Dauer von Entscheidungs- und Planungsprozessen (Allgemeines Forum)

Frankfurt (Main) Süd, Dienstag, 13.01.2015, 10:04 (vor 4102 Tagen) @ Patrickw83

Noch ein Punkt, den man berücksichtigen sollte: Solche Großprojekte haben Vorlaufzeiten von Jahrzehnten, da kann man leider nicht besonders flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen und neue Erkenntnisse reagieren.

AFAIK wurde VDE 8 in der ersten Hälfte der 90er, also noch voll in der Wiedervereinigungs- und Berlin-Euphorie geplant. Zudem war die Sache dadurch konditioniert, dass das deutsche SFS-Netz zunächst unter den Bedingungen der Teilung geplant wurde und die ersten Strecken (insbesondere Hannover-Würzburg) entsprechend gebaut wurden. Wie u.a. in diesem Forum mehrfach ausgeführt, hätte man das Netz wohl von Anfang an anders geplant, wenn man bereits Ende der 70er gewusst hätte, dass es 1990 zur Wiedervereinigung kommt. Wusste man aber nicht und war nach damaliger Lage der Dinge auch ziemlich unwahrscheinlich.

Und Anfang der 90er ging man eben von aus heutiger Sicht ziemlich illusorischen Voraussetzungen aus, was die Entwicklung und Dynamik von Berlin und den neuen Ländern betrifft. Außerdem hatte man damals gerade mal ein paar Jahre Erfahrung mit HGV-Betrieb und längst nicht alle Erkenntnisse, die man heute hat. Insbesondere hat man wohl die Bedeutung von Geschwindigkeit über- und die von Kapazität unterschätzt. Soll heißen: Mit dem, was man heute weiß, hätte man sicher anders geplant. Aber irgendwann war man eben an einem Punkt, an dem grundlegende Änderungen nur noch zu prohibitv hohen Mehrkosten möglich gewesen wären, und ein Stopp des Projekts angesichts der bereits ausgegebenen Gelder (versunkene Kosten) und des bereits in die Landschaft gestellten Betons wenig Sinn gemacht hätte.

Und wer weiß, wie man in weiteren 20 Jahren darüber denken wird.

(Ähnliches gilt übrigens für die NIM: Eine Beschleunigung von Nürnberg-München wäre mit einem Ausbau der Altstrecke über Augsburg mit deutlich geringerem finanziellen und baulichen Aufwand ebenso möglich gewesen - zumal die ABS Ingolstadt-München immer noch nicht fertig ist -, und die HGV-Anbindung von Ingolstadt allein rechtfertigt diesen Aufwand auch nicht. Aber in den 80ern dachte man eben noch, man hat es ja, und die CSU brauchte eben ein Prestigeprojekt für Bayern.)


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