Erfurt Hbf: Spurplan-Analyse (Allgemeines Forum)

sb @, Mittwoch, 15. November 2017, 16:37 (vor 276 Tagen) @ Christian_S

Vernünftigerweise sollte man bei der geographischen Streckenvereinigung bereits von Linien- auf Richtungsbetrieb wechseln, wobei das mittlere Streckengleis Neudietendorf – Erfurt dem SPNV beider Fahrtrichtungen dienen sollte, nicht das nördliche.


Nicht unbedingt, das bringt betrieblich keine Vorteile. Als jemand, der diesen Bereich disponiert kann ich Dir aus Erfahrung sagen: Die Nutzung des nördlichen Gleises als zusätzliches Gleis bringt vor allem für das Durchfahren von Güterzügen große Vorteile. (...) Außerdem kann man über das nördliche Gleis Güterzüge am besten auf Neudietendorf zuführen und diese in den nördlich der Bahnsteige gelegenen Gleisen kurz "parken", wenn aus Erfurt noch ICE- oder RE-Züge kommen, die ab Neudietendorf vorausfahren sollen. So schließen sich die Fahrwege von Güter- und Personenzügen so gut wie nie aus.

Vielen Dank für Deine anschauliche Rückmeldung, die ich zur Übersichtlichkeit im Zitat etwas einkürzte.

Mein Hinweis betreffend Neudietendorf – Erfurt bezieht sich auf den Fall eines Wechsels des vier- bis fünfgleisigen Korridors vom Linien- auf einen Richtungsbetrieb mit außenliegenden VDE8-Schnellfahrgleisen.

Meines Erachtens sollte der überregionale SGV (Schienengüterverkehr) sowieso aus dem Knoten Erfurt möglichst herausgehalten werden; wenn solche langlaufenden SGV-Züge aufgrund fehlender geeigneter Fahrplantrassen im Raum Erfurt dann über Eichenberg und Nordhausen nach Halle(Saale) – da dort kein SPFV – geführt würden, wäre dem flankierend gedient.

Auf der SFS Ebensfeld – Erfurt (NBS der VDE8.1) dürften mit Einführung eines angedachten ICE-Halbstundentaktes in ein paar Jahren aufgrund des Tunnelbegegnungsverbots tagsüber sowieso kaum mehr attraktive Fahrplantrassen für den SGV verfügbar sein, da auf der VDE8.1 sind alle Tunnel zweigleisig sind (anders als auf der VDE8.2).

Folglich würde es reichen, den Bedarf an SGV-Fahrplantrassen und SGV-Infrastruktur an die lokalen SGV-Bedürfnisse (Quell- und Zielverkehr) des Erfurter Raumes anzupassen.

Die Verzweigungsmöglichkeiten im Ostkopf sind gar nicht so schlecht, lassen oft parallele Fahrwege zu und haben vor allem auch relativ hohe Geschwindigskeitsprofile (das ist im Westkopf nicht ganz so günstig).

Parallele Fahrmöglichkeiten im Ostkopf bedingen bis auf weiteres jedoch häufige Fahrstraßenkonflikte im Westkopf.

Bei einem Richtungsbetrieb würden die parallelen Fahrmöglichkeiten VDE8.1 – VDE8.2 mit Gotha – Weimar (dank höhenfreier Ein-/Ausfädelung des Richtungsgleises von der VDE8.1 zur VDE8.2) beibehalten, aber bisherige Abkreuzungskonflikte von SPFV-Zügen der Realtion Gotha – VDE8.2 ebenso gelöst und zudem eine bahnsteiggleiche Korrespondenz an den Mittelbahnsteigen der Gleise 1/2 (Fahrtrichtung Ost-West) bzw. 9/10 (Fahrtrichtung West-Ost) ermöglicht.

Entscheidender Fehler, der im Ostkopf gemacht wurde, ist die langsame, enge Ein- und Ausfahrt aus dem Güterbahnhof, noch dazu mit der Querung der SFS-Gleise. Ein langer Güterzug, der aus dem Stand beschleunigen muss in Richtung Vieselbach, macht aufgrund der Topografie und der geringen Ausfahrgeschwindigkeit aus den Gütergleisen ggf. mehrere Minuten lang alle Fahrwege zu.

Bei Umstellung auf Richtungsbetrieb wäre ggf. zu überlegen, bei Azmannsdorf (vor der östlichen höhenfreien Ausfädelung) einzelne zusätzliche Wartegleise für Güterzüge zu schaffen; ansonsten siehe oben.


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