Plausibilitätsprüfung (Allgemeines Forum)

Jens, Bayern/NRW, Sonntag, 20.04.2014, 13:12 (vor 4370 Tagen) @ Kundenzug

Wir bewegen uns mit dieser Diskussion rund um die Frage, was ein sicherungstechnisch sicherer Zustand ist und welche Zustände ein Gleisfreimeldeabschnitt verarbeiten kann.

Ein Gleisfreimeldeabschnitt ist wie ein Computerrechenwerk potentiell fehlerbehaftet. Dass ein Ergebnis eines Computerrechenwerks in der Sicherungstechnik nicht ausreicht, um einen sicherungstechnisch sicheren Zustand herbeizuführen, dürfte bekannt sein. Deshalb müssen bei potentiell unsicheren technischen Einzelergebnissen in der Sicherungstechnik des Eisenbahnwesens immer mehrere Auswertungen zu dem gleichen Ergebnis kommen, damit der sicherungstechnisch sichere Zustand angenommen werden darf. Das von Fabian verlinkte Wikipediadokument nennt für diese Feststellung die Verfahren der symmetrischen Viererkorrektur oder unsymmetrischen Dreierkorrektur. Das Beispiel dort ist die Korrektur eines Zählfehlers. Ein Zählfehler ist aber zunächst einmal ein Hinweis auf eine Abweichung des Ist-Zustandes vom geplanten Zustand. Das Gleis fällt also in einen unbekannten Zustand. Der Zustand wird bei der Korrektur erst wieder bekannt, wenn mehrere andere Zähler ein stimmiges Ergebnis geliefert haben.

Deshalb geht die Sicherungstechnik davon aus, dass ein bekannter Zug, der nicht verändert wurde, sicher aus einem Gleiszählabschnitt heraus gefahren ist, wenn die Anzahl der eingefahrenen Achsen gleich der Anzahl der ausgefahrenen Achsen ist. Ein geprüfter Ausgangszustand und ein sehr wahrscheinlicher Soll-Fall wurden hier durch ein potentiell unsichere technische Einrichtung zu einem sicheren Endzustand bestätigt.

Deshalb kann aber nicht anhand eines einzelnen Gleiszählabschnitt ein unbekanntes Ergebnis einer Zugumbildung sicherungstechnisch sicher erkannt werden. Denn hier gibt es keine technisch geprüfte Zugumbildung, die eine Überprüfung des Freiseins des anderen verbleibenden Zählabschnitts umfasst. Folglich muss auch hier zur sicherungstechnisch sicheren Detektion des vollständigen Herausnehmens aller Fahrzeuge aus dem Bereich von mehreren technischen Wertgebern unabhängig voneinander die Information bereit gestellt werden, dass die Fahrzeuge heraus gefahren wurden. Das lässt sich aber nur mit einer Reihe von Gleisfreimeldeabschnitten und einer Logik lösen, bei der die einzelnen Fahrten verbucht werden. Andernfalls würde man anhand eines potentiell unsicheren Informationsgebers einen sicherungstechnisch sicheren Zustand ableiten. Das macht man aber meines Wissens nicht, da es gegen die Sicherungsphilosophie verstoßen würde, sondern nutzt hier die Verfahren der symmetrischen Viererkorrektur oder unsymmetrischen Dreierkorrektur.

Das würde aber bedeuten, dass ein Gleiszählabschnitt auch in einem System mit komplexer Verknüpfung mit anderen Gleiszählabschnitten durch einen Achszählrechner nicht in der Lage ist, aus einem unbekannten Zustand heraus einen sicherungstechnisch sicheren Zustand festzustellen. Das kann nur das System an sich, wenn es seine Vielzahl an Detektoren nutzt.

Wie bereits woanders geschrieben: Jeder Achszählabschnitt arbeitet für sich alleine und hat KEINERLEI Zusammenwirkung mit anderen Achszählabschnitten


Das System war aber nie der Fall, den ich diskutiere. Und bis jetzt erkenne ich nicht, wie Jens oder Fabian herleiten, dass eine Abschnittsprüfung immer nur im Störfall erforderlich sei. Ich nehme an, dass sie immer unterstellen, dass es sich um ein System mit einem Achszählrechner handeln würde, das als System alle denkbaren Betriebsfälle abarbeiten kann. Das würde aber nicht die Schlussfolgerung erlauben, dass alle Systeme von automatischen Gleisfreimeldeabschnitte all diese Fälle in einen sicherungstechnisch sicheren Zustand überführen können, solange es auch andere Systeme als das mit dem Achszählrechner im Einsatz gibt.

Doch, genau diese Schlussfolgerung erlaubt es. Neben den Achszählern gibt es noch die Gleisstromkreise und die Tonfrequenzgleisstromkreis (wenn auch in zu vernachlässigenden Größenordnungen und nicht mehr im Neubau).

Würdest du denn zumindest zustimmen das bei einem Gleisstromkreis die Anzeige immer sicher ist? Oder bist du auch hier der Meinung das die Anlage beim Rangieren etwas nicht mitbekommt?


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