Schweiz zahlt nur, wenn es der Schweiz direkt dient (Allgemeines Forum)

Holger2, Montag, 14.04.2014, 02:04 (vor 4393 Tagen) @ flierfy

flierfly,

ich glaube Du verrennst Dich da in etwas.

Ich denke, dass das Schweizer IC - Netz eher mit einem zügigen RE - Netz vergleichbar ist, als mit einem IC(E) - Netz wie in Deutschland. So wie eigentlich auch in anderen Ländern dieser Größe, wie etwa NL oder AU, ist das IC - Netz eben nicht eigenwirtschaftlich finanziert, sondern wird als Teil der staatlichen Daseinsvorsorge subventioniert. Im Regionalverkehr kann man aber auch in Deutschland nicht von Open -Access reden. Natürlich wird der Verkehr ausgeschrieben, aber während des Betriebs besteht ja keine Konkurrenz der Verkehrsunternehmen untereinander

Im Wettbewerb ist Deutschland sicherlich weiter, als die Schweiz, die Schweiz hat es aber auch einfach nicht nötig. Die SBB ist in der Schweiz weiterhin behördenähnlich aufgebaut und die Schweiz investiert eben - weil sie es sich leisten kann - eine entsprechend hohe Summe in ihren Zugsverkehr. Wo die Ausgaben landen und welche Bahnen letztendlich wieviel kosten, ist durch die ganze Quersubventionierung natürlich total undurchsichtig. In Deutschland ist das einfacher, durch die Teilausschreibungen kleiner Netze ist viel transparenter, welche Leistung letztlich wieviel kostet.

Es stellt sich auch die Frage, inwieweit Italien bereit ist, allen Fernverkehrszügen Open - Access zu gewähren. Zumindest auf dem Brenner sah es so aus, als ob Trenitalia mit allen Mitteln ihre Monopolstellung halten möchte. Rechtliche Grundlagen hin oder her. Die Situation in der Schweiz scheint da einfacher zu sein.

Der Gotthard wurde aufgrund einer Kompromisvereinbarung mit der EU gebaut. Die Schweiz bekommt mit dieser Investition das Recht, ihren LKW - Transitverkehr massiv einzuschränken. Dass dieser Transitverkehr eine erhebliche Umwelt- und Gesundheitsbelastung ist, sieht jeder, der einmal in einem dieser Täler gewesen ist. Es ist nur folgerichtig, dass der Güterverkehr auf dieser Trasse Vorrang vor schnellem Fernverkehr bekommt.

Außerdem ist doch die Frage, inwieweit irgendein Transportunternehmen überhaupt schnellen Punkt - zu - Punkt - Verkehr zwischen Italien und Deutschland anbieten möchte. Ich sehe auch nicht, inwiewiet die Zulaufstrecken auf italienischer Seite besser ausgebaut wären. Dass die schlecht ausgebauten Zulaufstrecken einen großen Teil der zeitersparnis wieder auffressen, ist auch kein singuläres schweizerisches Problem, sondern das ist z.B. in Deutshcland genauso.

Holger


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum