Spassthread NBS Stuttgart - Zürich/Güterverkehr Zürich (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Mittwoch, 20.02.2013, 23:09 (vor 4794 Tagen) @ hfrik

Hoi,

Nun, als Ergänzungs und Entlastungsstrecken passen die Güterzugkapazitäten auf deutscher Seite ja ganz gut. Auf schweizer Seite ist eine KApazität nahe Null dann auf die Dauer vielleicht etwas zu wenig, um den Sinn des Vertrages zu erfüllen.

Es ist keine Kapazität nahe null. Schaffhausen - RB Limmattal sind pro Tag und Richtung 36 Trassen für Güterzüge verfügbar. Abzuzählen sind jetzt noch alle Güterzüge, die nicht zum Gotthard wollen und dann hat man die tatsächliche Kapazität für NEAT-Güterzüge.

An welcher stelle klemmts denn auf Schweizer Seite am ehesten, um die Züge abnehmen zu können?

Ich beginne mal in Schaffhausen:
Hier haben wir zwischen Neuhausen am Rheinfall und Fischerhölzlitunnel/Altenburg-Rheinau noch einen einspurigen Abschnitt, der auch sehr dicht mit S-Bahnen und Fernverkehr belegt ist (S-Bahn in HVZ in 15-min-Takt und FV ganztags im 30-min-Takt). Dieser Rheinfallbogen ist zum ausbauen nicht unmöglich, aber sehr aufwendig.
Als nächstes existiert zwischen Jestetten Süd und Rafz noch ein einspuriger Abschnitt. Hier verkehren weniger Züge (S-Bahnen in HVZ nur im 30-min-Takt) als am Rheinfallbogen. Hier bräuchte es einen Doppelspur-Ausbau erst in zweiter Priorität nach dem Rheinfallbogen.
Als dritter Abschnitt ist die Rheinbrücke zwischen Hüntwangen-Wil und Eglisau noch einspurig. Da dies jedoch der kürzeste Einspurabschnitt ist, ist er am wenigsten wichtig.
Im Abschnitt Oberglatt-Glattbrugg wäre eventuell bei steigendem Verkehr (derzeit geplant in der HVZ sechs S-Bahnen, in NVZ vier, pro Stunde und Richtung und FV ganztags im 30-min-Takt) ein drittes Gleis sinnvoll.

Nun aus Richtung Lindau:
Erstmal braucht die ÖBB-Strecke nach St. Margrethen einen Kapazitätsausbau. Einige zusätzliche Doppelspurabschnitte und eventuell ein drittes Gleis Bregenz-Lauterach könnten nötig werden.
Auf Schweizer Seite wird es in Rorschach interessant. Die schnellere Strecke über St. Gallen ist so steil die Gotthard-Bergstrecke und daher für Güterzüge ungeeignet. Die Güterzüge müssten die langsamere Strecke über Romanshorn Verbindungslinie nehmen. Das Problem ist, dass die Strecke Rorschach-Romanshorn nur einspurig ist und die Anwohner etwas gegen einen Ausbau haben. Die haben letztens mal gefodert, dass Güterzüge nur noch 50 km/h fahren sollen, um leiser zu sein. Die SBB haben dann geantwortet, sie hätten gerne 220 Mio CHF, um die Strecke auf elf Kilometern auf Doppelspur ausbauen zu können, damit die langsameren Güterzüge nicht die Kapazitäten für den Personenverkehr kürzen. So eine Antwort haben die Leute dort nicht erwartet, ein Doppelspurausbau hätten sie ja ebenfalls abgelehnt.
Der nächste Punkt ist die Strecke Winterthur-Zürich. Diese nur doppelspurige Strecke ist an der Kapazitätsgrenze und wird ab 2018 mit mindestens 18 Personenzügen pro Stunde und Richtung belastet (sechs FV, zehn S-Bahnen und zwei HVZ-Verstärker). Die übrigbleibende Kapazität schöpft der regionale Güterverkehr aus. Da ist bis zu einer Kapazitätserweiterung kein Platz für irgendein NEAT-Güterzug.
Die Kapazitätserweiterung soll erst 2030 mit dem 2.5 Mia CHF teuren Brüttener Tunnel kommen, der eine zusätzliche Doppelspur von Winterthur bis Bassersdorf/Dietlikon schaffen wird.

Knoten Zürich:
Die Strecke Regensdorf-Watt - Würenlos müsste durchgehend auf Doppelspur ausgebaut werden, um die oben genannten zusätzlichen Kapazitäten in den Rangierbahnhof Limmattal (RBL) führen zu können. Eventuell wäre im Abschnitt Regensdorf-Watt - Zürich Seebach ein drittes Gleis vorzusehen.
Das grösste Problem stellt nun aber die Führung von Güterzügen vom RBL zur NEAT-Hauptzubringerstrecke bei Brugg oder Othmarsingen dar. Die Kapazitäten lassen auf diesen eigentlich recht kurzen Strecken wegen des sehr dichten Personen(fern)verkehrs eigentlich praktisch keine zusätzlichen NEAT-Güterzüge zu. Es gibt noch genügend anderen Güterverkehr, der die noch freien Kapazitäten beansprucht.
Auch hier ist eine Entlastung geplant. Es stehen zwischen Zürich und Aarau verschiedene Varianten einer NBS zur Diskussion. Ein Varianten-Entscheid wurde noch nicht gefällt, dieser soll bis ca. 2018 gefällt werden. Eine Realisation einer solchen NBS ist für den Zeithorizont 2030/2035 angedacht.
Vorher wird es keine zusätzlichen Kapazitäten für NEAT-Güterzüge aus Richtung Schaffhausen oder Lindau geben.

Ich hoffe, diese umfangreiche Abhandlung meinerseits erklärt die Probleme ziemlich gut. Das Hauptproblem ist eigentlich, dass man hier dem dichten West-Ost-Fernverkehr in die Quere kommt. Die Güterzüge ab Basel können hingegen via Frick-Brugg-Othmarsingen-Muri-Rotkreuz eine durchgehend doppelspurige Strecke nutzen, auf denen sonst nie mehr als zwei bis vier Personenzüge pro Stunde und Richtung unterwegs sind und die West-Ost-Strecken niveaufrei gekreuzt werden.

"Entlastungsstrecken zur NEAT steht im sTaatsvertrag, d.h. da fahren auch Güterzüge zur NEAT. Ebenso in die Ostschweiz. Nicht der überwiegende Teil, aber doch mehr als Null.

Nicht ganz, du darfst das nicht so aus dem Kontext reissen:
[...] im Güterverkehr die Funktion regionaler Entlastungsstrecken zur NEAT mit Erschliessungsfunktion für die Ostschweiz und Süddeutschland.

Wenn also ein Güterzug gar nicht zur NEAT will, sondern nach Süddeutschland oder in die Ostschweiz, so soll dieser eben nicht über die NEAT-Zulaufstrecke verkehren, sondern via Gäu- oder Allgäubahn um die NEAT-Zulaufstrecke Karlsruhe-Basel zu entlasten.

Von Augsburg und München fährt an schlecht über Basel zum Gotthard.

Von dort liegt der Brenner auch näher ;-)


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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