Situation Lindau-Memmingen mit grafischem Fahrplan. (Aktueller Betrieb)

Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 05.06.2021, 11:04 (vor 8 Tagen) @ lokuloi
bearbeitet von Twindexx, Samstag, 05.06.2021, 11:09

Hoi,

Dass die existenten Trassen durch einen Nicht-Neigezug nicht zu halten sind ist unstrittig. Trotzdem dürften die vorhandenen Taktlücken des ECE eine Kontruktion solch einer Trasse erleichtern, denn es sind keine zusätzlichen Kreuzungen notwendig. Dass diese dann wo anders liegen werden, ist klar. Die derzeige ECE-Trasse, so wie sie ist, wäre für die Westbahn ohnehin uninteressant.

Die Taktlücke des EC wird jedoch perspektivisch geschlossen. Deshalb bucht DB Fernverkehr, wie in einem anderen Beitrag hier schon geschrieben, die Taktlücke bereits täglich. DB Fernverkehr will zwar die Entwicklung der Fahrgastzahlen abwarten, aber ich könnte mir vorstellen, dass das Interesse von Dritt-EVU und auch der beiden am EC beteiligten Partnerbahnen die Sache beschleunigen könnten. Für Fahrplan 2022 sind jetzt mal 16 Verkehrstage für EC 194/195 vorgesehen.

Unter zu Hilfe des grafischen Fahrplans: https://abload.de/img/memmingen-lindauo8khx.jpg
müsste man eben schauen, was noch geht. Streicht man die N 51 BW, ginge eine Trasse Memmingen (12:45) - Kreuzung Tannheim (12:51) - Kreuzung Kisslegg (13:14-13:15) - Kreuzung Wangen (13:25-13:28) - [Blockabstand zu RE ab Hergatz plus keine NT] - Lindau-Reutin (13:51). Das wären dann 66 Minuten Fahrzeit und in Leutkirch und in Wangen lägen sogar kommerzielle Halte drin. Ich habe aber jetzt nicht nachgesehen, wie er von Buchloe nach Memmingen käme bei spätestmöglicher Ankunft in Memmingen um 12:43 Uhr.

Ja. Der schnellste in der Schweiz gegen den langsamsten in Deutschland.

Nein, gegen den zweitschnellsten in Deutschland.

Die Rangfolge ist so:

5.) München-Buchloe 97.1 km/h
1.) Buchloe-Memmingen 120.4 km/h
3.) Memmingen-Lindau 103.4 km/h
7.) Lindau-Bregenz 79.4 km/h
6.) Bregenz-St. Margrethen 82.5 km/h
4.) St. Margrethen-St. Gallen 99.0 km/h
2.) St. Gallen-Winterthur 107.5 km/h
8.) Winterthur-Zürich Flughafen 76.2 km/h
9.) Zürich Flughafen-Zürich HB 67.3 km/h

Das stimmt derzeit überhaupt nicht:

St. Gallen - St. Margrethen: 27 km, 25 Minuten, 65 km/h
München Hbf - Buchloe: 68 km, 38 Minuten, 107 km/h.

München-Buchloe hat kein einziger EC eine Fahrzeit von 38 Minuten. Die Fahrzeiten liegen bei bis zu 42 Minuten. Daraus errechnen sich 97.1 km/h.

Ich kenne jetzt die genaue Zielfahrzeit für St. Gallen - St. Magrethen nicht aber ein Schnitt von 107 km/h scheint mir hier sehr unwahrscheinlich.

Von St. Gallen nach St. Margrethen hat der EC ab Dezember eine Fahrzeit von 17 Minuten. Das macht einen Schnitt von 99.0 km/h (28.04 km).

Zudem: der Schnitt von 103 km/h für München - Lindau scheint mir vollkommen angemessen und hat eine Größenordnung, die in der Schweiz nur von Zürich - Bern erreicht und übertroffen wird (Zürich - Basel und Geneve/Lausanne - Biel geht in eine ähnliche Richtung).

