Situation Lindau-Memmingen mit grafischem Fahrplan. (Aktueller Betrieb)

lokuloi, Montag, 07.06.2021, 12:45 (vor 6 Tagen) @ Twindexx

Hoi,


Wenn man es okay findet, dass Regionalzüge einfach gestrichen werden können, kann man das natürlich tun. In der Schweiz sind Takttrassen des Regionalen Personenverkehrs, und übrigens auch des Güterverkehrs, im Netznutzungsplan hinterlegt und damit sind diese aus ihren Trassen nicht verdrängbar. Ja, in der Schweiz muss dann ausgebaut werden (was natürlich für einen privaten Zug nur ein-, zwei- oder dreimal am Tag nicht gemacht wird).


Wenn man die Wahl hat eine Regionalbahn zu streichen oder zu schieben, in der - sorry - ohnehin fast niemand sitzt oder 200 - 400 Mio € auszugeben, dann weiß ich wie in 193 Ländern entschieden wird. Persönlich fände ich einen Fernzug Bregenz - München - Wien auch "wichtig" genug, um dafür mal eine Regionalbahn zu opfern.

München - Buchloe sind die "Standardfahrzeit" 0:39 Minuten laut Hafas. Das sind dann 105 km/h. Mit einer "bis zu"-Fahrzeit zu rechnen, finde ich da auch nicht redlich. Das sind dann 105 km/h. Lt. Kursbuch gibt es auch ECs mit 38 Minuten Fahrzeit, aber geschenkt. München - Buchloe ist jedenfalls schneller als St. Margrethen - St. Gallen.


Nein, es gibt keinen einzigen EC, der es in 38 Minuten macht. 39, 40 oder 42 Minuten sind die Fahrzeiten.

Du hast den - durchaus offiziellen - Link, aus dem eine Fahrzeit von 38 Minuten hervorgeht, mitzitiert. Abgesehen davon, dass jetzt 39 Minuten und 2 Minuten Halt in Buchloe oder 38 Minuten und 3 Minuten halt in Buchloe echt *piep*egal ist.

Und natürlich sind «bis zu»-Fahrzeiten legitim, solange es diese gibt. Dann müsste man mal untersuchen, wo es hakt, dass kein Taktfahrplan vorliegt.

Was wäre dann für Dich z.B. "die" Fahrzeit Paris - Lyon. Da gibt es auch ganz unterschiedliche. Sich dann einfach die langsamste herauszusuchen und dann sagen: das ist langsam, kann man machen, ist aber nicht sehr zielführend. Wenn man es ganz korrekt machen will, müsste man eine gewichtete Durchschnittsfahrzeit nehmen.

Zurück zur Verbindung Schweiz - München. Deine Kilometerangabe St. Gallen - St. Margrethen konntest Du auch noch nicht belegen. Sowohl Wikipedia als auch Thomas Cook gehen von weniger aus.

Fazit: man muss es schon sehr viele gewagte Annahmen treffen um behaupten zu können, das St. Gallen - St. Margrethen schneller wäre als München - Buchloe.

Es erscheint mir sinnvoll, die Fahrzeitreserven vor dem großen Knoten einzubauen. Es bringt nichts Reserven zwischen Lindau und Memmingen zu haben, die ich dann in Memmingen abbummle und am Ende bin ich in München trotzdem unpünktlich. Dann lieber die Reserve zwischen Buchloe und München, mit der ich eine evtl. Verspätung einfahren kann. Ist aus Richtung Stuttgart/Augsburg auch nicht anders.


Das ist eben eine sehr gefährliche Annahme. Weil du hast in Memmingen die Zugskreuzung, der du die Verspätung dann mitgibst. Der Gegenzug hat dann bis Bregenz wieder fast keine Möglichkeit, diese abzubauen. Da wartet dann auch wieder der Gegenzug. Wenn noch irgendwas dazu kommt, und wenn es nur was kleines ist, ist das Chaos da. Alternative: Doppelspurausbau. Aber solange da weitestgehend Einspur herrscht, braucht es auf die Zugskreuzungen hin entsprechende Reserven, da nützen diese an anderen Orten nichts.

Ausserdem gibts immer auch eine Gegenrichtung. Und da hast du dann erstmal das Problem, dass du die Reserve München-Buchloe eben nicht unbedingt nutzen kannst. Wenn die S-Bahn zur Überholung in Buchenau mal mit +3 von der Stammstrecke kommt, kannst du trotz möglicher Fahrzeit von 33 Minuten halt bei EC 96 und EC 98 mit ihren 42 Minuten Planfahrzeit dann auch mal 45 Minuten haben und dann schon +3 in Buchloe haben. Um die Reserven nämlich auch nutzen zu können, darfst du auch nicht zuviele Zwangspunkte in der Trasse haben.

