Das ist kein Argument pro 15 kV (Allgemeines Forum)

Alphorn (CH), Sonntag, 14.08.2016, 20:58 (vor 3523 Tagen) @ flierfy

Dann dürfte es aber innerhalb jedes Landes keine Systemgrenzen geben. In vielen Ländern gibt es die jedoch. Und das betrifft vor allem Länder, die ursprünglich mit Gleichstrom angefangen haben und nun mit 50 Hz weitermachen.

Fehlende Systemgrenzen sind wünschenswert. Aber die Frage ist, was billiger ist: Teure und veraltete 16.7 Hz überall - um Systemgrenzen zu vermeiden - oder ein bei internationalen Zügen Mehrsystemausrüstungen installieren - was bei 50 Hz zusätzlich zu 16.7 Hz ziemlich billig ist.

Zudem: In Gleichstromländern braucht man sowieso Mehrsystemausrüstungen, ob es jetzt Gleichstrom plus 16.7 Hz oder Gleichstrom plus 50 Hz sei. Daher weder ein Argument für noch gegen 50 Hz.

Des Weiteren gibt es mit der Betuwe-Route eine Bahnstrecken, auf der verkehren fast ausschliesslich Züge, die anschliessend eine Ländergrenze überqueren. Hier wäre man sehr viel besser gefahren, wenn man den 16,7-Hz-Standard für die Strecke inklusive Güterbahnhof Kijfhoek angewandt hätte. Das hätte für viele Fahrten die Notwendigkeit von Mehrsystemloks erspart.

Niemand, der nicht schon die Krücke 15 kV installiert hat, baut heute noch neue Strecken damit. Wenn das in NL geschehen wäre, hätte es dort auf lange Zeit drei Stromsysteme gegeben.

Ähnliches gilt für die Strecke durch den Brennerbasistunnel. 16,7 Hz ist auch hier die bessere Wahl. Aber wie es aussieht, wird man auch hier der kurzfristig billigsten Lösung erliegen und sich dafür langfristig eine zusätzliche Systemgrenze einhandeln.

Wer nach Italien will, wird langfristig sowieso 25 kV brauchen. Wenn man dort irgendwann Gleichstromstrecken aufrüstet, dann garantiert mit 25 kV.

In den 5 16,7-Hz-Ländern gibt es aber praktisch nur diesen einen Elektrifizierungs-Standard. Von den 50-Hz-Ländern kann man das nur von Luxemburg und von Südosteuropa beginnend mit Ungarn behaupten. Der Rest fummelt mit zwei Standards rum und braucht entsprechende Speziallösungen für seine Fahrzeuge.

Korrekt - bis auf weiteres. Aber wie gesagt, eine Speziallösung braucht es so oder so. Nur ist 25 kV, wenn man die Infrastruktur mitrechnet, billiger.

Und erzähle mir nicht, die SFSen wären keine Systeminseln. In Italien sind sie das alle mal. In Spanien gibt es auf Grund der unterschiedlichen Spurweite ohnehin zwei Netze. Die Zusammenhängigkeit des Netzes in den DACH-Ländern gibt es in westeuropäischen Ländern überhaupt nicht.

Nur Italien hat HGV-Strecken mit Gleichstrom. England, Frankreich, Belgien, Niederlande und Spanien haben durchgängig 25 kV.

Damit plädierst du für eine Systemgrenze mitten in Deutschland, obwohl das deinem ersten Argument widerspricht, dass die wenigsten Züge keine Staatsgrenze überschreiten und sie daher nur für ein System ausgerüstet werden brauchen. Deine Argumentation ist an der Stelle nicht kohärent.

Ich argumentiere nicht mit Systemgrenzen - ich argumentiere mit Kosten. Mehrsystemzüge sind etwas teurer, neue 15 kV-Infrastruktur ist deutlich teurer. Daher soll man sich beim Systementscheid an der Infrastruktur orientieren. Und wenn man in DE Mehrsystemzüge beschaffen würde, könnte man mit billigerer Elektrifizierung die Kosten wieder reinholen. Und in ferner Zukunft auf die schweren und inkompatiblen 15-kV-Trafos verzichten.

Wenn die paar internationalen Züge so unwichtig wären, würden die Däne nicht die teuren Tunnel und Brücken nach Schweden und Deutschland bauen.

Mit keinem Wort sagte ich unwichtig. Ich sagte nur wenige. Du kannst nicht bestreiten, dass in den meisten Ländern die meisten Züge im Inland bleiben. Und die Kosten hängen nicht mit der Wichtigkeit, sondern der Anzahl der Züge zusammen.

Zumal der 16,7-Hz-Standard so viel teurer nicht sein kann, wenn ihn sich selbst die DDR geleistet hat.

Wenn man mal mit 15 kV begonnen hat, ist der Wechsel schmerzhaft. Ich nehme an, die ersten solchen Strecken gab es schon vor dem Krieg.

Und ein gänzlich eigenes Bahnstromnetz ist auch nicht unbedingt notwendig. Die Dänen können sich auch an die bestehenden Bahnstromnetze Schwedens und Deutschlands hängen.

Das bedingt immer noch neue, separate Hochspannungsleitungen durch das ganze Land. Und wie einfach das heute durchsetzbar ist, solltest Du selber wissen.


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