Regiotrasse -> Scheindebatte? (Aktueller Betrieb)

Twindexx, St. Gallen (CH), Sonntag, 30.05.2021, 21:14 (vor 13 Tagen) @ Ost-Lok-Fan
bearbeitet von Twindexx, Sonntag, 30.05.2021, 21:18

Hoi,

ist das bei der KBS 753 nicht ein vorgeschobenes Argument? Zwischen Kißlegg und Memmingen gibt es unter der Woche einen 60 und am Wochenende einen 120min Regio Takt sowie einen 60ziger Takt zwischen Buchloe und Memmingen. Da muss doch mit einen Vorlauf von mehreren Jahren eine Möglichkeit bestehen, einen zusätzlichen FV Zug sinnvoll unterzubringen.

Die BEG hat in Abstimmung mit der NVBW das E-Netz Allgäu auch am Wochenende als Stundentakt bestellt. Das Problem ist aber tatsächlich, dass auch mit mehreren Jahren Vorlauf die Möglichkeiten zur Trassierung nicht besser werden. Ich habe hier mal den grafischen Fahrplan erstellt, wie das ab Dezember dann die nächsten zwölf Jahre ausschauen wird: https://www.ice-treff.de/index.php?id=635410
Die einzige Lösung heisst Ausbau. Das dies in Deutschland länger dauert, ist bekannt.

Und auch aus dem Grund habe ich die Überlegung angestellt, warum man für einen solchen Fall nicht vorgesorgt hat und die Allgäubahn auch unter Strom gesetzt hat.

Dazu musst du dich mit der Historie des Projekts befassen. Die deutsche Politik hat sich jahrelang an Sonntagsreden versucht. 1996 kam der Ausbau auch in den Vertrag von Lugano. Dabei ging es Mitte der 90er-Jahre um einen 2h-Takt Zürich-München, dazu gleich mehr.

Nun ist dieser Vertrag von Lugano für Deutschland einfach nur ein Papiertiger. An der Gäubahn wurde noch gar kein Schotterstein bewegt und die Rheintalbahn wurde bis irgendwann nach 2040 verschleppt (mit entsprechenden Konsequenzen, dass wegen des Güterverkehrs bald zunehmend Fernzüge gestrichen werden müssen; EC 6, 7, 8, 9 oder 52 als Beispiel).

Für die Allgäubahn hat die Schweiz neun Jahre nach dem Vertrag von Lugano zur Beschleunigung des Vorhabens, bis dahin hat in Deutschland noch nichtmal irgendwer zum planen angefangen, eine Finanzierung angeboten. Nun konnte Deutschland jetzt nicht einfach sagen, dass man sowieso keine Lust darauf hätte, weil es gibt ja auch Interesse von Bayern am Ausbau, also nicht nur aus der Schweiz. So hat dann Deutschland wenigstens ein rückzahlbares Darlehen über 50 Mio € angenommen (letztlich abgerufen hat davon nur der Freistaat Bayern 17.6 Mio €).

Für die Planung des Ausbaus hatte man sich dann wieder auf den Mitte der 90er-Jahre angedachten 2h-Takten im EC-Verkehr zurückbesinnt. Nach 2005 hatte DB Netz dann wieder über fünf Jahre gar nichts gemacht, bis die Schweiz den Druck immer weiter vergrösserte, was denn nun aus den 50 Mio € werden solle. Umgesetzt wurde dann schliesslich das gerade mal nötigste, um alle zwei Stunden einen EC elektrisch mit Neigetechnik in unter zwei Stunden von Lindau nach München Hbf zu bekommen. Alles war kein Thema, nur keinen Euro zuviel ausgeben.

Und das ist der Grund, warum nun auf dieser Strecke abgesehen vom 2h-Takt des EC, eben mit Neigetechnik, überhaupt nicht mehr möglich ist. Nur der Regionalverkehr konnte noch zu einem guten Teil auf elektrische Traktion umgestellt werden (ab Dezember 2021). Und das war es dann. Es war nicht mehr verlangt, also wurde nicht mehr gemacht. Das Resultat sehen wir ja jetzt. Es ging nie darum, für weitere Verkehre irgendwas vorzusorgen.

Dass nun 25 Jahre nach dem Vertrag von Lugano die Schweiz nun an einen Stundentakt denkt, dass mehr Güterzüge mit elektrischer Traktion die Linie befahren wollen und dass darüberhinaus weitere Fernzüge, die mit der Schweiz gar nichts zu tun haben, nun hier fahren wollen? Oh, war nie Gegenstand des Projekts, hätte ja gar niemand erahnen können. Pech gehabt.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13 und IR 70:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


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