Situation Lindau-Memmingen mit grafischem Fahrplan. (Aktueller Betrieb)

Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 05.06.2021, 22:20 (vor 7 Tagen) @ lokuloi

Hoi,

Das ist doch schon einmal was. Man wird sehen, worauf es hinaus läuft, aber ein oder zwei Zugpaare wird man noch durchbringen, genauso wie man die (neuen) RJ zwischen Bregenz und Friedrichshafen durchbekommt. Auch wenn dafür mal eine RB verschoben werden muss. Das ist nicht optimal, aber das alleine auch noch kein Grund für einen zweigleisigen Ausbau.

Wenn man es okay findet, dass Regionalzüge einfach gestrichen werden können, kann man das natürlich tun. In der Schweiz sind Takttrassen des Regionalen Personenverkehrs, und übrigens auch des Güterverkehrs, im Netznutzungsplan hinterlegt und damit sind diese aus ihren Trassen nicht verdrängbar. Ja, in der Schweiz muss dann ausgebaut werden (was natürlich für einen privaten Zug nur ein-, zwei- oder dreimal am Tag nicht gemacht wird).

München - Buchloe sind die "Standardfahrzeit" 0:39 Minuten laut Hafas. Das sind dann 105 km/h. Mit einer "bis zu"-Fahrzeit zu rechnen, finde ich da auch nicht redlich. Das sind dann 105 km/h. Lt. Kursbuch gibt es auch ECs mit 38 Minuten Fahrzeit, aber geschenkt. München - Buchloe ist jedenfalls schneller als St. Margrethen - St. Gallen.

Nein, es gibt keinen einzigen EC, der es in 38 Minuten macht. 39, 40 oder 42 Minuten sind die Fahrzeiten. Und natürlich sind «bis zu»-Fahrzeiten legitim, solange es diese gibt. Dann müsste man mal untersuchen, wo es hakt, dass kein Taktfahrplan vorliegt. Ich weiss es: Es fehlt im Bereich S-Bahn München an Gleiskapazität.

Es erscheint mir sinnvoll, die Fahrzeitreserven vor dem großen Knoten einzubauen. Es bringt nichts Reserven zwischen Lindau und Memmingen zu haben, die ich dann in Memmingen abbummle und am Ende bin ich in München trotzdem unpünktlich. Dann lieber die Reserve zwischen Buchloe und München, mit der ich eine evtl. Verspätung einfahren kann. Ist aus Richtung Stuttgart/Augsburg auch nicht anders.

Das ist eben eine sehr gefährliche Annahme. Weil du hast in Memmingen die Zugskreuzung, der du die Verspätung dann mitgibst. Der Gegenzug hat dann bis Bregenz wieder fast keine Möglichkeit, diese abzubauen. Da wartet dann auch wieder der Gegenzug. Wenn noch irgendwas dazu kommt, und wenn es nur was kleines ist, ist das Chaos da. Alternative: Doppelspurausbau. Aber solange da weitestgehend Einspur herrscht, braucht es auf die Zugskreuzungen hin entsprechende Reserven, da nützen diese an anderen Orten nichts.

Ausserdem gibts immer auch eine Gegenrichtung. Und da hast du dann erstmal das Problem, dass du die Reserve München-Buchloe eben nicht unbedingt nutzen kannst. Wenn die S-Bahn zur Überholung in Buchenau mal mit +3 von der Stammstrecke kommt, kannst du trotz möglicher Fahrzeit von 33 Minuten halt bei EC 96 und EC 98 mit ihren 42 Minuten Planfahrzeit dann auch mal 45 Minuten haben und dann schon +3 in Buchloe haben. Um die Reserven nämlich auch nutzen zu können, darfst du auch nicht zuviele Zwangspunkte in der Trasse haben.

Im weiteren Verlauf hast du dann Richtung Schweiz eben das Problem, dass du dort dann auf keine derartige Reserve mehr vor der Schweizer Grenze triffst. Und dann kommt ab St. Margrethen, spätestens ab St. Gallen die Rivep (Richtlinien und vorbehaltene Entschlüsse im Personenverkehr) von der Betriebszentrale Ost von SBB Infrastruktur zur Anwendung, welche dir den EC ab +3 in die Isolation schickt. Sprich keine Beeinflussung der restlichen Züge durch den verspäteten Zug. Dann ist die Ankunft in Zürich HB mit +25 wegen hinter dem IR 13 herschleichen. Der EC wird hier noch bevorzugt, denn bei den in derselben Takttrasse laufenden nationalen IC 5 heisst mehr als +3 nämlich gnadenlos Ausfall und Verweis der Reisenden auf den nächsten IC/IR (daher absolute Nulltoleranz bei Anschlüssen). Das kommt daher, dass der Impact von zu stark verspäteten Zügen auf die stark ausgelastete Linie Winterthur-Zürich aufs möglichste vermieden werden soll.

