Schweiz zahlt nur, wenn es der Schweiz direkt dient (Allgemeines Forum)

flierfy, Mittwoch, 16.04.2014, 01:57 (vor 4384 Tagen) @ Holger2

Ich denke, dass das Schweizer IC - Netz eher mit einem zügigen RE - Netz vergleichbar ist, als mit einem IC(E) - Netz wie in Deutschland. So wie eigentlich auch in anderen Ländern dieser Größe, wie etwa NL oder AU, ist das IC - Netz eben nicht eigenwirtschaftlich finanziert, sondern wird als Teil der staatlichen Daseinsvorsorge subventioniert. Im Regionalverkehr kann man aber auch in Deutschland nicht von Open -Access reden. Natürlich wird der Verkehr ausgeschrieben, aber während des Betriebs besteht ja keine Konkurrenz der Verkehrsunternehmen untereinander

Das seh ich ganz genauso. Ich hab aber auch nie etwas anderes behauptet. Der grosse Unterschied zur Schweiz liegt nur darin, dass in Deutschland der eigenwirtschaftliche Fernverkehr nicht nur Trassen bekommt, sondern auch Vorrang bei der Betriebsabwicklung.
Und das führt zu der Situation, dass DB Netz badischen Regionalverkehr im Konfliktfall warten und Anschlüsse verpassen lässt, damit ein mit Schweizern gefüllter ICE schnell nach Frankfurt(M) und Köln fahren kann. Umgekehrt aber verwehrt die SBB eigenwirtschaftlichen Fernverkehr scheinbar grundsätzlich den Netzzugang, um die Pünktlichkeit ihres eigenen Regionalverkehrs hochzuhalten.
Damit haben die Badener im Schienenverkehr alle Nachteil, den Bahnlärm, die Kosten für die SFS und den Nachrang ihres Regionalverkehrs. Die Schweizer jedoch haben alle Vorteile, die super-schnelle Verbindung nach Norden, für die sie nichts bezahlt haben, und den Vorrang der schnellen Züge, in denen sie selbst sitzen.
Eine derart einseitige Verteilung der Vor- und Nachteile eines Verkehrssystem gibt es wahrscheinlich selten. Und sie kann nicht richtig sein. Und ich frage mich, wer verhandelt die Abkommen mit der Schweiz eigentlich? Und wessen Interessen vertritt derjenige wirklich?


Der Gotthard wurde aufgrund einer Kompromisvereinbarung mit der EU gebaut. Die Schweiz bekommt mit dieser Investition das Recht, ihren LKW - Transitverkehr massiv einzuschränken. Dass dieser Transitverkehr eine erhebliche Umwelt- und Gesundheitsbelastung ist, sieht jeder, der einmal in einem dieser Täler gewesen ist. Es ist nur folgerichtig, dass der Güterverkehr auf dieser Trasse Vorrang vor schnellem Fernverkehr bekommt.

Der GBT wird gebaut, weil die Schweiz und vor allem ihre Bürger möglichst keinen Schwerverkehr auf der Strassen haben will. Vor allem nicht auf den Alpen-querenden Transitrouten. Das schreibe ich schon die ganze Zeit. Nur sollte man nicht behaupten, der Tunnel würde für die EU gebaut. Die EU hat die Schweiz lediglich daran erinnert, dass sie nicht einseitig die Transport-Kapazitäten durch die Alpen beschränken kann und eine Alternative schaffen muss bevor sie Kapazitäten auf der Strasse einschränkt.


Außerdem ist doch die Frage, inwieweit irgendein Transportunternehmen überhaupt schnellen Punkt - zu - Punkt - Verkehr zwischen Italien und Deutschland anbieten möchte. Ich sehe auch nicht, inwiewiet die Zulaufstrecken auf italienischer Seite besser ausgebaut wären. Dass die schlecht ausgebauten Zulaufstrecken einen großen Teil der zeitersparnis wieder auffressen, ist auch kein singuläres schweizerisches Problem, sondern das ist z.B. in Deutshcland genauso.

Na ja, Milano liegt nicht weit von der schweizer Grenze. Auf dem kurzen Stück würde man auch mit einer ganz schnellen Strecke nicht viel Zeit gewinnen.
Und die Frage nach dem Sinn einer Direktverbindung ist ein klassisches Henne-Ei-Problem. Wenn es nur langsame Verbindungen gibt, werden diese nur schwach nachgefragt. Und diese schwache Nachfrage hält dann als Ausrede dafür her, dass man dann auch keine schnellen Verbindung schaffen brauche.


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