grenzüberschreitender Bahnverkehr (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 15.08.2016, 11:47 (vor 3523 Tagen) @ lokuloi

Hallo lokuloi,

Als ICE-Fan bin ich geneigt zu sagen: wenn Europa damals so einverstanden und tatkräftig vorangetrieben hatte wie heute die Chinesen, hätte es vermutlich einen systemwechselfreien ICE International Amsterdam-Frankurt-Basel-Mailand gegeben.

Aber gibt es für so eine vertaktete [1] Linie [2] überhaupt Bedarf [3]?

Zu [1]: ich kann im von Dir zitierten Textbaustein das Wort "Takt" nicht finden.

Zu [2]: ich kann in meinem Post das Wort "Linie" nicht finden.

Zu [3]: Mailand-Amsterdam gab es am 30. August 2004 20:33 umsteigefrei. Am besagten Zeitpunkt habe ich ein Bild aus diesem (Nacht-)zug gemacht. Und ich war nicht alleine im Zug; er war sogar ausgebucht.

EC-Zugfahrten von 12 oder mehr Stunden waren in den 1980ern und 1990ern normal. Man hätte mit Rennzügen im gleichen Zeitraum noch weiter fahren können. Gut, man hat das nicht getan, dafür gibt es dann Tageszugfahrten von 7-8 Stunden im Takt. So ist es gelaufen, es hätte auch anders laufen können, deswegen auch der Konjunktiv in meinem Textbaustein.

Wie gesagt. Ich sehe hier das Problem nicht in den Systemwechseln. Sie behindern den Güterverkehr ja auch nicht, bzw. nicht entscheidend. Der grenzüberschreitende Güterverkehr in Europa scheint mir jedenfalls gut zu laufen. Genügend Mehrsystemloks vorhanden.

Dennoch besteht bei mir das Gefühl, dass diese Mehrsystemloks nicht nötig wären (oder zumindest nicht die Drei- und Viersystemmaschinen) wenn man in den 1950ern über 1-2 definitive Stromsysteme entschieden hatte. Das wäre dann 15kV und 25kV. Aber nur, weil NL Gleichstrom hat, auf Dieseltraktion setzen, das soll nicht sein.

Und irgendwo wird man ja immer die Lok wechseln müssen/wollen. Wird ja keine von Narvik bis Jerez durchlaufen ;-).

Am Ende ist der Lokführer Limitfaktor. Der braucht 3x pro Tag Essen und muss auch mal ausschlafen.

So, jetzt kommen wir zum Takt.

Oder, etwas pragmatischer: alle Städte Europas wären mit systemwechselfreien IC200-Zügen in Stundentakt bereisbar.


Ja.

Aus Eindhovener Sicht schaut das natürlich schlecht aus. Willst Du nach Köln musst du erst zurück nach Utrecht, willst Du nach Brüssel musst du zuerst zurück nach Rotterdam. Aber ich würde das jetzt nicht als repräsentativ für Europa sehen.

Darüber kann man diskutieren. Eindhoven fünfte Stadt der Niederlande (und die grösste Nicht-Randstad-Stadt), Köln vierte Stadt von Deutschland. Reisegeschwindigkeit 55 km/h. Mehr braucht man, zumindest in diesem Thema, nicht mehr zu sagen.

Nach Brüssel brauche ich 2:55 für 102 km Luftlinie, 173 Streckenkilometer. Sogar nach Paris ist die Autofahrt schneller als die Bahnfahrt, trotz 300 km/h Thalys.

Aus Münchner Sicht sieht manches schon ganz anders aus.

Aus Amsterdamer Sicht auch. Obwohl... wirklich?

Gut, nach Osnabrück kommt man inzwischen zweistündlich. Das war mal 4x pro Tag.
Aber nach Köln geht nur etwa zweistündlich. Noch erstmal kein sauberer Zweistundentakt. Da fuhr in den 1980ern mehr über die Grenze bei Emmerich. Die Fahrplanliebhaber möchten das gerne mal auflisten, wenn sie Zeit haben.
Nach Lüttich komme ich stündlich, allerdings ab Maastricht mit einer Bummelbahn.
Der Thalys nach Brüssel und Paris verkehrt 12x pro Tag.
Der Amsterdam-Brüssel-IC verkehrt stündlich aber in einer Zeit die eine deutsche Bummelbahn bei gleichem Abstand auch schaffen würde.

Ich glaube, ein internationaler Stundentakt ist heutzutage zu viel gefragt.
Ich lasse mich aber gerne korrigieren.

Die Langläufer gibt's nicht mehr, aber sind die wirklich (noch) wichtig?
Dafür gibt's vertakteten hochwertigen Verkehr im Bereich von 6-8 Stunden Fahrzeit, mit konkurrenzfähigen Geschwindigkeiten.

Kokurrenz zum Auto oder Konkurrenz zum Flugzeug?
Ich gehe mal von Konkurrenz zum Auto aus. Die Fliegerkonkurrenz ist relativ klein verglichen mit der Autofahrergemeinde.

Die Langläufer sind in der Tat überflüssig geworden, seit Ryanair & Co das Fliegen bezahlbar gemacht haben. Zwar boten die Langläufer bestimmte Direktverbindungen, vor allem für Touristen, aber Fernbusse können die Touristen sogar vor die Hoteltür statt auf den Bahnhofsvorplatz bringen.

Wenn ich 2h-Takt auf 1h-Takt verdichte, gewinne ich als Bahnfahrer 30 Minuten. Ein Autofahrer kann ja jederzeit losfahren, also muss ich einen halben Takt zur Fahrzeit hinzurechnen.
Nachteil ist allerdings, dass eine Taktverdichtung in unüberschaubaren Zahlen versteckt ist, während eine neue Bahnstrecke oder ein neuer Zug für das menschliche Auge sofort erkennbar ist.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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