Städtenamen auf deutsch und anderen Sprachen (Allgemeines Forum)

lokuloi, Sonntag, 14.08.2016, 23:30 (vor 3525 Tagen) @ J-C

Vorneweg. Prinzipiell bin ich ja gar nicht so sehr anderer Meinung als Du. Prinzipiell schon in Landessprache, aber nicht so unter Zwang. Du siehst mir da manches doch zu dogmatisch.

Szczeczin, Gdansk, Kraków und Wrocław lassen sich recht leicht aussprechen, wenn man es nur will... und wenn es schwer fällt, Wikipedia lässt die korrekte Aussprache leicht erlernen.

Zumal man damit auch den Horizont erweitert, wenn man sich ein wenig sich mit den Sprachen, die in den jeweiligen Ländern gesprochen werden, auseinandersetzt. Und nicht alles auf Biegen und Brechen eindeutscht. Ich mag beispielsweise lieber Hodonín sagen als... Göding. Ganz ehrlich, wer kam darauf, "Göding" als Übersetzung zu nehmen?


Das sind ja keine Eindeutschungen. Die von Dir genannten Städte haben schon seit langer, langer Zeit einen deutschen (germanischen) und einen slawischen Namen. Da ist keiner eingedeutscht, oder eingeslawischt, es gibt halt beide Namen.

Es ist eben so, dass der Übergangsbereich zwischen slawischen und germanischen "Stämmen" lange von beiden Gruppen bevölkert wurde, und beide hatten ihre Bezeichnungen für Orte und Städte.

Stettin z.B. ist aus verschiedenen z.T. deutschen z,T. polnischen Siedlungen entstanden -> https://de.wikipedia.org/wiki/Stettin#Geschichte

Die Polen, die ich kenne, nutzen z.B., wenn sie deutsch sprechen, die deutschen Namen. Wieso auch nicht?


Oder Brno. Das hört sich irgendwie schöner an als Brünn.

Praha... das hat etwas weitläufiges, etwas einladendes, bei Prag ist hingegen sehr schnell Schluss.

Trotzdem haben es die deutschsprachigen Einwohner Prags seit jeher Prag genannt. Und vermutlich haben es auch die Tschechisch-Muttersprachler Prag genannt, wenn sie deutsch sprachen / sprechen mussten.

Es ist eben anders, als z.B. bei dem von dir ins Spiel gebrachten New York, das in dem Sinne nie einen ursprünglich deutschen Namen hatte. Trotzdem wirst du auch hier genügend Veröffentlichungen von vor 100 Jahren finden, in denen eingedeutscht von "Neu York" die Rede ist. Das macht heute zurecht keiner mehr. Und velleicht sagt in 100 Jahren auch keiner mehr Prag, wer weiß.


Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.

Können, ja. Müssen, nein. Auch meine Heimatstadt sprechen die wenigsten korrekt wie die Eingeborenen aus. Dabei sollte "Minga" auch problemlos über preussische Lippen kommen. München hingegen ist für viele nicht so einfach. Aber wir wissen hier ja was mit Munich oder Monaco (d.B.) gemeint ist. Wo ist's Problem? Im Gegenteil: spreche ich englisch oder italienisch würde ich nie "München" sagen.


Vielleicht liegt das auch an mir, ich bin halt ein ziemlich europäischer Mensch, aufgewachsen in Deutschland, umgezogen nach Tschechien, studieren werdend in Wien und dabei auch noch die Romandie der Schweiz liebend... ich fühle mich persönlich so gar nicht deutsch, eher europäisch. Und als Europäer hat Deutsch für mich nunmal kein Sprachmonopol.


Eben. Aber auch die anderen Sprachen nicht. Gerade Osteuropa war über Jahrhunderte gemischt bevölkert, wo in einer Stadt verschiedene Kulturen nebeneinander lebten und ihre eigenen Namen hatten. Gerade das ist Vielfalt. Städte können eben mehrer Namen haben. Das sieht man gerade da, wo das Zusammenleben verschiedener Sprachen mehr oder weniger gut funktioniert.

Oder was ist aus Deiner Sicht der "korrekte" zu benutzende Name von:

Bozen, Meran, San Candido, Disentis, St. Moritz, Genf, Biel, Brüssel, Hoyerswerda, Weißwasser oder Flensborg.

beliebig fortsetzbar...


Aber ich denke, das ist zu viel Philosophie. Ich mag einfach die Ortschaften am liebsten in der Landessprache aussprechen, da kann ich auch meinen Horizont erweitern.

Das ist kein Problem. Aber oft gibt es auch einfach nicht _die_ Landessprache. Gerade in Polen und Tschechien war das lange der Fall und natürlich halten sich dann die die traditionellen deutschen Namen, vor allem wenn die einheimischen nur schwer auszusprechen und vor allem zu merken sind. Alles nicht so tragisch.

Ciao,
Uli


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum