bezüglich IC/IR-Netze und Open Access. (Allgemeines Forum)

Holger2, Mittwoch, 16.04.2014, 01:19 (vor 4391 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo Holger2,

Ich denke, dass das Schweizer IC-Netz eher mit einem zügigen RE-Netz vergleichbar ist, als mit einem IC(E)-Netz wie in Deutschland.


Jein.

Also, die mit weitem Abstand längste IC - Strecke in der Schweiz führt von St. Gallen nach Genf - das sind gerade einmal 350km. Für diese Strece benötigt der Zug ziemlich genau 4h, also ein Durchschnitt von etwa 90 km/h. Das ist aber die bei weitem am besten ausgebaute und längste IC - Strecke in der Schweiz. Alle anderen Verbindungen sind kürzer und langsamer.
Zum Vergleich: Das entspricht ziemlich genau der Strecke München - Aschaffenburg.

Der ICE benötigt hier 2h50min, also ist mehr als 1 Stunde schneller.
Bereits bei dieser Entfernung zeigt sich, dass der schnelle, aber nicht so häufig fahrende Zug dem dichten Taktverkehr überlegen ist.

Man muss hier noch sagen, dass das sog. Schweizer Mittelland sehr dicht besiedelt ist, mit 380 Ew/km² fast so dicht wie die NL (402 Ew/km²) - wesentlich dichter als zum Beispiel Bayern, mit im Schnitt 178 Ew /km². Entsprechend sind häufige Halte natürlich sinnvoller - dazu kommt noch, dass sich die großen Städte quasi wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht aufreihen.

Zumindest die Instandhaltung des Netzes wird bei uns staatlich organisiert und subventioniert. Der Betrieb der "IC"-Leistungen kann NS in Theorie eigenwirtschaftlich machen; das Unternehmen gleicht die verlusttragenden "Sprinter" damit aus.

Zum einen wird die NS die Sprinter ja nicht aus freien Stücken anbieten. Ebensowenig wird die NS freiwillig irgendwelche verlustbringenden IC in den späten Abendstunden oder in den Randgebieten fahren. Sondern die NS (NS Reizigers) hat einen Vertrag mit dem Staat abgeschlossen, der beinhaltet, dass sie ein bestimmtes Netz mit einer festgelegten Zugdichte anbieten müssen - welches dafür nicht ausgeschrieben wird. Ein ähnliches Verfahren gibt es auch in Österreich.

Open-Access wäre, wenn Trassen vorgelegt werden und Unternehmen diese unter gleichen Bedingungen bestellen können. So wie der Fall bei der Betuweroute.
Man kann sich allerdings die Frage stellen, ob sowas im Personenverkehr überhaupt funktionieren würde.

Naja, Open - Access heißt ja erst mal, dass jeder gleichberechtigt ein bestimmtes Netz benutzen darf - ob es dabei bestimmte Einschränkungen gibt, oder unter welchen Kriterien die Trassen vergeben werden, wird dann mittels entsprechender Regeln festgelegt. Fierfly's Kritik ist ja, dass es diesen Open Access in der Schweiz zwar gibt, aber mit zu großen Einschränkungen bezüglich Schnelligkeit und Verfügbarkeit.

Andererseits stellt sich die Frage, ob eine Nachfrage für entsprechende schnelle Trassen überhaupt vorhanden ist - und ob es sich lohnt, ein Angebot für eine möglicherweise nicht vorhandene Nachfrage vorzuhalten.

Holger


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum