Bekommt die Westbahn im Allgäu dann Vorrang vor den EC? (Aktueller Betrieb)

Alexander, Sonntag, 30.05.2021, 10:57 (vor 14 Tagen) @ 218 466-1

Ist denn die Bevorzugung internationaler Züge in der Trassenvergabe in Deutschland so stark, dass damit auch die ersatzlose Streichung kreuzender Regionalzüge durchgesetzt werden könnte?


Das sind unterschiedliche Zuständigkeiten. Wenn die NVBW Stundentakt will, muss der ihr auch geliefert werden, jedoch im Rahmen des Machbaren. Die ECE bräuchten Expresstrassen um absoluten Vorang vor Takttrassen der RB zu bekommen.
Wegen dem NV wurde in den letzten Jahren eine mögliche Zeitverkürzung der EC von der DB abgelehnt und sie mussten in St. Gallen zuwarten, damit der Takt der RB Sigmaringen - Memmingen nicht beeinträchtigt wird.
Also die SBB könnte keinen ECE-Stundentakt erzwingen und erwarten, dass der NV in Deutschland dafür geopfert wird.

Nein, dies ist nicht korrekt.
Die Trassenvergabe erfolgt nach den Vorgaben in den Schienennetznutzungsbedingungen.
Dort heißt es u. a.:

„Die DB Netz AG entscheidet vorbehaltlich der Rechte des ZB, die sich aus § 49 ERegG er- geben, und vorbehaltlich der Bestimmungen der §§ 55, 57 ERegG nach Maßgabe folgender Reihenfolge
 Vertakteter oder ins Netz eingebundener Verkehr
 Grenzüberschreitende Zugtrassen
 Zugtrassen für den Güterverkehr“

Da sowohl der Nahverkehr als auch der ECE unter Vertakteter Verkehr fallen, wird dann geschaut welche Züge als „höherwertig“ zu betrachten sind. Dazu zählen dann auch solche Faktoren wie Züge aus dem Ausland und wer den längeren Laufweg hat und somit mehr Trassengebühren an DB Netz zahlt.

Im absoluten WorstCase kann es halt auch bedeuten, dass auf der Strecke kein Nahverkehr möglich ist (was nie passieren wird).

Wenn die Westbahn einen Stundentakt Bregenz - München - Salzburg bestellen würde, kann es auch durchaus sein, das DB Fernverkehr ein Teil seiner ECE-Trassen verliert, da die Westbahn zwar die gleichen Kriterien wie der ECE hat, aber durch den längeren Laufweg bis Salzburg höhere Trasseneinnahmen generiert als DB Fernverkehr mit dem ECE bis München. Damit hätte die Westbahn im Streitverfahren die besseren Karten.

Bis 2016 gab es die Möglichkeit Rahmenverträge über einen längeren Zeitraum mit DB Netz abzuschließen. Gerade im Nahverkehr wurde sehr häufig davon Gebrauch gemacht, weil so die ungefähre Trassenlage der Nahverkehrszüge über viele Jahre gesichert war. Diese Rahmenverträge gibt es nicht mehr und bestehende laufen immer mehr aus. Damit muss jedes Jahr aufs neue gesehen werden wie der Nahverkehr einsortiert wird. Die Folgen für den Nahverkehr sieht man an immer mehr Stellen, wo kein Sauberer Takt mehr gefahren werden kann.

Viele Grüße

--
Es gibt Menschen, die geizen mit ihrem Verstand wie andere mit ihrem Geld. (Wilhelm Busch)


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