Widersprüchlichkeit der Bahn (Allgemeines Forum)

Reisender, München, Donnerstag, 29.08.2013, 15:14 (vor 4606 Tagen) @ ITF

Diese Zumutung wird abertausenden von Fahrgästen aus weit wichtigeren Städten als Ingolstadt tagtäglich abverlangt...

Dann nenn' mal bitte Beispiele für deine Behauptung. Ich bin gespannt, ob du da etwas findest. Ingolstadt Hbf ist jedenfalls der einzige ICE-Großstadtbahnhof Deutschlands, bei dem konsequent fast alle Züge einer Linie ohne Halt mit dem Ergebnis durchfahren, dass die dortige Bevölkerung von einer bestimmten Richtung nahezu komplett abgeschnitten wird. Das ist eine einmalige Diskriminierung, die endlich beendet werden muss. Diese Zumutung kannst du doch nicht ernsthaft gutheißen.

Wer keinen Bock auf den MNX hat kann ja auch 30 Minuten warten bis der nächste ICE kommt. Auch das ist zumutbar.

Warum bestimmst du eigentlich was zumutbar ist, obwohl von dieser Schikane wahrscheinlich gar nicht betroffen bist? Der entscheidene Punkt ist, dass es völlig unnötig ist und attraktivere und bessere Verbindungen von Frankfurt nach Ingolstadt ohne weiteres möglich wären. Warum macht man es dann nicht? Nur um die Leute zu ärgern? Dies wäre jedenfalls nicht legitim. Das schlechte Angebot schafft Verdruss und führt zu einer Abstimmung mit den Füßen. Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn viele Leute dann gleich auf die ganze Bahn keinen Bock mehr haben. Kundenfreundlichkeit und das Bemühen für alle Kunden die bestmöglichen Angebote zu machen sieht definitiv anders aus.

Ingolstadt hat mit seinem Stundentakt über die NBS ein sehr gutes Angebot. Alle weiteren Halte der Linie Frankfurt-München würden diese sehr wichtige Relation unverhältnismäßig verlangsamen.

Welcher Stundentakt? Wir reden doch von der Linie 41 und der Nordwestanbindung Ingolstadts. Hier gibt es gerade keinen Takt. Dass ein Systemhalt der Linie 41 in Ingolstadt diese „sehr wichtige Relation“ (sie ist also auch für Ingolstadt wichtig, was die dringende Notwendigkeit eines Halts noch zusätzlich unterstreicht) „unverhältnismäßig verlangsamen“ würde, ist schlicht unwahr. Behauptest du so etwas einfach ins Blaue hinein oder glaubst du noch an Märchen?

Fahrplanmäßig gibt es durch den Halt in Ingolstadt tatsächlich überhaupt keinen Zeitnachteil für Weiterreisende. Dies belegt der ICE 520. Bei diesem Zug stand nämlich im Fahrplan 2013 die Abfahrtszeit in München und die Ankunftszeit in Nürnberg bereits fest und diese Zeiten waren schon in den gedruckten Fahrplanmedien ohne Zwischenhalt in Ingolstadt aufgenommen worden. Als sich die Bahn aufgrund der hohen Nachfrage Ingolstadts ganz kurzfristig vor dem Fahrplanwechsel noch dazu entschlossen hatte, diesen ICE auch noch in Ingolstadt halten zu lassen, wurde der Fahrplan nur insoweit angepasst, als die Ankunfts- und Abfahrtszeit für Ingolstadt eingefügt wurde.

Bei den übrigen Zeiten hat sich dagegen nichts geändert. Dies ist im Übrigen auch gar nicht notwendig, weil der Halt in Ingolstadt bei den Fahrzeiten der Linie 41 sowieso schon vorsorglich eingearbeitet sein dürfte, was sich regelmäßig bei den außerplanmäigen Halten in Ingolstadt zeigt, die zu keinerlei Verspätung führen.

Die Wünsche Ingolstadts sind wieder mal ein sehr schönes Beispiel für die Maßlosigkeit der Anspruchhaltungvieler Städte im Hinblick auf die Bedienung durch den Fernverkehr. Wehe ein ICE fährt durch meinen Weiler durch. Genau aufgrund dieser Mentalität haben wir in Deutschland ein ICE Netz, dass im Vergleich höchstens zweitklassig ist. Jeder ICE muss an jeder Milchkanne halten!

Jeder Nichthalt eines ICEs in Ingolstadt ist eine schwere Beleidigung, weil sie Ausdruck einer Geringschätzung der Bedeutung der Stadt und der Bevölkerung sind. Wenn du Ingolstadt mit einer Milchkanne vergleichst, dann ist dies entweder absolute Faktenunkenntnis oder du bist ebenfalls auf eine Beleidigung aus. Ich hoffe, dass letzteres nicht der Fall ist. Dann informiere dich gefälligst besser, bevor du einfach solche Sachen behauptest.

Der ICE hat, wie du selbst angedeutet hast, in Deutschland eine ganz andere Aufgabe als sonstige HGV-Züge in anderen Ländern. Dies liegt einerseits an der Siedlungsstruktur Deutschlands und andererseits sicherlich auch in gewisser Weise daran, dass es z. B. keinen InterRegio mehr gibt, der kleinere und mittlere Städte an den Fernverkehr anbinden könnte. Deshalb ist es logisch und richtig, dass die Aufgaben des früheren IR nunmehr vom IC und auch vom ICE mitübernommen werden. Denn diese Städte einfach ohne jedes Angebot links liegen lassen geht einfach nicht.

Dagegen verkennst du ganz offensichtlich, dass die Bahn immer noch ein Massentransportmittel ist. Deshalb geht es darum die vielfältigen Reisewünsche der unterschiedlichen Kunden unter einem Hut zu bringen. Es sollte bestmögliche Verbindungen für alle anstatt schnellstmögliche Verbindungen nur für einzelne geben. Daher ist es auch unzulässig, individuelle Wünsche wie schnelle Nonstop-Verbindungen auf Kosten anderer durchsetzen zu wollen. Wer nirgends halten und auf andere Reisewünsche keine Rücksicht nehmen will, der hat in einem Zug nichts verloren und wäre im motorisierten Individualverkehr besser aufgehoben.

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Foto: ICE 3 "Ingolstadt" in Köln Hbf


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