mal wieder: HGV in Deutschland und anderswo (Allgemeines Forum)

lokuloi @, Dienstag, 14. November 2017, 21:19 (vor 337 Tagen) @ JeDi
bearbeitet von lokuloi, Dienstag, 14. November 2017, 21:22


Die ganze VDE8 ist erbärmlich. Berlin-München sind rund 500 km, das fährt man in rund 4 Stunden, man kommt also auf einen Schnitt von rund 125 km/h bei 3 Halten.

Nun ja. Bei Berlin - München die Luftlinienentfernung anzusetzen ist auch nicht ganz fair, führt diese doch durch Tschechien. Die Bahnkilometer sind 617 km. Der Umwegfaktor mit 1,25 nicht sonderlich hoch. Das macht einen Schnitt von 155 km/h. Das wird in Europa zwischen den STädten Nr. 1 und 3 nur von drei Ländern übertroffen.

Übrigens: auch die 169 km/h zwischen den beiden größten Städten wird nur von diesen 3 Ländern übertroffen.

Was wäre den deine Alternativplanung für den Korridor, die einigermaßen wirtschaftlich wäre und nicht noch länger gedauert hätte als es eh schon gedauert hat? Bedenke dabei, dass von der Führung über Erfurt auch die Relationen Berlin/Dresden/Leipzig - Frankfurt profitieren.

An andere Stelle "beschwerst" Du Dich, dass die Strecke nicht über Leipzig führt. Das kann man auch als Vorteil sehen, da somit Zeit und Streckenkilometer eingespart werden. München, Frankfurt und Nürnberg haben so ihren eigenen Züge über Halle nach Berlin, die Verbindung nach Leipzig wird durch andere Züge abgedeckt. Das ist so ähnlich wie mit Lyon in Frankreich.


In Frankreich ist Paris-Bordeaux etwa gleich weit, da fährt der Sprinter aber ohne Halt in gut 2 Stunden (im Stundentakt), mit 3 Halten (was zugegebenermaßen eher Coburg-Halte sind) dann 2:52.

Ja. Paris- Bordeaux muss jetzt für jeden Vergleich herhalten. Ganz allgemein sind dafür in Frankreich die Frequenzen sehr niedrig.

Die völlig andere Ausrichtung des deutschen FV-Systems erkennt man aber an ganz anderen Stelle: Z.B. bei der Verbindung zwischen der 4. und 5.-größten Stadt: mit Verbindungen bis zu 175 km/h und das 33mal am Tag. In Frankreich: eine Verbindung am Tag mit 90 km/h (Toulouse - Nizza). Und das ist keine Ausnahme: wenn es nicht in die großen drei (Paris, Lyon, Marseille) geht sieht es in F bezgl. Frequenz sehr mager aus, und auch die Geschwindigkeit ist nur noch in manchen Fällen hoch.

Aber auch ähnlich strukturierte Ländern fallen hier gegenüber Deutschland ab. Nehmen wir das auch immer gerne als Vorbild angeführte Italien. 4. und 5.-größte Stadt (Turin und Genua) sind nicht wesentlich kleiner als Köln und Frankfurt und ähnlich weit voneinander entfernt. Hier gibt es 5 (!) tägliche Fernverkehrszüge mit im Schnitt 100 km/h.

In D gibt es sogar zwischen den Städten Nr. 3 und 14 (zugegeben 1 und 2 eines nicht völlig unbedeutendes Bundeslandes) 44 Fernverkehrszüge (Fahrplan 2018) auf direktem Weg mit bis zu 164 km/h und dazu vermtl. nochmals genausoviele Nahverkehrszüge und Fernzüge, die nicht den direkten Weg nehmen

Zwischenfazit: F, E und I sind sehr auf ihre größten Städte fixiert, D mehr auf einzelne Verbindungen zwischen benachbarten Großräumen. Letzteres wächst langsamer, das liegt in der Natur der Sache. HIer entdeckt man auch eher die "Erbärmlichkeiten" des deutschen FV. Z.B. München - STuttgart mit 105 km/h. Und das bei jetzt schon 32 Fv-Zügen am Tag. Bei Millionen-Agglomerationen die gerade einmal 200 km voneinander entfernt liegen. DA ist Kritik eher angebracht, als bei München - Berlin.

Aber schnell fahren will man bei der DB ja eh nicht, siehe die Abschaffung der Berlin-Frankfurt-Sprinter.

Oder die Einführung von immerhin 5 Sprinterzugpaaren mit nur 2 Zwischenhalten. Evtl. mit weiteren Fahrten in Zukunft. Das entspricht eben mehr der deutschen Realität mit vielen Städten und dem Augenmerk eher auf Frequenz. Im Endeffekt sind dadurch vmtl. mehr Menschen schneller unterwegs. Die beiden Zwischenhalte sind übrigens ähnlich groß wie das von Dir ins Spiel gebrachte Bordeaux. Warum sollte man also in Halle und Erfurt nicht halten?

Ciao,
Uli


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