Kritik an der VDE 8, Vergleich (Allgemeines Forum)

naseweiß, Montag, 12.01.2015, 21:56 (vor 4103 Tagen) @ Patrickw83

In Anbetracht der sehr hohen Kosten und des meiner Ansicht nach nicht gerade riesigen Fahrgastpotentials (einige tausend pro Tag zwischen Bayern und Berlin?) wundere ich mich, warum es relativ wenig Kritik an diesem Projekt gegeben hat. Oder habe ich diese Kritik nur nicht mitbekommen.

Es gibt seit eh und je Kritik daran, aus vielen verschiedenen Gründen*. Es gab sogar mal einen Baustopp, anscheinend 1999-2002. Suchmaschiene eingegeben "VDE8 Baustopp" liefert an erster Stelle diesen Spiegel-Artikel von 2011, der alle möglichen Punkte anspricht. Diese Strecke gehört zum Gesamtpaket Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE) mit weiteren, nicht unbedingt zur Dringlichkeits-Kategorie 1 gehöhrenden Maßnahmen. Die Motivation war und ist politisch.

* Kritik, die man eigentlich humorvoll nach dem Motto "blöd gelaufen" abtuen kann, wäre z.B.: FAZ-Link, aktuell. Leicht unterschiedliche Gleisabstände, Bundesrechnungshof schätzt, dass man 35 Mio hätte sparen können.

Was mich wundert ist, dass hier sehr hohe Investitionen getätigt werden, obwohl mit der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Würzburg nach Hannover letztlich in Deutschland schon seit 20 Jahren ein paralleler Abschnitt existiert, der das europäisch geforderte Ziel - die Anbindung Skandinavians - grds. erreicht, vermutlich sogar schneller und direkter.

Die SFS Hannover-Würzburg dient vor allem innerdeutschem Verkehr. Das ist bei der SFS Halleipzig-Erfurt-Ebensfeld nicht viel anders. Internationale Reisen von/nach Skandinavien werden kaum einen messbaren Bruchteil ausmachen, da es erstens nicht so viele sind und davon die meisten eher fliegen/autofahren werden. Allerhöchsten im Güterverkehr könnte der Skandinavien-Verkehr einen messbaren Anteil haben und profitieren, und sei es durch die Befreiung der Altstrecken vom SPFV.

Dazu das Problem der deutschen Teilung. Ohne diese hätte man anders planen können, nicht zwei zentrale Nord-Süd-Strecken in geringem Abstand.

... Zahlreiche andere Teilstücke des "ICE-Kernnetzes" werden dagegen auf alten Schienen und mit relativ geringer Geschwindigkeit befahren (z.B. Frankfurt-Nürnberg, Frankfurt-Fulda, Frankfurt-Mannheim).

Mir als Frankfurter wären diese auch sicher lieber. Man muss allerdings anmerken, dass diese drei Strecken nach bisheriger Planung nur Fahrzeitverekürzungen von wenigen Minuten bringen würden, z.B. Frankfurt-Mannheim von 37 min auf ca. 30 min (250 km/h), Frankfurt-Fulda ähnlich. Dazu sind diese auch nicht unumstritten und die Planung nicht abgeschlossen. Klar, da wäre noch der Punkt Kapazität. Aber belastete Mischverkehrsstrecken gibt es auch an sehr vielen anderen Stellen in Deutschland.

Und wenn es um den Bau Strecken zweifelhaften Nutzens geht, die poltisch motiviert sind, dann haben wir mit dem Wiesbadener Abzweig der KRM im Raum Frankfurt leider das Musterbeispiel.

Durch die beiden Thüringer SFSn Ebensfeld-Erfurt-Halleipzig kann man dagegen aus Richtung Frankfurt/Fulda rund 30 min und aus Richtung München/Nürnberg rund eine Stunde einsparen. Und das auch nur verglichen mit den guten Neigetechnik-Fahrzeiten. Ohne Neigetechnik, die ja z.B. derzeit gar nicht zur Fahrzeitverkürzung genutzt wird, ist es sogar mehr. Weniger Reisende, aber mehr Zeiteinsparung kann am Ende auch einen zumindest passablen Nutzen bedeuten.

Um nicht falsch verstanden zu werden. Ich bin für den Ausbau des Schienennetzes. Aber ich sehe woanders eben deutlich dringenderen Bedarf.

Angesichts der heutigen Situation muss man froh sein, dass überhaupt etwas geschieht. Und die eine Strecke Erfurt-Halleipzig scheint ja voll im Zeitplan schon Ende dieses Jahres in Betrieb zu gehen, derzeit schon Testfahrten.

Gruß, naseweiß

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