NL: Casus HSL-Zuid. (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 01.12.2014, 13:31 (vor 4166 Tagen) @ guru61
bearbeitet von Oscar (NL), Montag, 01.12.2014, 13:32

Hallo guru61,

Da darf man sich schon fragen, ob es wegen 6 Minuten sinnvoll ist, 100 Kilometer Schnellfahrlinie zu bauen, oder ob man das Geld nicht in eine Optimierung der bestehenden Strecken investieren soll.

Die HSL-Zuid ist da ein interessanter Fall. Die Strecke wurde bereits 1973 erstmals genannt. Sie sollte Bestandteil eines europaweiten HGV-Netzes werden. Amsterdam sollte via Brüssel eine Schnellverbindung mit der Europa-Eisenbahnhauptstadt Paris erhalten. Rein pragmatisch wäre die Strecke nicht unbedingt nötig gewesen, aber unsere Regierung war nunmal empfindlich für die TGV-verliebten Franzosen, die auch gerne blitzschnell nach Amsterdam reisen möchten.

Verkehrstechnisch bietet die HSL-Zuid allerdings ein weiterer Vorteil: man kann die Verkehre Amsterdam-Den Haag und Amsterdam-Rotterdam trennen. Aber dafür braucht man nicht unbedingt eine 300 km/h Rennbahn zu bauen; eine normale 160 km/h IC-Strecke würde auch schon einiges tun. Und so geschah: die Streckenverkürzung brachte mehr Zeitgewinn als die Anhebung der vmax; man vergleicht halt die Fahrzeiten Amsterdam-Rotterdam von Thalys (0:36), IC Direkt (0:41) und der Altstrecken-"IC" (1:10).

Weil die HSL-Zuid mit 25kV und ERTMS versehen ist, war eine Verlagerung der Inlands-"IC" aber nicht möglich, also konnte man das Argument "Verkehre trennen" für die Verteidigung der HSL-Zuid nicht verwenden.

Die Frage ist schon, ob sich mit den 1.25 Milliarden Euronen für 50 km Neubaustrecke nicht nahezu denselben Effekt erzielen liesse, wenn man eine Altbaustrecke punktuell verbessert. Gerade, wenn sie wie im Rheintal und im Norden deutschlands eh schon günstig trassiert ist.

Hier kommt der Faktor Lokalpolitik ins Spiel.
In Deutschland möchte jede sichselbst respektierende Stadt ICE-Halt sein, und gefälligst soll auch jeder ICE, der dort vorbeikommt, halten. So wird es selbstverständlich nichts mit einem Mannheim-Bypass, welche eine Kantenzeit Frankfurt-Stuttgart von 1 Stunde ermöglichen würde.

Die Passagiere sollten auf den ICE geprügelt werden.
Und nun geschieht dasselbe mit dem IC.

Vergeblich. Die Bahn prügelt sie in die Fernbusse.

Und Amsterdam-Rotterdam? Jan akzeptiert den Aufpreis (2,30 pro Fahrt oder 50-60 Euro pro Monat). Er kann das Abo auf seiner Chipkarte laden. Oder er nimmt den Umweg via Den Haag. Das müssen die Autofahrer sowieso. Und die stehen in der HVZ im Stau.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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