisiert werden, sodass dann ab Dezember 2028 der IC 5 und die verdichtete S-Bahn parallel verkehren können und man sich nicht zwischen dem oder dem anderen Angebot entscheiden muss.

Du hast den - durchaus offiziellen - Link, aus dem eine Fahrzeit von 38 Minuten hervorgeht, mitzitiert. Abgesehen davon, dass jetzt 39 Minuten und 2 Minuten Halt in Buchloe oder 38 Minuten und 3 Minuten halt in Buchloe echt *piep*egal ist.

Ich halte mich ausschliesslich an die im Jahresfahrplan in den SBB-Unterlagen vermerkten Zeiten, die zwischen SBB, ÖBB und DB abgesprochen sind.

Was wäre dann für Dich z.B. "die" Fahrzeit Paris - Lyon. Da gibt es auch ganz unterschiedliche. Sich dann einfach die langsamste herauszusuchen und dann sagen: das ist langsam, kann man machen, ist aber nicht sehr zielführend. Wenn man es ganz korrekt machen will, müsste man eine gewichtete Durchschnittsfahrzeit nehmen.

Mit Paris-Lyon habe ich mich nie vertraut gemacht.

Zwischen München und Buchloe geht es um sechs Zuugspaare mit demselben Rollmaterial und derselben Haltepolitik, die eigentlich im Takt fahren sollten und daher alle dieselbe Fahrzeit minutengenau aufweisen müssten. Bei ausreichend ausgebauter Infrastruktur wären es 33 Minuten technische Fahrzeit plus drei Minuten Reserve gleich 36 Minuten kommerzielle Fahrzeit.
Solange hier gemäss Ausbaustandard verglichen wird, ist auch die Fahrzeit von 42 Minuten einzubeziehen, die ihre Ursache im aktuell ungenügenden Ausbauzustand hat.

Oder sonst können wir ja gemäss deines oben genannten Vorschlags einfach die entsprechenden S-Bahnen kicken, um für alle EC einheitlich 36 Minuten Fahrzeit hinzubekommen. München Hbf an .02 / ab .58 würde eine einheitliche Fahrzeit aller EC Zürich-München ab Dezember von 3h 29min bedeuten.

Zurück zur Verbindung Schweiz - München. Deine Kilometerangabe St. Gallen - St. Margrethen konntest Du auch noch nicht belegen. Sowohl Wikipedia als auch Thomas Cook gehen von weniger aus.

Ich bin in der Zeile verrutscht, zufrieden? Hab jetzt extra nochmal die interne Streckentabelle der SBB herausgesucht, es sind exakt 26.7 km.

4.) München-Buchloe 97.1 km/h
1.) Buchloe-Memmingen 120.4 km/h
3.) Memmingen-Lindau 103.4 km/h
7.) Lindau-Bregenz 79.4 km/h
6.) Bregenz-St. Margrethen 82.5 km/h
5.) St. Margrethen-St. Gallen 94.2 km/h
2.) St. Gallen-Winterthur 107.5 km/h
8.) Winterthur-Zürich Flughafen 76.2 km/h
9.) Zürich Flughafen-Zürich HB 67.3 km/h

Für mich ist das ein ziemlicher Widerspruch: wenn ein Zug wegen 3 Minuten Einbruchsverpätung automatisch 25 Minuten Verspätung bekommt oder gar gestrichen werden muss, ist das eben alles andere als ein System mit Reserven. Im Gegenteil sieht man daran, dass das System und die Infrastruktur vollkommen ausgereizt sind, und bei kleinsten Abweichungen in sich zusammenbrechen. Die Strecke hat also keinerlei Reserven und ist absolut nicht resilent gegen Abweichungen auch nur kleinster Natur.

Nein, es bricht eben nicht in Sich zusammen, weil es eben mehr Reserven hat. Dadurch entstehen Verspätungen erst gar nicht. Weil wenn du irgendwo drei Minuten verlierst, hast du das nach 30 Minuten fahren wieder eingeholt und das System bleibt somit stabil, auch wenn es zu kleineren Abweichungen kommt. Die Philosphie hier ist, Verspätungen möglichst an der Quelle zu bekämpfen. Dazu gehört aber eben auch, dass verspätete Züge die pünktlichen ab einem definierten Wert nicht mehr beeinflussen dürfen. Aber das gesamte Gebilde ist mit den hier üblichen höheren Reserven elastisch genug, um sich trotz sehr hoher Streckenauslastung nicht selbst aufzuhängen. Und so funktioniert es auch, dass auch länger laufende Züge nicht deutlich unpünktlicher sind.

In Deutschland sieht es dagegen offensichtlich so aus, dass Verspätungen zu Gunsten kürzerer kommerzieller Fahrzeiten oder weniger Ausbaubedarf für dieselbe Fahrzeit in Kauf genommen werden und man dann damit irgendwie umgeht. Einmal gemachte Verspätungen können schwer wieder aufgeholt werden und so kommt man dann auch zur Aussage, länger laufende Züge wären eben unpünktlicher. Ist natürlich klar, wenn ich alle 30 Minuten auf etwas stosse, was mir drei Minuten kostet; dann bleibe ich in der Schweiz pünktlich, in Deutschland habe ich dann aber +3, +4.5, +6 und nach zwei Stunden Fahrt +7.5, weil man eben pro 30 Minuten nur noch anderthalb Minuten statt drei Minuten abbauen kann.

