Ganz so einfach ist das nicht (Allgemeines Forum)

Sese, Mittwoch, 12.01.2011, 17:28 (vor 5615 Tagen) @ 218 466-1

Man kann auch vorhandene Loks "tunen" wie mit BR 218 (140->160 km/h = BR 210 4. für IC Berlin-Hamburg 1996/97) und 111 (160->200 km/h nur Testfahrten) geschehen. Erforderlich für 200 km/h der 146 2. wäre der Einbau der LZB, Softwareänderung für PZB, ein anderer MFA mit Tacho bis 200 und Schlingerdämpfer auf jeder Drehgestellseite.

Also wenn es mit dem faktischen Anbau von 4 Schlingerdämpfern je Lok getan wäre, dann hätte die DB das längst gemacht. Praktisch ist das alles aber nicht so einfach. Die Lok, so wie sie rum fährt ist, als gesamtes für 160 km/h konzipiert - nicht nur die Drehgestelle. Diese haben im übrigen bereits Schlingerdämpfer.

Im Endeffekt wird es wohl darauf hinaus laufen, einerseits das gesamte Fahrwerk für 200 km/h neu zu berechnen und andererseits die Erhöhung der Höchtsgeschwindigkeit auch im Antriebsstrang zu berücksichtigen. Möglicherweise ist ja eine andere Getriebeübersetzung erforderlich, damit das Kippmoment der Asynchronmaschine aufgrund zu hoher Drehzahlen nicht im oberen Geschwindigkeitsbereich die Zugkraft ins bodenlose fallen lässt?

Das nächste große Thema ist die TSI HGV Rolling Stock, die einige interessante Anforderungen an Fahrzeuge stellt, die schneller fahren sollen als 190 km/h. Die dynamische Radlast darf 180 kN nicht überschreiten, die maximal zulässige gleisseitige Luftströmung darf 20 m/s nicht überschreiten. Oder auch nett: in einer Höhe von 1,2 m über dem Bahnsteig und in einem Abstand von 3,0 m vom Gleismittelpunkt darf das Fahrzeug keine Luftgeschwindigkeit erzeugen, die größer ist als 15,5 m/s. Da gibt es noch viele andere spaßige Regelungen (z.B. Druckbelastung im freien bei Vorbeifahrt darf 720 Pa in dem und dem Abstand nicht überschreiten), die alle samt eingehalten werden müssen. Siemens hat zum Beispiel mit der 200 km/h schnellen HLE18 einige Komplikationen mit diesen Druck- und Luftverwirbelungsgeschichten gehabt, weshalb die Loks diesen "komischen" Schneepflug haben, dessen Scharbleche in der Mitte ein bisschen ausgespart sind, damit mehr Luft unter das Fahrzeug strömen kann.

Man kann also nicht einfach sagen, neue Software, Drehdämpfer dran und fertig ist die Laube. Zumindest nicht, wenn man eine behördliche Zulassung des Fahrzeugs anstrebt.

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Grüße,
Sese


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