grenzüberschreitender Bahnverkehr (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 21:35 (vor 3522 Tagen) @ lokuloi
bearbeitet von J-C, Montag, 15.08.2016, 21:36


Perspektivisch, wenn es dann den ein oder anderen EC Frankfurt - Mailand geben wird, werden es mehr Verbindungen mit nur einmal Umsteigen. Und mit Inbetriebnahme von GBT, Ceneri und den diversen

Inbetriebnahmen der NBS/ABS im Oberrheingraben auch schneller.

Das ist schonmal ganz nett, aber was ist beispielsweise mit Frankfurt-Prag?


Das ist doch ein gutes Beispiel:

Es gibt es Abfahrten im Zweistundentakt um 6:18 und von 8:22 bis 16:22 in 7 Stunden und 6 Minuten, allerdings mit 2 zweimal Umsteigen in Leipzig und Dresden. Aber eine halbe Stunde schneller als der durchgehende EC in den 90ern.

Die Verkehre wurden eben systematisiert. Die Züge Dresden - Prag kommen jetzt grundsätzlich aus Berlin. Man muss in Dresden umsteigen. Optimieren könnte man noch die Umsteigezeit in Dresden (derzeit 30 Minuten). Zudem wäre es natürlich schöner, wenn man in Leipzig nicht auch umsteigen müsste. Mit der Inbetriebnahme der NBS Ebensfeld - Erfurt wird aber eh der Fahrplan neu geordnet. Auch der Ausbau Berlin - Dresden könnte Einfluss auf die Zeitlage der ECs Dresden - Prag haben. Mal schauen was sich dann ergibt. Der Anschluss aus Frankfurt und Leipzig scheint mir einer der wichtigeren der ECs nach Prag zu sein. Vielleicht lässt sich der noch besser gestalten. 20 Minuten wären da schon drin.

Aber attraktiv ist es nimmer. Ich bin selber jemand, der eigentlich nicht soooo gerne umsteigt, ich mag es am liebsten, meine Reise ohne Umstiegen durchführen zu können, das ist bequem, einfach streicht sämtliche Risiken weg, die beim Umstieg auftreten könnten. In sofern ist zwingend erforderlich, dass Frankfurt-Prag wenigstens ein Mal am Tag eine Direktverbindung hat. Kann man dann ja auch zur Not durchbinden, damit ein Schuh draus wird.

Infrastrukturmäßig ist die Strecke erstmal weitgehend ausgebaut. Ein paar Minuten kommen noch zwischen Eisenach und Erfurt (Ende 2017). Auch zwischen Coswig und Riesa soll noch ausgebaut werden.

Das ist natürlich erfreulich.

Ausbauten zwischen Hanau und Eisenach sind geplant, aber das wird noch dauern. Ein Ausbau Dresden - Prag liegt in weiter Ferne und ist m.M.n. unrealistisch.

Ich halte es für sehr realistisch, es ist nur eine Frage des Willens... ich wiederhole mich...

Zwischen Frankfurt und Prag gibt es außerdem um 8:19, 12:21 und 14:21 Verbindungen mit 2x Umsteigen in Nürnberg und Cheb in ca. 7:20 und damit eine Viertel Stunde schneller als der durchgehende EC in den 90ern.

Wooow, aber damit sollte man sich nicht zufrieden geben und schauen, dass es weniger wird.

Um 10:18 dauert es sogar nur 6:58 (und damit 40 Minuten schneller als der EC in den 90ern). Da verkehrt von Cheb nämlich der SC nach Prag. Das dürfte derzeit das Optimum sein.

Derzeit. Aber das ist nicht in Stein gemeißelt. Ein Transrapid beispielsweise würde dann völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Ist zwar etwas aus dem Thema, aber ich finde, auf lange Sicht wird ein Transrapid unentbehrlich.

Auch hier wurden die Verbindungen sysematisiert. Insbesondere gibt es grenzüberschreitend Nürnberg - Cheb im Zweistundentakt mit Neigetechnik in 1:45.

Das ist schön, aber wieso nicht elektrisch?


Eine Elektrifizierung Nürnberg - Cheb ist zwar nicht völlig unrealisitisch dürfte aber fahrzeitmäßig nichts bringen.Die wäre eher für den Güterverkehr wichtg.

Aber wenn man dabei eine Neubaustrecke baut, wird in Kombination mit einer Elektrifizierung wieder ein Schuh draus und die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Extra dafür haben sich Sobotka und Seehofer mal getroffen, damit das mal forciert wird.