Kurz gesagt: Richtung München können 6 Minuten Einbruchsverpätung locker herausgefahren werden, Richtung Zürich führt es zu Chaos. Welche Strecke/Richtung/System hat jetzt keine Reserven!?

Dass die S-Bahn in Buchenau gewartet hat, war reines Glück und keine Selbstverständlichkeit. Es kommt genauso oft vor, dass der EC dann hinter der S-Bahn kleben bleibt und München Hbf mit einer höheren Verspätung erreicht (+10). Du kannst also nicht pauschal von sechs Minuten Reserve ausgehen.

Mehr Reserven hast du definitiv in der Schweiz, SBB Infrastruktur rechnet auf die technische Fahrzeit mindestens 8% dazu, wobei bei hoher Streckenauslastung oder Einspurlinien mit mehreren unterschiedlichen Zügen auch gerne mehr als dieses 8% dazukommen.
DB Netz hingegen begnügt sich mit nur 3%, auch bei betrieblich anspruchsvollenn Einspurstrecken. Und München-Buchloe ist rein durch den S-Bahn-Zwang in Buchenau bestimmt und daher eben nicht wirklich eine Reserve.

Warst es nicht du, der mal behauptet hat, in Deutschland gäbe es keine Strecke, die so dicht befahren ist wie Zürich - Winterthur? Das bezweifle ich zwar, aber München - Buchloe ist es nicht!

Was Mischverkehrslinien mit nennenswerten Zugzahlen aller drei Verkehrsarten RV/FV/GV angeht, ist Zürich-Winterthur mit nur zwei Gleisen sicher das Mass der Dinge. Aber die andere Grösse, die ich dir auch mit dem dritten Gleis St. Gallen-Gossau versucht habe zu erklären, ist die Abhängigkeit der verschiedenen Verkehrsarten untereinander.
Je weiter die Fahrzeiten über einen bestimmten Abschnitt zwischen den verschiedenen Zügen auseinander liegen, desto weniger Züge braucht es, um die Kapazitätsgrenze der Strecke zu erreichen. Und dann muss man eben die Zugarten mit dem Bau von mehr Gleisen entflechten.

Also das ist für mich vor allem ein Zeichen dafür, dass die Schweiz zu viel Geld hat ;-). Alles in Ordnung, und es gibt auch andere Ländern mit sehr interessanten Infrastrukturprojekten (Norwegen z.B.), die in sonst nur wenig Ländern realisiert würden. Das zeigt aber einfach nur, dass es schlicht und ergreifend ums zur Verfügung stehende Geld geht. Manchmal kommt mir die Argumentation so vor: "warum wohnst Du in einer Zwei-Zimmerwohnung, in einer Villa am See ist es doch viel angenehmer!?"

Wir bauen auch nur das, was einen positiven Kosten/Nutzen-Faktor aufweist. Das bedeutet, dass mehrere hundert Mio CHF in der Agglo der achtgrössten Stadt im Land, nur um statt einen 10-20-min-Takt einen exakten 15min-Takt in der S-Bahn-Bedienung der Stadtbahnhöfe zu haben, einen höheren volkswirtschaftlichen Nutzen aufweist, als eben die Investitionskosten.

Auf der anderen Seite könnten wir uns dann die Frage stellen, warum die S-Bahn München-Geltendorf denn im 10min-Takt fahren müsse und nicht alle zwei Stunden für den EC eine 20min-Lücke lassen kann, damit der drei bis sechs Minuten sparen könnte? Es scheint also für sowas einen Bedarf zu geben, dessen Nutzen ausweisbar ist. Aber der EC und die S-Bahn ist beides DB, soweit sind die noch nicht verfeindet. Wird dann ein Spass, wenn die Westbahn die S-Bahn kicken möchte.

Das ist ja auch durchaus geplant und mit etwas Glück auch vor 2045 fertig.

Na, da bin ich ja mal gespannt.

Na ja: wer zuletzt lacht, lacht am besten. Schau'n wir mal. Ich bezweifel, dass es sowas je - wieder - geben wird. Im Gegensatz zu allen anderen von Dir genannaten Verbindungen lebt die nach München (fast) ausschließlich von Fahrgästen Schweiz - München und hat quasi keinen innerdeutschen Verkehr.

Nur was passiert, wenn es dann mehr Fahrgäste hat, als in sieben Astoro-Paare reinpassen? Wenn ich mir anschaue, wielange man Deutschland auch für kleinere Infrastrukturausbauten braucht, fehlt mir nämlich wirklich die Phantasie, wie dann innert nützlicher Frist überhaupt die Bahnhöfe Memmingen und Buchloe für Doppeltraktionen in der Länge ausgebaut werden könnten (sogar in München Hbf würde man aktuell nur das Gleis 26 als ausreichend langes Gleis erreichen).


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13 und IR 70:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


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