Wenn ich es richtig verstanden habe, warst du in Bregenz pünktlich und in München auch (fast) wieder. Das passt doch. Dass es zwischen Lindau und München keine Reserven gäbe kann man dann ja so nicht stehen lassen. In deinem Fall wurde die Reserven halt ausgenutzt.

Das ging nur, weil letzte Woche noch die Sperre der ÖBB-Linie Lustenau-Lauterach zwecks Doppelspurausbau und Vmax-Erhöhung für den EC-Zielfahrplan ab Dezember war. Da war jetzt das EC-Angebot zwei Monate auf vier Zugspaare Feldkirch-München ausgedünnt. Der genannte EC hatte in Memmingen dann auch keinen Gegenzug. Sonst wäre der mit +6 Richtung Lindau raus und das Chaos hätte seinen Lauf genommen.

Also bei allem Respekt. Zürich - Winterthur kann man nun wirklich nicht mit Mücnhen - Buchloe vergleichen. Wenn hier (derzeit) 6 Fernzugpaare 5 Minuten länger brauchen, rechtfertig das nicht derartige Investitionen. Richtung Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim ist die S-Bahn selbstverständlich unabhängig vom Fernverkehr.

Das liegt aber auch daran, dass vieles, was in der Schweiz als eigenwirtschaftlicher Fernverkehr fährt, in Deutschland bestellter Regionalverkehr ist. Also müsstest du die Zugzahlen generell vergleichen und nicht nur Fernverkehr. Zusätzlich sind dann auch trassierungstechnische Fragen entscheidend. Aus so einem Grund wird für STEP 2045 für St. Gallen-Gossau auch das dritte und abschnittsweise vierte Gleis diskutiert; bei weniger Zügen als zwischen Pasing und Buchenau (nämlich für einen exakten 15min-Takt der S-Bahn statt einem 10-20min-Takt, also nichtmal für mehr Züge, sondern für einen schöneren Fahrplan). Unter allen Gesichtspunkten ist ein Mehrspurausbau Pasing-Buchenau plus Entflechtung Westkopf Pasing längst überfällig.

Da wird sich München freuen in einem Atemzug mit Mailand und Paris genannt zu werden ;-). Aus Zürich ist es aber auch nur ein Zweistundentakt nach Mailand. Der - trotz Gotthard und Ceneri-Tunnel - langsamer (!) ist als der nach München!

Zürich-Mailand hat zu den jeweiligen Lastzeiten den Stundentakt bereits heute: Morgens ab Zürich HB von 06:33 bis 11:33 Uhr sind es sechs Züge am Stück im lückenlosen Stundentakt, Abends mit Ankunft in Zürich HB von 18:27 bis 23:27 Uhr ebenso. Insgesamt sind es Zürich-Milano zehn Zugspaare täglich.
Übrigens habe ich die beiden Zugspaare Basel-Luzern-Milano noch vergessen gehabt. Damit wären es Schweiz-Milano total 19 EC-Paare, ab Dezember mit dem neuen vierten Paar Milano-Simplon-Basel dann 20 Paare täglich, zwölf via Gotthard und acht via Simplon.

Aber der Unterschied ist, dass sich Schweiz-Paris auf drei Routen und Schweiz-Milano auf vier Routen aufteilt. Schweiz-München ist ab Zürich auf eine Route gebündelt, genauso wie Schweiz-Frankfurt ab Basel auf eine Route gebündelt ist. Da liegt Zürich-München der Stundentakt definitiv drin, zu den Lastzeiten eigentlich auch schon die nächsten Jahre und nicht erst 2035.

Zürich-Milano wird ab Dezember 2022 noch um 15 Minuten schneller, 3h02 statt 3h17. Dort fehlt es auch noch an der dynamischen Transition in Chiasso mit den Giruno. Dort ist es aber Siemens, welche das ETCS BL3 machen und es wie alle anderen auch noch nicht zum fahren gebracht haben.

Zumindest ich habe nicht behauptet, dass er überflüssig ist. Ich habe nur gesagt es gibt aus deutscher Sicht wichtigere Baustellen.

Und wenn dann mal Stehpätze im Zug sind, weil wegen der zu kurzen Bahnhöfe keine Doppeltraktionen gehen? Ich würde ja lachen, wenn dann lokbespannte Züge wieder zurückkämen, mit Re 482 von Zürich bis Lindau und ab da mit BR 245 via Kempten.


Grüsse aus dem IC 1.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13 und IR 70:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


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