Grenzüberschreitender Bahnverkehr = Lachnummer? (Allgemeines Forum)

numi, Samstag, 13.08.2016, 23:51 (vor 3524 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von numi, Samstag, 13.08.2016, 23:53

Es gibt im Bahnverkehr eine gigantische Menge an Anforderungen die bisher meist jedes Land einzeln geregelt hat. Das hat sich inzwischen durch die europaweiten Vorschriften (TSI) deutlich vereinfacht. Es sind jetzt wirklich meist nur Stromsystem und Zugsicherung. Das hat zu einem ziemlich großen Wandel geführt.

Früher hat meist eine Bahngesellschaft eine bestimmte Baureihe beschafft. Dabei war die Bahngesellschaft häufig sehr stark an der Entwicklung beteiligt und diese Baureihe wurde dann meist auch nur an diese eine Bahngesellschaft geliefert. Jede Bahn hatte also sozusagen auch ihre eigene Industrie. Um ein internationales Fahrzeug zu schaffen mussten also Bahngesellschaften zusammenarbeiten und dann gemeinsam auch ein Fahrzeug entwickeln.

Heute sieht das ganz anders aus. Es gibt verschiedene Hersteller die europaweit fast die selben Züge anbieten. Die Bahngesellschaft kauft nun einfach bei einem Hersteller einen Zug ein. Der Zug ist dann in fast jedem Land so ziemlich der selbe, eben bis auf Zugsicherung und Stromsystem (und in den nordischen Ländern werden andere Lichtraumprofile verwendet). Erst vor kurzem hat sogar Pesa es geschafft, einen Triebzug in Deutschland zuzulassen. Natürlich mit Problemen, aber sie haben es geschafft.

Diese Entwicklung sehe ich ziemlich positiv, da somit grenzüberschreitende Verkehre recht einfach realisiert werden können. Man kann den Zug einfach kaufen und es muss nicht erst extra von mehreren Bahngesellschaften gemeinsam etwas entwickelt werden. So können auch kleine EVU recht einfach internationale Verkehre betreiben. Man kann es sich heute leisten, sieben Fahrzeuge zu kaufen um Züge aus Düsseldorf nach Arnhem zu verlängern. Oder auch acht Fahrzeuge um von Bielefeld bis Hengelo zu fahren. Auch die Güter EVU können sich einfach Lokomotiven kaufen (oder leihen) und damit ins Ausland fahren. Häufig kaufen EVU dabei nur eine einstellige Zahl an Loks.


Natürlich gibt es im internationalen Bahnverkehr noch viele Probleme. Sowohl politisch zwischen den Bahngesellschaften (finanziell, tariflich, usw) sowie auch technisch durch die verschiedenen Systeme deren Vereinheitlichung sich ja auch nicht gerade als einfach herausstellt (ETCS macht ja doch ein paar Probleme). Aber meiner Ansicht nach waren wir selten auf einem so guten Weg wie aktuell.


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