Fortschritt geht anders ... (Allgemeines Forum)

Hustensaft, Mittwoch, 12.01.2011, 11:50 (vor 5563 Tagen) @ loco_mo

Zugegebenermaßen eine provokante Überschrift, aber durchaus mit Grund. Nach dem Inhalt der Pressemitteilungen kann man davon ausgehen, dass - mit Ausnahme der Steckdosen am Platz und dem Platz für Familien - die Innenausstattung wie bei konventionellen Doppelstockwagen aussehen wird, ein Modell dürfte beispielsweise der Hanse-Express sein, wo es ja schon (nicht mehr benutzte) Reservierungsanzeigen gibt.

Ich halte diese Beschaffungsentscheidung für grottenfalsch. Die neuen Fahrzeuge bedeuten in vielen Punkten einen klaren Rückschritt selbst gegenüber den derzeit noch in Betrieb befindlichen alten IR-Wagen. Zu den einzelnen Punkten:
Wo soll man sein Gepäck unterbringen? Laut Bahn in mehreren zentralen Gepäckablagepunkten. Mal davon abgesehen, dass dies schon heute in den FV-Zügen manchmal nicht ausreicht, berücksichtigt dies aber weder das Bedürfnis der Fahrgäste, das Gepäck im Blick zu halten - wozu die Fahrgäste auf dem Bahnhof ja sogar explizit aufgefordert werden, noch die Sicherheitsanforderungen vor dem Hintergrund der Terrorgefahren. Zudem haben FV-Reisende durchweg mehr Handgepäck z.B. mit Proviant, welches definitiv am Platz benötigt wird und für das kein Raum vorhanden ist. Im übrigen ist zu befürchten, dass die Fahrgäste das Gepäck nunmehr im Zug auf relativ engen Treppen schleppen müssen.
Zum Thema Tische gibt es nur die Aussage, dass es einige Plätze mit Tisch für Familien geben wird. Wie sieht es an normalen Plätzen aus?
Was ist mit den Sitzen? Nur noch fest oder noch individuell einstellbar?
Im Obergeschoss sind die Sitze am Fenster eindeutig nicht für längere Reisen geeignet, da der Fußraum seitlich eingeschränkt ist. Für etwas länger gewachsene Fahrgäste wird es dort auch im Kopf- und Schulterraum sehr eng. Vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerung tendenziell länger wird und Eisenbahnfahrzeuge üblicherweise jahrzehntelang betrieben werden wird das Problem noch größer werden.

Insgesamt droht hier eine massive Verschlechterung, die - wie üblich - als Verbesserung verkauft wird. Dies gilt auch für die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, die auf den Linien im Randbereich ausreichend sein dürfte, als Konsequenz aber entweder häufigere Brüche mit Umsteigeerfordernis haben wird, Verminderung der Höchstgeschwindigkeit auch auf Strecken, die höhere Geschwindigkeiten ermöglichen, bedeutet und/oder die Reduzierung des IC-Netzes auf ICE-Zubringer zur Folge haben wird.

Auffällig ist zudem, dass neue Lokomotiven beschafft werden, wo doch für das IC-Netz eigentlich ausreichend 101er (und 120er) zur Verfügung stehen. Gehen die doch in den Cargo-Bereich bzw. zum Nahverkehr?

Der einzige spannende Aspekt ist, dass mit ein wenig Farbe die Züge (und Loks) problemlos zu Regio verlagert werden können - das lässt ahnen, was das eigentliche langfristige Ziel ist.


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