Immer dieselben: KS+GÖ umfahren, Saalfeld bedienen (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 16.01.2015, 10:38 (vor 4106 Tagen) @ L.Willms

Hallo L.Willms,

Worüber ich mich hier lustig mache, sind diese verbohrten Fanatiker, die einerseits verfluchen, daß die SFS Hannover - Würzburg durch die Bahnhöfe Kassel und Göttingen führt (Fulda wird übrigens weniger kritisiert), aber andererseits Zeter und Mordio schreien, daß mit der Neubaustrecke Ebensfeld - Erfurt so viele kleine Städte ihre ICE-Halte verlieren, was ein furchbares Sakrileg sei.

Es spielen hier zwei Aspekte eine Rolle: nebst Einwohnerzahl auch verkehrstechnische Bedeutung / Netzwirkung.

Die von Dir geschilderte Situation gibt es in Italien. Dort fahren die Eurostar Italia an Piacenza, Parma, Reggio und Modena vorbei, während sie in vergleichbar großen Städten wie Ancona, Pescara, Foggia und Bari halten.
Grund ist, dass die erste Städtereihe zwischen Mailand und Bologna liegt. Mailand-Bologna ist Bestandteil der Schienenautobahn Mailand-Rom. Genannte 4 Städte haben in Vergleich zu Mailand-Bologna-Florenz-Rom eine geringe verkehrstechnische Bedeutung.
Die zweite Städtereihe liegt an der Adriatikküste. Diese Städte haben in etwa die gleiche verkehrstechnische Bedeutung, weil die Adriatikmagistrale in Italien weit weniger wichtig ist als die Schienenautobahn Mailand-Rom.

In Deutschland ist das auch so: auf der Rollbahn (NRW-Hamburg) halten die ICs ja auch nicht in Diepholz oder Rotenburg. Dafür halten sie in Memmingen oder Crailsheim.

Mit der aktuellen Infrastruktur kann man meinetwegen immer in Göttingen und Kassel halten. Meinetwegen auch immer in Ingolstadt. Man hält oder man rast vorbei, aber ohne Halt durch eine Stadt schleichen ist sozusagen ein Beispiel wie man HGV nicht betreiben soll.
Das Ganze hätte wohl anders ausgesehen wenn die "Schienen-A7" auch wie eine Autobahn gebaut wäre. Dann hätte ein Nonstop-ICE Hannover-Nürnberg seine Potentiale voll ausspielen und einen Unterschied zum IC(E) mit Halt in Göttingen, Kassel, Fulda und Würzburg darstellen können. Genauso wie der Frecciarossa Mailand-Bologna nonstop schneller ist als der IC der auch in Piacenza, Parma, Reggio und Modena hält.

Dass in Deutschland eine Autobahntrassierung so wie in Italien sich nicht lohnt, ist ein anderes Thema.

Sowas wie die Korrespondenzhalte des IC-Netzes in Mannheim und Würzburg, wo zwei Linien sich schneiden, die jeweils auf unterschiedelichen Strecken in diesem Knotenbahnhof einfahren, und diesen wieder verlassen, ist mit der Strecke Erfurt - Halle/Leipzig nicht machbar, weil da Züge aus Frankfurt und aus Nürnberg nach Berlin und nach Dresden (oder Magdeburg) für ca. eine halbe Stunde dieselben Gleise benutzen, und deswegen einen gewissen Abstand halte müssen. Ein bahnsteiggleiches Umsteigen zwischen zur selben Zeit haltenden Zügen ist damit nur mit signifikantem Zeitverlust für den einen oder den anderen Zug möglich.

Dennoch erlaubt die beste Bahn der Welt es, halbstündlich nicht zwei sondern sogar drei ICs nacheinander von Bern Richtung Olten (30 Minuten entfernt) zu schicken. Und in diesen ICs ist weit mehr Betrieb als was in Erfurt Richtung Osten überhaupt an Betrieb geben wird. Also ganz erfolglos treibt man dort nicht voran.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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