Ausschreibungen: Deutschland - Frankreich (Allgemeines Forum)

Sören Heise, Region Hannover, Dienstag, 26.02.2013, 11:47 (vor 4797 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo Oscar!

1. Kann es sein, dass in Deutschland die Fahrzeugbestellungen pro Bundesland gemacht werden, und in Frankreich landesweit?

In Deutschland werden die Fahrzeuge für jede Ausschreibung einzeln bestellt. Es gibt teilweise Rahmenverträge einzelner Bahngesellschaften, dort werden die benötigten Exemplare dann nach Zuschlagerteilung abgerufen (das sind im Extremfall Null). Die Talent 2-Schwemme entstammt einem solchen Rahmenvertrag.

Die für die Ausschreibungen verantwortlichen Aufgabenträger sind je nach Bundesland unterschiedlich; viele Länder haben eine eigene Organisation fürs ganze Territorium (z.B. Thüringen oder Bayern), andere Länder haben mehrere solche Organisationen (z.B. NRW). Die schreiben dann (oft im Verbund mit den Nachbarn) aus und für eine solche Ausschreibung werden dann die Fahrzeuge geordert. Der Extremfall ist eine einzeln ausgeschriebene Strecke, für die genau ein Fahrzeug benötigt wird.

2. Kann es sein, dass es in Frankreich noch nicht so viele Privatbahnen gibt = SNCF régional braucht sich nicht gegenüber andere Anbieter zu bewerben = kann deswegen alles in Großen und Ganzen bestellen?

Ein Wettbewerb im Regionalverkehr ist in Frankreich derzeit nicht möglich (die Gewerkschaften freut's, die Regionen eher nicht).
Es fahren zwar französische Bahngesellschaften (auch die SNCF) mit Tochtergesellschaften im deutschen SPNV, aber deutschen Bahngesellschaften ist der Zugang zum französischen Regionalverkehrsmarkt (den es im Prinzip gar nicht gibt) nicht möglich. Ob sich das ändert?

Da ist es den SNCF natürlich leichter, große Serien zu bestellen und nicht nur Rahmenverträge. Die Aufgabenträgerschaft liegt meines Wissens bei den Regionen, die die Fahrzeuge finnanziell fördern.

Aber wieso geht das in Deutschland nicht? Was spricht dagegen, RE200-Leistungen auf z.B. der Rollbahn anzubieten? Oder auf Hamm-Minden? Konkurrenz mit Fernverkehr? Gibt es in Frankreich auch, denn es verkehren s.i.w. auch noch Corail Intercités und regionale TGVs parallel zum TER200 Alsace.

Zum Elsaß: Die lokbespannten Fernzüge Basel - Brüssel sind verkehrlich in den TER-Fahrplan integriert, ob auch tariflich, weiß ich nicht. Die TGV Provinz-Provinz sind nur wenige, dazu vier bis Colmar verlängerte Pariser. Ich glaube kaum, daß sie eine nennenswerte Konkurrenz zum TER darstellen.

Deutschland: Das allererste was dagegen spricht, ist das Geld. Das ist knapp, auch im SPNV. Man müßte geeigente Fahrzeuge finden und diese Leistungen betreiben. Dafür wäre eine Zusammenarbeit mehrerer Aufgabenträger erforderlich, mit der steht es nicht immer zum Besten.

Ob es rechtlich zulässig ist, langlaufenden schnellen Regionalverkehr parallel zu eigenwirtschaftlichem Fernverkehr anzubieten (sagen wir, einen IRE Ruhrgebiet - Hannover mit den IC-Halten und vielleicht zweien oder dreien dazu oder einen IRE Ruhrgebiet - Hamburg mit ähnlichem Halteschema), weiß ich nicht. Ich kann es mir vorstellen, daß man das dürfte. Ich kann mir aber auch vorstellen, daß solche langlaufenden Linien nicht unbedingt im Interesse der Aufgabenträger sind, solange sie kein Geld drucken dürfen.

Viele Grüße,
Sören

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