Italienische Bahn will nach Deutschland (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Freitag, 11.04.2014, 16:32 (vor 4384 Tagen) @ Re 8/12

Hoi,

Dieses Thema hatten wir neulich schon mal. Dass die Schiene in gewissen Marktsegmenten Marktanteile in einer Grössenordnung von 80% erreichen soll, mutet zwar ziemlich abenteuerlich an, aber ich will es nicht partout bestreiten. Nur dürfte es sich dabei dann eben um ganz kleine Segmente handeln, die im Vergleich zum gesamten Verkehrsaufkommen kaum von Bedeutung sind. (Alles andere müsste mit konkreten Zahlen belegt werden.)

Ja, wir hatten das Thema schon mal und schon da hattest du es mir nicht geglaubt.

Heutige Verkehrszahlen durch den Gotthard:
ca. 15'000 Autos am Tag (macht bei einem Besetzungsgrad von 1.57 ca. 23'500 Peronen)
ca. 9'000 Reisende im Zug am Tag.

2025:
ca. 18'000 Reisende im Zug am Tag.

Die Erfahrung zeigt, dass von den zusätzlichen Bahnreisenden ein Drittel vom Strassenverkehr umsteigen werden. Also können für den Strassenverkehr noch 20'500 Personen angenommen werden.

Das ergibt über alle Verkehre hinweg am Gotthard für den Schienenverkehr einen Marktanteil von knapp 47%.
In diesen Zahlen sind nun wirklich alle Verkehre enthalten, die sich in den Gotthardtunneln abspielen. Und wenn man so Verkehre wie Erstfeld-Airolo oder Göschenen-Faido rausrechnet, halt alles Verkehre wo der Schienenverkehr im direkten Vergleich eher schlechter dasteht, also auf den kürzeren Strecken, dann steigt auf den Fernrelationen wie Zürich-Lugano oder Zug-Milano der Marktanteil der Schiene plötzlich markant.

Diese 80% Marktanteil auf Fernreisen im Schienenverkehr sind definitiv kein Mythos, sondern Realität! Wenn ich vom Marktanteil für Zürich-Milano schreibe, dann zählen da mit Sicherheit nicht die Verkehre von Bellinzona nach Lugano dazu. Nein, dann meine ich wirklich alles, was von Zürich nach Milano durchfährt.

Auch wenn es in der Schweiz keine so ausgedehnten Ebenen gibt wie die Norddeutsche und die Oberrheinische, so führen doch auch hier viele Bahnlinien durch weitgehend flache Schotterfelder und sind entsprechend kurvenarm trassiert. Schnelle Verbindungen wären von der Geographie her durchaus auch in der Schweiz möglich - ich meine damit nicht zwingend solche mit 300 km/h, sondern ab 160. Es ist eine politische Entscheidung, darauf zu verzichten.

Viele Strecken in flachen Gegenden in der Schweiz werden bereits mit 160 km/h befahren. Das für den Ausbau vorhandene Geld wird sowieso schon möglichst so eingesetzt, dass pro investiertem Franken der maximalmögliche Ertrag herausspringt. Und eine solche Strategie halte ich für total richtig.

Halten wir uns einfach mal die Grössenordnungen vor Augen: Auf der Nord-Süd-Achse werden wir mit dem Gotthard-Basistunnel zwischen Zürich und Mailand eine Fahrzeit von 3 Stunden erreichen, wobei die Systemreisezeit zwischen den beiden Knoten 3 1/2 Stunden beträgt. Das entspricht einer Geschwindigkeit von 83 bzw. 70 km/h; mit Blick auf den ganzen Aufwand schon ein eher ernüchterndes Ergebnis. Wenn nun in unseren Nachbarländern die Frage auftaucht, ob es nicht möglich wäre, wenigstens bei den grössten Nachfragespitzen etwas schnellere Verbindungen für Transitreisende zu ermöglichen, so finde ich das absolut verständlich.

Dass die Frage auftaucht, ist verständlich. Nicht verständlich ist hingegen, wenn man partout die Gründe nicht akzeptieren will, die das eben verhindern.

IC fährt um 00 in den GBT ein,
jeweils im Dreiminutenabstand folgen die Cargotrassen,
also fährt der letzte Güterzug um 09 ein,
nach 38 Minuten kommt der letzte Güterzug um 47 aus dem GBT wieder raus,
um 30 ist der nächste IC in den GBT eingefahren,
dieser kommt nach 20 Minuten um 50 wieder aus dem GBT raus,
also drei Minuten nach dem letzten Güterzug.

Und jetzt soll mir mal bitte jemand sagen, wo da noch irgendwelche Open-Access-Verkehre reinpassen sollen? Ja, vielleicht Freitag bis Sonntag, wenn der Güterverkehr auf Sparflamme läuft.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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