Trotzdem (Allgemeines Forum)

ALR997, Mittwoch, 14.01.2015, 14:13 (vor 4102 Tagen) @ 218 466-1

Die Einwohnerzahlen an möglichen Haltestellen sind ja nicht entscheidend. An den Haltenpunkten zwischen Ingolstadt und Nürnberg hat Kinding 2500 Einwohner und Allersberg 8000 Einwohner. Es kommt allerdings ein Umland von ca. 30 km dazu, die meist mit dem Auto zum Bahnhof fahren. Die Frage ist allerdings, wie dicht besiedelt es um die ICE-Strecke ist.


Allersberg hat viel Pendlerverkehr nach Nürnberg was die zusätzlichen Allersberg-Express zeigen.
Kinding ist Ausflugsziel für das Altmühltal.

Wie es diesbezüglich an den Ortschaften an der VDE8-SFS aussieht kann ich nicht beurteilen.

Ich gehe mal (als ortsfremder) pauschal davon aus, dass in Lichtenfels viele Zusteiger aus dem größeren Coburg sind und, dass diese Coburger ab 2017 eben entweder den einzelnen Direkt-ICE oder die Umsteigeverbindung über Bamberg nutzen werden. Diese Umsteigeverbindung ist (je nachdem, wie die Anschlüsse in 2 Jahren aussehen werden) aber langsamer, als die durchgängige RE-Verbindung, was bedeutet, dass der Umstieg auf den ICE maximal für Fahrgäste attraktiv ist, die weiter, als nach Nürnberg fahren möchten.
Insofern ist das eine lose-lose-Situation, da die Lichtenfelser ihre ICE-Verbindung verlieren, also in Richtung Süden in den - immerhin etwas schnelleren - ICE ab Bambarg umsteigen müssen, oder den RE nutzen.
Für die Coburger dürfte sich die Reisezeit generell verlängern, wenn sie nicht den Direkt-ICE erwischen, weil sie ebenfalls in Bamberg umsteigen, oder den RE nutzen müssen.
Anbei muss allerdings auch die Frage gestellt werden, ob der ICE in der Dimension Berlin-München, in den Augen der Bahn, das Ziel hat, den oberfränkischen Pendelverkehr zu unterstützen.

Für Fahrgäste nach Norden (ich nehme mal Berlin, weil der Bahnhof heute, wie in 3 Jahren bedient wird) würde der Haltentfall von Lichtenfels und der Zwangsumstieg in Bamberg eine zusätzliche Fahrzeit von 60 Minuten bedeuten. Zwischen Berlin und Bamberg wird die Reisezeit jedoch um bis zu zwei Stunden reduziert. Der Nettogewinn für Coburger ergibt also immer noch eine Stunde (bei guten Anschlüssen).

Für Coburg ist also nach Süden eine regelmäßige Schnellverbindung wünschenswert, aber nicht notwendig. In Richtung Norden überhaupt nicht.

Bei Ilmenau sieht es folgendermaßen aus:
Die Fahrzeit vom Stadtzentrum zum Bahnhof Wolfsberg betrüge laut Google etwa 15-20 Minuten.
Heute braucht man von Ilmenau nach Nürnberg zwischen 3:20 und 4:20, allerdings in den meisten Fällen mit einer nicht buchbaren Busverbindung.
Eine reine Zugverbindung mit Umstieg in Arnstadt und Saalfeld dauert aber immerhin 3:27. Mit einem Halt in Wolfsberg hätte sich die Reisezeit nach Nürnberg vermutlich auf unter zwei Stunden reduziert (dazu dann eben noch 20 Minuten Zuweg).

Nach Berlin sieht es folgendermaßen aus: Da wird bahnseitig eine Reisezeit zwischen 3:40 und 5 Stunden angegeben. Dabei macht der Fahrtanteil nach Erfurt eine Stunde, der Restabschnitt mindestens zweieinhalb aus.
Mit der Neubaustrecke liegt die Reisezeit Erfurt-Berlin bei etwa 2-2:30 Stunden - je nach Halt in Halle oder Leipzig.
Die Fahrzeit von Ilmenau nach Erfurt ändert sich nicht. Insofern ist von einer generellen Fahrzeitverkürzung auf 3-4 Stunden zu rechnen.
Würde es einen Bahnhof Ilmenau-Wolfsberg geben, so läge die Reisezeit von dort nach Erfurt bei rund 20-30 Minuten (maximal). Inklusive Anfahrt würde man also mit der Regionalbahn etwa gleichauf liegen. Die Reisezeit Richtung Berlin würde sich also nur minimal verkürzen.

Was zusätzliche Effekte angeht:
-sowohl Ilmenau als auch Coburg sind Hochschulstandorte (zusammen etwa 11.000 Studenten)
-Coburgs Touristenauslastung beläuft sich auf etwa 10-15 Millionen Besucher pro Jahr (davon aber nur ein Kleinstanteil an Übernachtungsgästen)
-für Ilmenau konnte ich solche Zahlen nicht finden, die "Goethestadt" ist zudem aber noch Ausgangspunkt für das Wintersportzentrum im Thüringer Wald und auch gelegen am Rennsteig
-Ergänzung: im Ilmkreis fanden 2013 etwa 400.000 Übernachtungen statt
-von den rund 30.000 Beschäftigten in Coburg, sind etwa 20.000 Pendler (die aber zum Großteil aus dem Umland stammen)
-Coburg hat 40.000 und Ilmenau 25.000 Einwohner, nur so am Rande
-im Ilm-Kreis gibt es über 40.000 Beschäftigte (einwohnermäßig leben etwa 25-30% der Menschen aus dem Ilm-Kreis in Ilmenau)

Das sind die Zahlen, was ihr daraus lest ist eure Sache ;-)

Gruß,
Lucas


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