Meine Meinung - Teil 1 (Allgemeines Forum)

Mario, Donnerstag, 08.11.2012, 10:30 (vor 4911 Tagen) @ ice-t-411

Für den Fahrgast zählt zu allererst die Haustür/Haustür-Fahrzeit und das Rad/Schiene-System hat den Vorteil, dass hier die Hauptbahnhöfe mit sehr guter Nahverkehrsanbindung (ich verkneife mir den Kommentar für Berlin Hbf...) angefahren werden können. Das Optimiert die Reisezeit obwohl es möglicherweise an einigen Stellen Kompromisse für die Geschwindigkeit bringt.

Wenn ich von z.B. München nach Hamburg oder Köln möchte, dann verlangt ich auch kurze Haustür/Haustür-Reisezeiten. Und da ist die Bahn mit den vielen Zwischenhalten gegenüber den Flugzeug einfach unterlegen, weshalb man hier dem innerdeutschen Flugverkehr nicht wirklich die Stirn bieten kann. Die vielen Zwischenhalte kosten einfach viel Zeit, während der Flieger direkt nach Hamburg oder Köln fliegt. Auch wollen freilich nicht alle Reisenden immer zu Zielen, die in der Nähe der teuif in den Städten liegenden Hauptbahnhöfen liegen sondern auch häufig zu Zielen etwas am Stadtrand, von wo man vom Flughafen auch gut hinkommt. Doch wenn es endlich deutlich mehr echte Sprinter-Züge geben würde, die z.B. von München nach Hamburg nur in Nürnberg, (evt. Würzburg) und Hannover halten und sonst möglichst unbedingert durchfahren können, dann spart dies nicht unerheblich Zeit ein, die sicher nicht wenige Flugpassagiere auf dieser Route zum Umsteigen auf den ICE bewegen könnten. Und genau dieses Potenzial gilt es aus meiner Sicht abzuschöpfen.

Hier ist Optimierungspotential und dieses ist auch bekannt. In Nürnberg kommt man schon recht gut durch (Ausbau Nürnberg-Fürth, Einfädelung Neubaustrecke), ebenso in Berlin (Nord-Süd-Tunnel), Hamburg und München sind eher Endpunkte, da ist es nicht so entscheidend. Für Frankfurt und Köln gibt es Konzepte und eigentlich auch noch restliche Einbindungsarbeiten für die SFS, Stuttgart 21 gehört im weitesten Sinne (ob Sinn oder Unsinn...) auch zu so einem Punkt.

Ja, es gibt viele Konzepte, aber viel zu wenig werden auch wirklich korrekt und vollständig umgesetzt, so dass eine noch geringere Reisezeit und eine hohe Streckenkapazität gewährleistet ist. In Kökn sehe ich keinerlei Perspektive, wie man das Problem der zeitraubendem ICE-Durchfahrt endlich lösen will. Deutz tief ist keine vollständige und nachhaltige Lösung. Und auch in Frankfurt ist keine echte Lösung in Sicht. Weder werden auf absehbare Zeit die Zufahrten zum Hbf über den Main und das weitere Umfeld wirklich beschleunigt, entflochten und ausgebaut noch ist eine echte zeitgemäßge Lösung wie einem ICE-Tiefbahnhof am Hbf oder dem Ausbau von Fra-Süd zum ICE-Bahnhof in Sicht. Hier muss sich endlich was tun, denn Frankfurt ist DER Knoten im Westen. Ebenso fehlen wie gesagt echte Umfahrungen für z.B. Fulda und Göttingen sowie ggf. echte Durchfahrgleise an Nicht-Systemhalten und v.a. eine Strategie für eine wirkliche Trennung des Güterverkehrs ggf. auch mit teilweise NBS.

Bleibt die Frage nach den Zwischenstationen, aber hier ist Deutschland aus in MeckPom, BRB und Sachsen-Anhalt relativ homogen besiedelt und die durchschnittliche Reiselänge im Fernverkehr dürfte eher im Bereich von 200 km liegen. Aus den Fehlern der Anbindung von Göttingen und Fulda hat man auch gelernt und mach sowas nun geschickter mit Durchfahrtsgleisen, die restlichen Halte scheinen sich wirtschaftlich zu rechtfertigen.

Wo sind denn die Durchfahrtsgleise? Die sehe ich nur in den wenigsten Fällen und dann sind sie auch kaum mit hoher Geschwindigkeit befahrbar, auch weil sich die Züge dann ja auch erstmal durch die Städte durchquälen müssen anstatt richtig wie bei einer Autobahn außen vorbei zu fahren.

Es gibt einen Bundesvekehrswegeplan, der ist genau das. Aber die Verkehrsströme sind komplex, es gibt viele wichtige Projekte, alle Kosten Geld und das soll dann auch gemäß Verfassung für gleichmäßige Lebensverhältnisse sorgen. Vielleicht ist die Gesamtvision nicht ganz so konkret wie Bahn2000, aber es wird durchaus auch im großen Gedacht.

Ja, es gibt einen Bundesverkehrswegeplan. Aber wer in der Bevölkerung kennt ihn wirklich? Wer weiß schon, welche Ziele genau darin sind? Und ist darin auch die Rollmaterialstrategie drin? Der Bundesverkehrswegeplan wird einfach nicht wie Bahn2000 in der Schweiz richtig kommuniziert sondern ist halt irgendwo im Netz abrufbar. Es gibt keinen echten öffentlichen Plan mit den angestrebten Kantenzeiten und welche Knoten zu welchen Minuten es gibt bzw. geben soll, den die auch nicht ferrosexuelle Öffentlichkeit auch begreifen könnte und der für sie auch was aussagt. Dann würden sie viel besser sehen können, wie der aktuelle Stand ist, wo man hin will und mit welchen Maßnahmen man diese Ziele Schritt für Schritt erreichen will. Genau hier fehlt es nämlich an öffentlicher Information und da hat einfach die öffentliche Hand eine gewisse Bringschuld, denn immerhin baut sie diese Projekte mit dem Steuergeld der Bürger, die wie gesagt in der Mediengesellschaft immer mehr und bessere Infos verlangen. Wenn die Leute auf diese Weise besser sehen könnten, wie diese und diese Maßnahme (NBS/ABS/Bahnhofumbau) das Netz in welchen Bereichen verbessern, dann würde auch aus meiner Sicht der Widerstand und die Skepsis geringer sein. Weil man eben dann genau sehen kann, dass diese Baumaßnahme als weiterer Baustein zum Gesamtgefüge immer mehr für immer mehr Bürger bringt. Viele Bürger können sich einfach nicht vorstellen, wie das und das mal zusammenpassen soll und wieso dies oder dies nötig ist, damit am Ende alles viel besser läuft. Also was nützt ein Bundesverkehrswegeplan, wenn er nur irgendwo ganz hinten links zu finden ist und nicht korrekt und anschaulich an die Bevölkerung kommuniziert wird?


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