Im weiteren Verlauf hast du dann Richtung Schweiz eben das Problem, dass du dort dann auf keine derartige Reserve mehr vor der Schweizer Grenze triffst. Und dann kommt ab St. Margrethen, spätestens ab St. Gallen die Rivep (Richtlinien und vorbehaltene Entschlüsse im Personenverkehr) von der Betriebszentrale Ost von SBB Infrastruktur zur Anwendung, welche dir den EC ab +3 in die Isolation schickt. Sprich keine Beeinflussung der restlichen Züge durch den verspäteten Zug. Dann ist die Ankunft in Zürich HB mit +25 wegen hinter dem IR 13 herschleichen. Der EC wird hier noch bevorzugt, denn bei den in derselben Takttrasse laufenden nationalen IC 5 heisst mehr als +3 nämlich gnadenlos Ausfall und Verweis der Reisenden auf den nächsten IC/IR (daher absolute Nulltoleranz bei Anschlüssen). Das kommt daher, dass der Impact von zu stark verspäteten Zügen auf die stark ausgelastete Linie Winterthur-Zürich aufs möglichste vermieden werden soll.


Für mich ist das ein ziemlicher Widerspruch: wenn ein Zug wegen 3 Minuten Einbruchsverpätung automatisch 25 Minuten Verspätung bekommt oder gar gestrichen werden muss, ist das eben alles andere als ein System mit Reserven. Im Gegenteil sieht man daran, dass das System und die Infrastruktur vollkommen ausgereizt sind, und bei kleinsten Abweichungen in sich zusammenbrechen. Die Strecke hat also keinerlei Reserven und ist absolut nicht resilent gegen Abweichungen auch nur kleinster Natur.

Wenn ich es richtig verstanden habe, warst du in Bregenz pünktlich und in München auch (fast) wieder. Das passt doch. Dass es zwischen Lindau und München keine Reserven gäbe kann man dann ja so nicht stehen lassen. In deinem Fall wurde die Reserven halt ausgenutzt.


Das ging nur, weil letzte Woche noch die Sperre der ÖBB-Linie Lustenau-Lauterach zwecks Doppelspurausbau und Vmax-Erhöhung für den EC-Zielfahrplan ab Dezember war. Da war jetzt das EC-Angebot zwei Monate auf vier Zugspaare Feldkirch-München ausgedünnt. Der genannte EC hatte in Memmingen dann auch keinen Gegenzug. Sonst wäre der mit +6 Richtung Lindau raus und das Chaos hätte seinen Lauf genommen.


Kurz gesagt: Richtung München können 6 Minuten Einbruchsverpätung locker herausgefahren werden, Richtung Zürich führt es zu Chaos. Welche Strecke/Richtung/System hat jetzt keine Reserven!?

Also bei allem Respekt. Zürich - Winterthur kann man nun wirklich nicht mit Mücnhen - Buchloe vergleichen. Wenn hier (derzeit) 6 Fernzugpaare 5 Minuten länger brauchen, rechtfertig das nicht derartige Investitionen. Richtung Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim ist die S-Bahn selbstverständlich unabhängig vom Fernverkehr.


Das liegt aber auch daran, dass vieles, was in der Schweiz als eigenwirtschaftlicher Fernverkehr fährt, in Deutschland bestellter Regionalverkehr ist. Also müsstest du die Zugzahlen generell vergleichen und nicht nur Fernverkehr.

Warst es nicht du, der mal behauptet hat, in Deutschland gäbe es keine Strecke, die so dicht befahren ist wie Zürich - Winterthur? Das bezweifle ich zwar, aber München - Buchloe ist es nicht!

Zusätzlich sind dann auch trassierungstechnische Fragen entscheidend. Aus so einem Grund wird für STEP 2045 für St. Gallen-Gossau auch das dritte und abschnittsweise vierte Gleis diskutiert; bei weniger Zügen als zwischen Pasing und Buchenau (nämlich für einen exakten 15min-Takt der S-Bahn statt einem 10-20min-Takt, also nichtmal für mehr Züge, sondern für einen schöneren Fahrplan).

Also das ist für mich vor allem ein Zeichen dafür, dass die Schweiz zu viel Geld hat ;-). Alles in Ordnung, und es gibt auch andere Ländern mit sehr interessanten Infrastrukturprojekten (Norwegen z.B.), die in sonst nur wenig Ländern realisiert würden. Das zeigt aber einfach nur, dass es schlicht und ergreifend ums zur Verfügung stehende Geld geht. Manchmal kommt mir die Argumentation so vor: "warum wohnst Du in einer Zwei-Zimmerwohnung, in einer Villa am See ist es doch viel angenehmer!?"

Unter allen Gesichtspunkten ist ein Mehrspurausbau Pasing-Buchenau plus Entflechtung Westkopf Pasing längst überfällig.

Das ist ja auch durchaus geplant und mit etwas Glück auch vor 2045 fertig.

Zumindest ich habe nicht behauptet, dass er überflüssig ist. Ich habe nur gesagt es gibt aus deutscher Sicht wichtigere Baustellen.


Und wenn dann mal Stehpätze im Zug sind, weil wegen der zu kurzen Bahnhöfe keine Doppeltraktionen gehen? Ich würde ja lachen, wenn dann lokbespannte Züge wieder zurückkämen, mit Re 482 von Zürich bis Lindau und ab da mit BR 245 via Kempten.

Na ja: wer zuletzt lacht, lacht am besten. Schau'n wir mal. Ich bezweifel, dass es sowas je - wieder - geben wird. Im Gegensatz zu allen anderen von Dir genannaten Verbindungen lebt die nach München (fast) ausschließlich von Fahrgästen Schweiz - München und hat quasi keinen innerdeutschen Verkehr.

Grüsse aus dem IC 1.

Ciao,
Uli


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