Nun ja ... (Allgemeines Forum)

lokuloi @, Mittwoch, 15. November 2017, 19:21 (vor 277 Tagen) @ Blaschke

Hallo.

Die völlig andere Ausrichtung des deutschen FV-Systems erkennt man aber an ganz anderen Stelle: Z.B. bei der Verbindung zwischen der 4. und 5.-größten Stadt: mit Verbindungen bis zu 175 km/h und das 33mal am Tag. In Frankreich: eine Verbindung am Tag mit 90 km/h (Toulouse - Nizza). Und das ist keine Ausnahme: wenn es nicht in die großen drei (Paris, Lyon, Marseille) geht sieht es in F bezgl. Frequenz sehr mager aus, und auch die Geschwindigkeit ist nur noch in manchen Fällen hoch.


Wobei sich aber die Frage stellt, wie hoch das gesamte Verkehrsbedürfnis zwischen z.B. Stadt 4 und 5 in Frankreich dann ist. Wenn in dem zentralistischen Land fast alles auf Paris ausgerichtet ist ...

Natürlich nicht. Darum ging es mir ja (unter anderem): Die Verhältnisse in Frankreich und in Deutschland sind nicht vergleichbar.


Und auch ansonsten hinkt der Vergleich durchaus.

Nicht mehr oder weniger als der ständige Vergleich von deutschen Relationen mit Paris – Bordeaux oder wahlweise auch Paris – Marseille.

Die von dir (bewußt?) nicht genannten Städte 4 und 5 in Deutschland sind Köln und Frankfurt.

Weiter unten im Text habe ich es schon noch erwähnt.

200 km auseinander, 1 Mio und 750.000 Einwohner. Toulouse und Nizza liegen 550 km auseinander und haben 460.000 und 340.000 Einwohner. Dass es da Unterschiede in der Bedienung gibt, ist einleuchtend. Und dass die Verkehrssysteme dann unterschiedlich ausgelegt sind, auch.

Natürlich ist das einleuchtend. Niemand verlangt von Frankreich eine Bedienfrequenz wie in Deutschland (zumindest ich nicht). Aber viele verlangen von Deutschland sich Frankreich zum Vorbild zu nehmen. Das passt auch nicht.

Zwecks der besseren Vergleichbarkeit hatte ich deshalb auch noch Italien ins Spiel gebracht wo Turin – Genua durchaus vergleichbar zu Köln – Frankfurt ist.

Aber es ist ja eben nicht nur so, dass nur Toulouse – Nizza wenig bedient ist, generell sind die Verbindungen, die nicht Paris, Lyon oder Marseille anfahren eher mager ausgeprägt.

Und es ist ja auch nicht so, dass Köln – Frankfurt in Deutschland ein Einzelfall ist, wenn auch der mit dem Spitzenwert.

Aber auch Berlin – Hamburg, Berlin – Hannover, München – Nürnberg, Stuttgart – Mannheim, Stuttgart – Köln, Frankfurt – Düsseldorf, zukünftig Berlin – Nürnberg haben Durchschnittsgeschwindigkeiten im Bereich von 150 km/h oder mehr, bei Frequenzen von denen Frankreich nur träumen kann (teilweise auch Paris).

Aber eben nicht zentral auf eine Stadt ausgerichtet, sondern eher flächig zwischen benachbarten „Metropolregionen“, eben ausgerichtet auf die unterschiedlichen Strukturen:


Wobei da nicht das eine schlechter oder das andere besser ist. Die Strukturen sind halt unterschiedlich und damit nur bedingt vergleichbar.

Meine Rede.


Dass es in Deutschland im FV reichlich Verbesserungspotential gibt, teile ich als Meinung durchaus.

Ja. Wobei das meiner Meinung nach nicht an den Planungen liegt, sondern an der langsamen Umsetzung der Planungen (durch die geringen Investitionen in die Schiene).

Vieles wirkt wie groß angefangen, bauen bis das Geld ausgeht oder die Motivation und dann halber Strecke aufgehört. Zusammengebastelter Murks.

Wo denn? Nehmen wir den Ausgangspunkt, den Spurplan Erfurt. Wenn da ein fleissiger, engagierter Ingenieur die höhenfreie Ausfädelung vorschlägt, läuft das so ab:

-„Ist sie für das anfängliche Betriebskonzept notwendig?“
-„Äh. Nein.“
-„Haben die Sprinter Fahrzeitverluste, wenn sie fehlt?“
- „Nein.“
„Kann man sie nachrüsten, falls in 20 Jahren sich der Verkehr unerwarteterweise verdoppeln sollte?“
„Ja, das geht.“

Klar kommt diese dann nicht und ich kann daran nichts Verwerfliches finden. Es braucht nicht überall die Maximallösung, wenn weniger zum selben Ergebnis führt.

Schöne Grüße von

jörg

Ciao,
Uli


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum