grenzüberschreitender Bahnverkehr (Allgemeines Forum)

lokuloi, Montag, 15.08.2016, 21:44 (vor 3522 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo lokuloi,

Als ICE-Fan bin ich geneigt zu sagen: wenn Europa damals so einverstanden und tatkräftig vorangetrieben hatte wie heute die Chinesen, hätte es vermutlich einen systemwechselfreien ICE International Amsterdam-Frankurt-Basel-Mailand gegeben.

Aber gibt es für so eine vertaktete [1] Linie [2] überhaupt Bedarf [3]?


Zu [1]: ich kann im von Dir zitierten Textbaustein das Wort "Takt" nicht finden.

Zu [2]: ich kann in meinem Post das Wort "Linie" nicht finden.


Da hast Du wohl recht ;-). Aber für einen Einzelzug lohnt es sich doch erst recht nicht, alles umzuelektrifizieren.


Zu [3]: Mailand-Amsterdam gab es am 30. August 2004 20:33 umsteigefrei. Am besagten Zeitpunkt habe ich ein Bild aus diesem (Nacht-)zug gemacht. Und ich war nicht alleine im Zug; er war sogar ausgebucht.


2004 war das Billigfliegen noch lange nicht so verbreitet wie heute. Aber ja: ich sagte ja. Langläufer gibt's weniger, dafür mehr vertaktete Kurzläufer.

In einem nicht ganz unrealistischen "Zielzustand" gibt's in diesem Korridor folgende "HGV"-Zwei-Stunden-Takte:

- Amsterdam - Frankfurt
- Köln - Basel
- Frankfurt - Mailand

Damit sollte eigentlich fast allen gedient sein. Wer wirklich Amsterdam - Mailand durchfahren will muss umsteigen. _Mir_ wäre ein durchgehender Zug auch lieber, denke aber der wäre zu aufwändig. Und ja, auch das Umelektrifizieren wäre aufwändig.

EC-Zugfahrten von 12 oder mehr Stunden waren in den 1980ern und 1990ern normal. Man hätte mit Rennzügen im gleichen Zeitraum noch weiter fahren können. Gut, man hat das nicht getan, dafür gibt es dann Tageszugfahrten von 7-8 Stunden im Takt. So ist es gelaufen, es hätte auch anders laufen können, deswegen auch der Konjunktiv in meinem Textbaustein.

Die Frage ist, ob es anders wirklich besser wäre. Ich gestehe, noch nie einen 12-Stunden-Tagzug genutzt zu haben (auf ganzer Länge). Mit Teilstrecken-Linien im Bereich 8 Stunden Fahrzeit fährt man m.M.n besser, es deckt die Verkehrsbedürfnisse ab und ist im Handling leichter.

So, jetzt kommen wir zum Takt.

Oder, etwas pragmatischer: alle Städte Europas wären mit systemwechselfreien IC200-Zügen in Stundentakt bereisbar.


Ja.

Aus Eindhovener Sicht schaut das natürlich schlecht aus. Willst Du nach Köln musst du erst zurück nach Utrecht, willst Du nach Brüssel musst du zuerst zurück nach Rotterdam. Aber ich würde das jetzt nicht als repräsentativ für Europa sehen.


Darüber kann man diskutieren. Eindhoven fünfte Stadt der Niederlande (und die grösste Nicht-Randstad-Stadt), Köln vierte Stadt von Deutschland. Reisegeschwindigkeit 55 km/h. Mehr braucht man, zumindest in diesem Thema, nicht mehr zu sagen.

Ja. Ist schlecht. Aber hier fehlt's mehr am Willen.

Die Verbindung München - Prag z.B. hatte vier Lokwechsel, inzwischen drei. Es hat drei verschiedene Stromsysteme und dazwischen sogar gar keines. Dazu noch 2 Fahrtrichtungswechsel. Und ermöglicht eine nicht gerade berauschende Durchschnittsgeschwindigkeit von 78 km/h. Trotzdem verkehren hier vier Züge am Tag, perspektivisch sogar evtl. ein Zweistundentakt. Hier ist der Wille dazu vorhanden. Da stören auch die diversen Systemwechseln nicht.

Wenn der (politische) Wille da wäre, könnte man problemlos die ICs Den Haag - Venlo nach Mönchengladbach - Köln verlängern. Das würde ich sogar sehr sinnvoll finden. Hier würde das ein nicht vorhandener Systemwechsel sicherlich vereinfachen. Aber trotzdem ist der Systemwechsel viel wirtschaftlicher, als eine Umelektrifzierung der Strecken.

Aber nach Köln geht nur etwa zweistündlich. Noch erstmal kein sauberer Zweistundentakt. Da fuhr in den >1980ern mehr über die Grenze bei Emmerich. Die Fahrplanliebhaber möchten das gerne mal auflisten, wenn >sie Zeit haben.

Link

Ich bin mir nicht sicher, ob es mehr war, auf jeden Fall unsystematischer. Das ist jetzt nichts, was ich zurück haben möchte. Vor allem, da eben die langlaufenden Züge keiner mehr so nutzen würde. Es hat ja gute Gründe warum es heute anders gemacht wird. Für Amsterdam - Köln gibt's vielleicht auch eines Tages einen Stundentakt.

Ich glaube, ein internationaler Stundentakt ist heutzutage zu viel gefragt.
Ich lasse mich aber gerne korrigieren.

Kommt darauf an. Zwischen London, Brüssel und Paris gibt es durchaus Stundentakte. Prinzipell ist doch aber auch ein internationaler Zweistundentakt was schönes. Besser als unsystematische und anfällige Langläufer.

Die Langläufer gibt's nicht mehr, aber sind die wirklich (noch) wichtig?
Dafür gibt's vertakteten hochwertigen Verkehr im Bereich von 6-8 Stunden Fahrzeit, mit konkurrenzfähigen Geschwindigkeiten.


Kokurrenz zum Auto oder Konkurrenz zum Flugzeug?
Ich gehe mal von Konkurrenz zum Auto aus.

In dem Fall dachte ich ans Auto, ja. Wobei Fahrzeiten von unter 4 Stunden für München - Wien und Amsterdam - Frankfurt oder Paris - Frankfurt und Nahe 3 Stunden für Stuttgart - Paris, Frankfurt - Brüssel oder Köln -Paris schon auch sehr konkurrenzfähg zum Flugzeug sind.


gruß,

Oscar (NL).

Ciao,
Uli


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