Bekommt die Westbahn im Allgäu dann Vorrang vor den EC? (Aktueller Betrieb)

Twindexx, St. Gallen (CH), Sonntag, 30.05.2021, 14:15 (vor 14 Tagen) @ Alexander

Hoi,

Wenn die Westbahn einen Stundentakt Bregenz - München - Salzburg bestellen würde, kann es auch durchaus sein, das DB Fernverkehr ein Teil seiner ECE-Trassen verliert, da die Westbahn zwar die gleichen Kriterien wie der ECE hat, aber durch den längeren Laufweg bis Salzburg höhere Trasseneinnahmen generiert als DB Fernverkehr mit dem ECE bis München. Damit hätte die Westbahn im Streitverfahren die besseren Karten.

Würde das passieren, hätte Andreas Scheuer ein Telefon von Simonetta Sommaruga (oder wer auch immer dann die Verkehrsminister beider Länder wäre). Weil dann würden die Trassen des EC nämlich politisch werden.

Wobei ich nicht glaube, dass es dazu käme, solange der Ex SBB-Chef bei der Westbahn im Verwaltungsrat sitzt. Im Falle eines Falles dürfte die Westbahn also die EC-Trassen freilassen.

Bis 2016 gab es die Möglichkeit Rahmenverträge über einen längeren Zeitraum mit DB Netz abzuschließen. Gerade im Nahverkehr wurde sehr häufig davon Gebrauch gemacht, weil so die ungefähre Trassenlage der Nahverkehrszüge über viele Jahre gesichert war. Diese Rahmenverträge gibt es nicht mehr und bestehende laufen immer mehr aus. Damit muss jedes Jahr aufs neue gesehen werden wie der Nahverkehr einsortiert wird. Die Folgen für den Nahverkehr sieht man an immer mehr Stellen, wo kein Sauberer Takt mehr gefahren werden kann.

Und warum wurde das abgeschafft? Gerade vor dem Hintergrund des Deutschlandtakt wäre sowas ja wichtig. In der Schweiz sind die Takttrassen des Personenverkehrs (FV und RPV) sowie die Katalogtrassen des Güterverkehrs im sogenannten Netznutzungsplan (NNP) vermerkt: https://www.bav.admin.ch/bav/de/home/verkehrsmittel/eisenbahn/fachinformationen/netznut...

Der NNP setzt das Netznutzungskonzept (NNK) um, welches der Bundesrat (also die Regierung) beschliesst. Die Fahrplantrassen des schweizweiten Taktverkehrs im Personenverkehr und eine ausreichende Anzahl Güterzugtrassen sind damit auf Ebene Bundesverordnung sichergestellt. Die NNP und NNK sind in der Netzzugangsverordnung auf Basis des Eisenbahngesetzes geregelt.

Irgendeine private Westbahn oder was auch immer kann somit keinen dieser Züge (auch Güterzüge nicht!) aus ihren Trassen schmeissen. Da die Netznutzungspläne rein angebotsorientiert sind und somit keine bestimmten EVU bevorzugen oder benachteiligen, ist dieses Vorgehen in der Trassenvergabe auch diskriminierungsfrei. Ferner sind die NNK und NNP auch kompatibel mit EU-Recht, da die EU in ihren eigenen Richtlinien die Möglichkeit vorsieht, dass bestimmten Verkehrsarten von besonderem gesellschaftlichem Nutzen bei der Trassenvergabe Priorität eingeräumt wird.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13 und IR 70:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


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