Betriebserschwernis durch Umbau sollte diskutiert werden (Allgemeines Forum)

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 11:00 (vor 3522 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von ICETreffErfurt, Dienstag, 16.08.2016, 11:01

Von 0 auf oder mit Gleichstrom als Anfang hätte die DB Energie sicherlich auch auf 25 kV 50 Hz gesetzt. Hat auch damit zu tun, dass man für 25 kV aufgrund der größeren Gesamtnachfrage mehr Zulieferer findet und somit mehr Wettbewerb herrscht. Komponenten für 15 kV 16,7 Hz werden ja fast ausschließlich in Deutschland produziert und verkauft, da hat man weniger internationalen Wettbewerb.

Wenn man aber schon ein großes Netz hat, ist die Umstellung viel zu teuer und zu aufwändig. Das wäre so, wie wenn man das gesamte Landesnetz jetzt plötzlich von 230 auf 300 V umstellen wollte. Alle Hausverkabelungen müssten neu gemacht werden. Und zwar auf Kosten der Eigentümer und nicht der Energieversorger oder der Politiker, die das entschieden haben.

Das ist ja das grundlegende Problem in dieser Diskussion. Egal für welche Variante man sich entscheidet, die Kosten und die Betriebserschwernis hat erst einmal nur eine Seite und die fühlt sich dann zurecht benachteiligt.

Apropos Betriebserschwernis - das wurde in dieser Diskussion ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. In der Zeit des Umbaus fehlt ja dann eine funktionsfähige Oberleitung, sodass elektrische Fahrzeuge die entsprechenden Strecken gar nicht befahren können. Und man kann kaum eine Strecke mit einem Schlag umbauen, weil die Lieferzeiten der Bauteile dafür zu lange sind und man ja auch eine gewisse Arbeitszeit benötigt.

Zudem muss man temporär während des Umbaues Trennstellen in das Netz einbauen und Mehrsystemzüge beschaffen. Zudem können Einsystemtriebzüge nicht ohne komplette Neuzulassung mit einem zweiten Stromsystem ausgestattet werden, sodass die ICE-Triebzüge, welche nur 15 kV beherrschen, über Nacht wertlos werden. Beim Nahverkehr ist es nicht ganz so kritisch, da man den Umbau terminlich mit Neuausschreibungen und somit Fahrzeugwechseln zusammenlegen kann. Man rüstet also immer nur ein gerade neu ausgeschriebenes und mit neuen Mehrsystemfahrzeugen bestücktes Teilnetz um. Im Fernverkehr müsste man aber fast die komplette Flotte innerhalb weniger Jahre ersetzen oder die Bedienung von Teilnetzen zeitweise einstellen.

Ohne Zwang von oben und ohne staatliche Subventionen im zweistelligen Mrd-Bereich wird kein nationales EIU auch nur darüber nachdenken ein ganzes Netz in ein anderes Stromsystem umzurüsten.


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