Nun ja ... (Allgemeines Forum)

agw @, NRW, Donnerstag, 16. November 2017, 12:44 (vor 188 Tagen) @ lokuloi

Vieles wirkt wie groß angefangen, bauen bis das Geld ausgeht oder die Motivation und dann halber Strecke aufgehört. Zusammengebastelter Murks.


Wo denn? Nehmen wir den Ausgangspunkt, den Spurplan Erfurt. Wenn da ein fleissiger, engagierter Ingenieur die höhenfreie Ausfädelung vorschlägt, läuft das so ab:

-„Ist sie für das anfängliche Betriebskonzept notwendig?“
-„Äh. Nein.“

Ohne Details zu kennen: Die Frage lautet ja immer "Ist das für den Fahrplan auf dem Papier notwendig?" und die Antwort lautet nein.
Die richtige Frage wäre aber, wieviel Züge jeden Tag überhaupt exakt minutengenau nach Fahrplan fahren und ob etwas für die Betriebstabilität fördernd wäre.
Ob Verspätungen in Deutschland üblich sind oder nicht, sollte jedem klar sein.

-„Haben die Sprinter Fahrzeitverluste, wenn sie fehlt?“
- „Nein.“
„Kann man sie nachrüsten, falls in 20 Jahren sich der Verkehr unerwarteterweise verdoppeln sollte?“
„Ja, das geht.“

Die Antwort lautet eher "Nein, kann man dann nicht, sondern erst wieder noch 20 Jahre später, also in 40 Jahren."
Das sieht man überall, wo man jetzt überlastete Strecken oder Bahnhöfe hat und die Lösung noch mindestens 20 Jahre auf sich warten lassen wird, wenn sie überhaupt kommt.

Auch hat man oft die Situation, dass der Ausbau nicht kommt, weil die zusätzlichen Züge noch nicht fahren (wollen). Und die zusätzlichen Züge bestellt man nicht, weil der Ausbau ja noch 20 Jahre dauert.


Klar kommt diese dann nicht und ich kann daran nichts Verwerfliches finden. Es braucht nicht überall die Maximallösung, wenn weniger zum selben Ergebnis führt.

Es ist nur auf dem Papier in der Idealsituation das gleiche Ergebnis. In der Praxis hat dies jeden Tag irgendwo in Deutschland gravierende Nachteile.
In der anderen Richtung (beim Abbau) haben die ganzen ausgebauten (oder auch nie eingebauten Weichen) ja auch keinerlei Auswirkungen auf den Betrieb wie er im Fahrplan steht.
Aber sobald dann irgendwo eine Entgleisung, ein Erdrutsch, ein Problemstollen, ein Baum im Gleis oder sonstwas ist, merkt man den Unterschied.

Zusätzlich ist der Trick auch noch, dass man bei der ersten Planung die Goodies noch einbauen kann und trotzdem ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis bekommt.
Hinterher noch den letzten eingleisigen Tunnel zweigleisig zu machen als Einzelprojekt, klappt dann nie, weil man den betrieblichen Nutzen für die Zukunft (d.h. z.B. mögliche Erdrutsche) eben nicht so leicht hochrechnen kann.

Von daher wäre mein Vorschlag: Doch, man sollte die bestmögliche Lösung bauen, die einem in den nächsten 50-60 Jahren möglicherweise noch kleine Vorteile bringt.


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