Nur hat München-Lindau zu wenig Fahrzeitreserven. Zwischen Zürich und Bern kannst du vier Minuten Verspätung aufholen, also die Strecke auch in 52 statt der geplanten 56 Minuten zurücklegen. Zwischen Lindau und Memmingen hingegen schaffst du es bei 49 Minuten Planfahrzeit nicht einmal in 47 Minuten. Auch Memmingen-Buchloe ist praktisch nichts aufholbar. Das verfälscht die Durchschnittsgeschwindigkeit im deutschen Abschnitt zu Lasten der Betriebsstabilität nach oben. Vor allem auf dieser einspurigen Linie kann das bezüglich Zuverlässigkeit katastrophal enden, weil dann jegliche Elastizität fehlt, die hier nötig wäre.

Nur Buchloe-München sieht das anders aus, hat dort aber mit einem anderen grossen Mangel zu tun: Der fehlenden Gleiskapazität im Zusammengang mit dem S-Bahn-Takt. Letzte Woche fuhr dort mein um acht Minuten verspäteter EC (war noch pünktlich in Bregenz) von Buchloe nach München in 33 statt den geplanten 40 Minuten mit grüner Welle durch. Die S-Bahn hat schön in Buchenau die EC-Überholung abgewartet.
Wir haben zwischen Zürich und Winterthur auch viel S-Bahn-Verkehr, aber der sorgt nicht für eine Verlangsamung des Fernverkehrs. Bevor das passiert, bauen wir bis 2035 den 2.4 Mia CHF teuren Brüttenertunnel inklusive Entflechtungen in den Bahnhöfen Winterthur, Bassersdorf, Dietlikon und Wallisellen.

Und genauso, wie es Gründe dafür gibt, dass die Strecke in der Schweiz langsamer ist, gibt es Gründe dafür, wieso die Strecke in Deutschland nur eingleisig ist: die Vekehrsnachfrage ist hier einfach wesentlich geringer.

Es sind vor allem topographische Gründe. Ich habe ja schon dargelegt, dass in denjenigen Abschnitten, in denen man im deutschen Teil mit ähnlicher Topographie konfrontiert ist, die Durchschnittsgeschwindigkeiten auch nicht höher als in der Schweiz liegen.

Um die Kritik nämlich mal auf die wesentliche runterzubrechen, geht es ja darum, der Schweiz vorzuwerfen, keine Strecken neu trassiert zu haben. Nur wo genau wurde im deutschen Abschnitt ein Abschnitt neu trassiert? Nirgends! Also selber nichts leisten, aber von den anderen fordern. Und um noch etwas weiter zu gehen, dann müssen wir einfach festhalten, dass ohne den Schweizer Anstoss im deutschen Abschnitt bis heute noch kein Fahrdraht hängen würde. Von dem her finde ich es dann schon ziemlich arrogant, wenn man von deutscher Seite meint, bezüglich der Strecke Zürich-St. Margrethen das Maul ganz weit aufmachen zu wollen.

Selbst die Schweiz will erst ab 2035 stündlich nach München. Wenn das bis dahin alle Beteiligten wirklich wollen, ist eine Zweigleisinsel Wangen - Leutkirch sicherlich möglich. Ob die Nachfrage hier wirklich einen Stundentakt rechtfertig, kann ich mir aber im Moment nicht vorstellen. Hier düfte es größere Engpässe im deutschen Schienennetz geben, wo Züge, die wirklich gebraucht werden, derzeit nicht fahren können. Ja, z.B. auch am Oberrhein.

Wir fahren aus der Schweiz 17 Zugspaare nach Mailand, ebenfalls 17 Zugspaare nach Paris und einen Stundentakt nach Frankfurt. Die Metropole München geht da von der Grössenordnung definitiv in eine ähnliche Richtung. Daher ist ein Stundentakt nach München nur folgerichtig und definitiv das Gegenteil von überflüssig.


Grüsse aus dem IC 5.

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