aber auch keines für 50 Hz (Allgemeines Forum)

flierfy, Montag, 15.08.2016, 19:31 (vor 3522 Tagen) @ Alphorn (CH)

Niemand, der nicht schon die Krücke 15 kV installiert hat, baut heute noch neue Strecken damit. Wenn das in NL geschehen wäre, hätte es dort auf lange Zeit drei Stromsysteme gegeben.

Drei Systeme im Land vielleicht, was aber praktisch für den Fahrbetrieb unbedeutend wäre, da kein Zug die Betuwe-Route und die HSL Zuid befährt. Mit 16,7 Hz hätte man dagegen weniger Systemgrenzen, die wirklich überfahren werden.

Ich finde es nicht sehr angemessen, den 15 kV/16,7 Hz Standard als Krücke zu bezeichnen. Es ist ein sehr gut funktionierendes System, das zum Einen sehr viel eher als die 50 Hz Technik verfügbar war und Zweitens auch heute noch diverse Vorteile hat. Nicht zu Letzt deswegen gehören die damit ausgerüsteten Streckennetze zu den Leistungsfähigsten ihrer Art.


Wer nach Italien will, wird langfristig sowieso 25 kV brauchen. Wenn man dort irgendwann Gleichstromstrecken aufrüstet, dann garantiert mit 25 kV.

Das ist eine sehr gewagte Prognose. Ich halte dagegen und behaupte, dass Italien die bestehende Elektrifizierung beibehalten wird. Die 3000 V DC reichten bis jetzt aus und werden auch in Zukunft ihren Dienst tun. Zumal mit dem Brenner-Aufstieg auch noch eine Strecke vom Güterverkehr befreit werden wird, wo man richtig viel Leistung braucht.


Nur Italien hat HGV-Strecken mit Gleichstrom. England, Frankreich, Belgien, Niederlande und Spanien haben durchgängig 25 kV.

Nur sind die SFSen nur in Spanien und weitgehend in Frankreich wirklich durchgehend.

Ich argumentiere nicht mit Systemgrenzen - ich argumentiere mit Kosten. Mehrsystemzüge sind etwas teurer, neue 15 kV-Infrastruktur ist deutlich teurer. Daher soll man sich beim Systementscheid an der Infrastruktur orientieren. Und wenn man in DE Mehrsystemzüge beschaffen würde, könnte man mit billigerer Elektrifizierung die Kosten wieder reinholen. Und in ferner Zukunft auf die schweren und inkompatiblen 15-kV-Trafos verzichten.

Ich glaube nicht, dass das Argument mit den Kosten wirklich stichhaltig ist. Die Errichtung der Elektrifizierungs-Infrastruktur ist eine ziemlich einmalige Sache. Dagegen werden Fahrzeuge immer und immer wieder neu beschafft. Langfristig dürfte da nicht viel für 50 Hz sprechen.

Sowohl in Österreich, in der Schweiz als auch in Deutschland wurden in den letzten Jahren neue Bahnstrecken in Betrieb genommen. Stockholm bekommt auch bald einen neuen Bahntunnel. All diese Strecke wurde und werden mit 16,7 Hz ausgerüstet. Wenn es wirklich so günstig wäre, neue Strecken mit 50 Hz auszurüsten, würde es ja mal jemand machen. Da jedoch 4 von einander unabhängige EIUs, mit der BLS sind es sogar 5, auch bei einer Neu-Elektrifizierung an 16,7 Hz festhalten, kann der Standard auch ökonomisch nicht so schlecht sein.


Mit keinem Wort sagte ich unwichtig. Ich sagte nur wenige. Du kannst nicht bestreiten, dass in den meisten Ländern die meisten Züge im Inland bleiben. Und die Kosten hängen nicht mit der Wichtigkeit, sondern der Anzahl der Züge zusammen.

Das bestreite ich auch nicht. Nur wenn man für die wenigen Grenz-überschreitenden Züge sehr viel Geld für den Fahrweg ausgibt, ist es sehr seltsam an der Bahnstromversorgung sparen zu wollen.


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