Das ist nicht die Regel. (Allgemeines Forum)

Tobias Brunnbach, Donnerstag, 22.07.2021, 15:07 (vor 57 Tagen) @ Der Blaschke

Ich!

Meinen Eindrücken nach arbeiten einige Reisendenerheber eher aus Freude am Arbeits(um)feld als aus (vorrangigem) Gewinninteresse; manche sind auch einfach gelangweilt und/oder ohne soziale Kontakte und rechnen sich die Erhebungen als Freizeit schön. Was ich sagen will: In gewissen Einzelfällen mögen deine Ausführungen passen, aber in der Masse (der es zwangsläufig um die Hauptfinanzierung ihres Leben gehen muss) wirst du nicht genügend Menschen mit einer solchen Liebhaberei finden. Zumal sich die Beschäftigungsverhältnisse und Arbeits-/Lohnbedingungen bei rechtlicher Prüfung in viel zu vielen Fällen als unzulässig herausstellen würden.

Kleiner Exkurs: Ich kenne jemanden, der viele Jahre lang hauptberuflich Tag und Nacht als Reisendenerheber in ganz Deutschland und manchmal darüber hinaus unterwegs war. Bei jedem Gespräch/Treffen spürte man seine Leidenschaft für Bahn (u.a.) und Menschen. Der kannte quasi jeden kleinen Haltepunkt nachts im (Unterwegs-) Schlaf, quasi jede tarifliche Kleinigkeit aus etlichen Verbünden und war auch betrieblich sehr interessiert. Er kam auch mit nahezu jedem als "Risikofahrgast" Abgestempelten gut zurecht und sorgte ganz nebenbei für kundenfreundlich wie wirtschaftlich lohnenswerte Zugfahrten. Wenn sich das Zugbegleitpersonal nicht "übergangen" sah (da gab es tatsächlich immer wieder Beschwerden), wurden ihm kurzerhand oft noch kundendienstliche und manchmal betriebliche Aufgaben anvertraut (mal als inoffizielle Unterstützung, mal aus Bequemlichkeit). Trotz bester Scoringwerte bei den Erhebungsinstituten wurde ihm von den Prüfern diverser Auftraggeber irgendwann der Strick aus irgendwelchen Formalien ohne negative Auswirkung aufs Arbeitsergebnis gedreht. Anschließend boten ihm diverse EVU als Kundenbetreuer u.ä. entweder keine Chance, er war unter lauter Angelernten und eingezwängt in regionalen Teilnetzen heillos unterfordert oder das fremdgeplante Dasein als Angestellter bildete nicht seine planerische Kreativität und tägliche Lust aufs Neue ab. Letztlich musste er sich eingestehen, für den Bahnbereich zu engagiert zu sein. Heute ist er in einer anderen Branche leitend tätig, hat keine finanziellen Sorgen und wird trotz seiner Funktionen gern als Vorbild für Kollegen im direkten Kundenontakt tätig, zusätzlich in ehrenamtlicher Form. Bahn und ÖPNV blieben sein Hobby. Da er auch hier still mitliest, liebe Grüße an dieser Stelle :-)

Inhaltliche Kehrtwende: Leider habe ich schon viele Projekte erlebt, wo speziell Fahrgastlenker, Servicekräfte und dgl. rekrutiert wurden. Leider hat man schön "bürokratisch" und gut für Statistik und Presse auf Kandidaten von der AA, örtlichen JC, Zeitarbeitsfirmen, politisch passende Menschen u.ä. zurückgegriffen, während inhaltlich Interessierte ungleich "offiziellem Sozialfall" usw. gleich wieder abtreten durften, weil es für sie z.B. keine Förderung/statistische Auswirkung/Provision/positive Presse gegeben hätte. Oder man annahm, sie könnten Kritik üben, weil sie sich zu sehr auskennen. Kurz: Man musste die "richtigen" Leute schnell die restliche Vertragslaufzeit über irgendwo versteckt ihre Zeit absitzen lassen (sofern noch jemand erschien), nachdem sich die Beschwerden von Fahrgästen und Personal gehäuft hatten. Da waren schon schlimme Ereignisse dabei. Und das elendig oft in verschiedenen Regionen wiederholt und von den üblichen Consultingfirmen "unterstützt".

Wer mit Menschen und deren Vielfältigkeit und den vielen verschiedenen Situationen des Aufeinandertreffens aber nicht klarkommt, der ist im Dienstleistungssektor schlichtweg falsch. Da empfiehlt sich Tunnelbau oder Kranführer oder Käferartenzähler oder Aktenverwalter. Ich käme ja auch nicht auf die Idee, Diätberater oder Cola Zero-Promoter zu werden.

Sag das mal den Leuten, die hier irgendwelche angeblich "gelangweilten" Personale aus der Verwaltung oder von woher auch immer an die "Front" stellen wollen.


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