Verbesserungen sollten dann da unternommen werden, wo es vielen etwas bringt. Da wäre insbesondere in Tschechien der Abschnitt Prag-Pilsen zu nennen. Da im Speziellen Prag-Beroun. Da war schon vor 10 Jahren was geplant (http://www.praha-beroun.cz/?f_lng=en). Nur hört man davon nicht mehr allzuviel. Aber der würde nicht nur die Verkehre von Prag nach Süddeutschland sondern insbesondere auch die innertschechischen Verkehre nach Pilsen und darüberhinaus beschleunigen. Dazu würde es die Strecke Prag - Beroun entlasten und Platz für den Vorort-Verkehr schaffen. Hier würde eine sinnvolle nationale Maßnahme auch den internationalen Verkehr um ca. 20 Minuten beschleunigen.

Dann hoffe ich, dass die Tschechen mal da Vorbild werden für Deutschland ;-)


Ob die angebotenen Verbindungen Frankfurt - Prag jetzt gut oder schlecht sind, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Jedenfalls liegt es auch hier nicht an den verschiedenen Stromsystemen, dass sie nicht besser sind, und sie sind auch nicht schlechter als in den 90ern -nur anders.

Aber mit gleichem Stromsystem wäre eine flexiblere Nutzung des Lok- und Wagenmaterials möglich, beziehungsweise auch des Triebwagenmaterials.

Wie gesagt. Ich sehe hier das Problem nicht in den Systemwechseln. Sie behindern den Güterverkehr ja auch nicht, bzw. nicht entscheidend. Der grenzüberschreitende Güterverkehr in Europa scheint mir jedenfalls gut zu laufen. Genügend Mehrsystemloks vorhanden. Und irgendwo wird man ja immer die Lok wechseln müssen/wollen. Wird ja keine von Narvik bis Jerez durchlaufen ;-).

Aber wozu Mehrsystemloks, wenn man sich mit einem Stromsystem zufrieden geben kann?


Weil Mehrsystemloks wesentlich günstiger sind, als 10.000e Kilometer Strecke neu zu elektrifizieren. Der Nutzen steht einfach in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Du siehst das viel zu kurz. Die Investition in ein einheitliches Stromsystem wird vielleicht Geld kosten, aber diese Investition ist nur einmal zu tätigen und dann kommen nur noch die üblichen Instandhaltungskosten.

Neue Eloks hingegen wird man auch in Zukunft wieder und wieder beschaffen müssen, die entfallenen Kosten würden auf lange Sicht die Investition in eine Vereinheitlichung rechtfertigen.


Ja. Und - wie gesagt - auch wenn's überall und bei allem Verbesserungsmöglichkeiten gibt: so schlecht ist's auch nicht.

Worauf man sich allerdings nicht ausruhen sollte. Denn wo Luft nach oben ist, muss man sich darum kümmern, dass man auch nach oben kommt.


Klar.

Es wird ja z.B.

- Geltendorf - Lindau elektrfiziert und ausgebaut. Fahrzeitverkürzung: fast 30 Minuten für München - Zürich.

Weitere zukünftige und absehbare internationale Ausbauten wären:
- Emmerich - Oberhausen
- Feste Fehrmanbeltquerung
- Brennerbasistunnel

Und auch z.B. die Verbindung "deutsches Inntal - Kundl" als Teil der neuen Unterinntalbahn zwischen Rosenheim und Innsbruck und die Elektrifzierung Markt Schwaben - Freilassing im Zuge der Verbindung München - Salzburg wird früher oder später kommen. Letzters dürfte für München - Wien nochmals 20 Minuten bringen. Es tut sich schon was, wenn auch langsam. Und mit den neuen Infrastrukturen kommen dann auch passende Fahrzeuge.

Gruß

Jan-Christian


heute etwas länger,
Uli

Das ist lobenswert, wobei anderswo zwischen Stuttgart und Zürich wiederum es ziemlich mau aussieht mit der Optimierung...

Es ist heutzutage eine durchwachsene Geschichte. Einerseits haben Neubaustrecken immense Fahrtzeitverkürzungen gebracht. Andererseits gibt es Regionen, da geschieht... nichts.

Ich bin allgemein auch für mehr Willen zur Bahn, was auch willen mitbringen muss, die Bahn als Verkehrsträger zukunftsfähig zu machen und dazu gehört langfristig ein neues A-Netz in Form von Transrapid. Der Transrapid ist am ehesten fähig, die umwelttechnisch höchst fragwürdigen innereuropäischen Flüge völlig zu substituieren, dank einer viel höheren Geschwindigkeit, die man planmäßíg sinnvoll erreichen kann als beim konventionellen Schienenverkehr.

Und ich finde, das ist auch passend, wenn wir über Bahnverkehr in Europa reden. Denn ein Transrapid lohnt sich nicht vom Hauptbahnhof in zum Flughafen. Weder in Shanghai, noch in Stoibers München. Nein, wenn es von München Hauptbahnhof nach München Flughafen gehen soll, dann als Teil einer Verbindung Paris-Frankfurt-München-Wien-Budapest!

In diesem Sinne

Liebe Grüße

Jan-Christian

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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