Zuerst die Strecken, die heute schon gebraucht werden (Allgemeines Forum)

flierfy, Mittwoch, 16.04.2014, 12:29 (vor 4387 Tagen) @ Alphorn (CH)

In der Schweiz kennt man den Fahrplan, bevor man die Infrastruktur baut. Wenn auf eingleisiger Strecke zwei Züge kreuzen müssen, dann wird dort und nur dort eine Doppelspur gebaut. Dieses System (Fahrplan zuerst) kommt mehr und mehr zum Einsatz, im grossen Stil z.B. jetzt in Österreich.

Das stimmt nur in Bruchteilen. Die Infrastruktur, die man baut, wird höchstwahrscheinlich Jahrhunderte im Einsatz sein. Den Fahrplan kennst du aber bestensfalls für die nächsten Jahre. Und für diesen Zeitraum kennst du auch nur den Regelfahrplan. Unvorhersehbarkeiten können aber auch ganz schnell Änderung erforderlich machen. Dann wird ein Fahrplan gefahren, den du nicht vorher kanntest. Die Infrastruktur erlaubt schliesslich mehr als nur einen möglichen Fahrplan.


Diese Bummel-Reserven existieren in der Schweiz fast nirgends und am Gotthard definitiv nicht. Die Strecken wurden für den ITF gerade genug beschleunigt, um die nächstfrühere Knotenzeit zu erreichen. Mit Einführung des ITF sank die Fahrzeit Zürich-Bern um 12 Minuten, Zürich-Basel um 2 Minuten, Bern-Basel um 13 Minuten, Bern-Biel um eine Minute, Bern-Lausanne um 3 Minuten, Biel-Lausanne um 10 Minuten. Ab 2019 reicht der ITF durch den Gotthard, und auch da wird nichts verbummelt: Die Fahrzeit zwischen den ITF-Knoten Zürich und Lugano reicht so knapp, dass schon für einen einzigen zusätzlichen Halt (3 Minuten Zeitverlust) Neigetechnik nötig ist.

Es bleibt dabei: Wenn ein Taktzug sich überholen lassen muss, verliert er in Zürich sämtliche FV-Anschlüsse ausser einem.

Von der Gotthard- und einer nach Basel führenden Strecke abgesehen, wäre ein Fernzug durch die Schweiz nicht unbedingt auf den genannten Strecken unterwegs, sondern eher zwischen Rotkreuz und Lenzburg und weiter nach Basel. In ersterm Abschnitt kann man auch ohne Überholung zwischen dem Taktverkehr durchschlüpfen.
Und die Bummel-Reserven gibt es in jedem Fall. Du wirst mir nur nicht verraten, wo sie sind, um deine Argumentationskette nicht zu untergraben. Aber ein ITF lässt sich ohne sie nicht einrichten.


Auf Kante genäht heisst, instabil zu sein (so wie die Personalausstattung im Stellwerk Mainz). Der schweizerische Fahrplan ist sehr stabil. Zusätzliche Kapazitäten baut man erst dann, wenn feststeht, dass sie gebraucht werden.

Nein, auf Kante nähe heisst, keinerlei Kapazitäts-Reserven zu besitzen. Und das ist nach der Aussage in der Schweiz der Fall.


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