Fortschritt geht anders ... - Einspruch (mit Fragen) (Allgemeines Forum)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 12.01.2011, 12:29 (vor 5562 Tagen) @ Hustensaft

Moin!

Zugegebenermaßen eine provokante Überschrift, aber durchaus mit Grund. Nach dem Inhalt der Pressemitteilungen kann man davon ausgehen, dass - mit Ausnahme der Steckdosen am Platz und dem Platz für Familien - die Innenausstattung wie bei konventionellen Doppelstockwagen aussehen wird, ein Modell dürfte beispielsweise der Hanse-Express sein, wo es ja schon (nicht mehr benutzte) Reservierungsanzeigen gibt.

Neue Sitze, sagt Matze. Die DB spricht von Beinfreiheit mindestens wie im ICE.

Ich halte diese Beschaffungsentscheidung für grottenfalsch. Die neuen Fahrzeuge bedeuten in vielen Punkten einen klaren Rückschritt selbst gegenüber den derzeit noch in Betrieb befindlichen alten IR-Wagen.

Ich finde, das ist eine kluge Entscheidung der DB. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Die Interregio-Wagen sind nicht mehr zumutbar (meine Meinung, siehe andere Diskussionen) und auch die Bpmz sind nicht mehr sonderlich attraktiv, verglichen mit dem ICE. Die ICx sind unbestimmt verspätet. Da ist es doch das beste, aus dem bestehenden Vertrag Fahrzeuge zu beschaffen und für den Einsatzzweck zu modifizieren.

Zu den einzelnen Punkten:

Wo soll man sein Gepäck unterbringen? Laut Bahn in mehreren zentralen Gepäckablagepunkten. Mal davon abgesehen, dass dies schon heute in den FV-Zügen manchmal nicht ausreicht, berücksichtigt dies aber weder das Bedürfnis der Fahrgäste, das Gepäck im Blick zu halten - wozu die Fahrgäste auf dem Bahnhof ja sogar explizit aufgefordert werden, noch die Sicherheitsanforderungen vor dem Hintergrund der Terrorgefahren.

Die Gepäckablagen auf der Einstiegsebene sind in der Tat bedenklich.

Zudem haben FV-Reisende durchweg mehr Handgepäck z.B. mit Proviant, welches definitiv am Platz benötigt wird und für das kein Raum vorhanden ist. Im übrigen ist zu befürchten, dass die Fahrgäste das Gepäck nunmehr im Zug auf relativ engen Treppen schleppen müssen.

Wenn die Treppen so bleiben, wie sie sind, hätte ich kein Problem.
Frage: Haben die Mittelwagen Hocheinstiege, wie die Pressebilder es zeigen? Gibt es dazu schon Aussagen?

Zum Thema Tische gibt es nur die Aussage, dass es einige Plätze mit Tisch für Familien geben wird. Wie sieht es an normalen Plätzen aus?

Vielleicht Klapptische bei Reihensitzen.

Was ist mit den Sitzen? Nur noch fest oder noch individuell einstellbar?

Eine gute Frage, ich hoffe auf letzteres.

Im Obergeschoss sind die Sitze am Fenster eindeutig nicht für längere Reisen geeignet, da der Fußraum seitlich eingeschränkt ist. Für etwas länger gewachsene Fahrgäste wird es dort auch im Kopf- und Schulterraum sehr eng. Vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerung tendenziell länger wird und Eisenbahnfahrzeuge üblicherweise jahrzehntelang betrieben werden wird das Problem noch größer werden.

Ich empfinde mit 1,85 beides nicht als Einschränkung.

Insgesamt droht hier eine massive Verschlechterung, die - wie üblich - als Verbesserung verkauft wird. Dies gilt auch für die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, die auf den Linien im Randbereich ausreichend sein dürfte, als Konsequenz aber entweder häufigere Brüche mit Umsteigeerfordernis haben wird, Verminderung der Höchstgeschwindigkeit auch auf Strecken, die höhere Geschwindigkeiten ermöglichen, bedeutet und/oder die Reduzierung des IC-Netzes auf ICE-Zubringer zur Folge haben wird.

Siehe Matzes Antwort: Auf den Strecken sind 200 km/h die Ausnahme, so daß ich hier maximal Verschiebungen im Minutenbereich sehe.
Frage: Es war von Köln - Leipzig als Einsatzgebiet die Rede, um wieviele Minuten würde sich die Fahrzeit zwischen Hannover und Dortmund verlängern - Stichwort Anschlüsse (ICE Berlin - Köln in Hannover, Ruhr-IC in Dortmund)?

Auffällig ist zudem, dass neue Lokomotiven beschafft werden, wo doch für das IC-Netz eigentlich ausreichend 101er (und 120er) zur Verfügung stehen. Gehen die doch in den Cargo-Bereich bzw. zum Nahverkehr?

Die neu zu beschaffenden Loks sind die Standardloks für diese Züge, da hat man schon mal ein Problem weniger. Der Lokmangel (ist der Schadbestand so hoch?) wird dadurch gelindert.

In Schweden fährt man übrigens mit den dortigen Doppelstocktriebwagen die Här-och-där-Züge* zwischen Stockholm, Västerås, Örebro und Göteborg.

Viele Grüße, Sören

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* Etwa Hier-und-da-Züge. Sie fahren über die lange Route nördlich des Mälarsees.

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