Solange die Pünktlichkeit stimmt: Nein. (Allgemeines Forum)

Alphorn (CH), Donnerstag, 10.04.2014, 21:29 (vor 4393 Tagen) @ flierfy

Diese erhöhte Auslastung schweizer Bahnstrecken ist aber keine Naturkonstante, sondern ein selbst-gewählter Zustand.

Die Schweiz gibt heute schon pro Kopf sechs mal mehr für die Bahn aus als Deutschland, soll das ernsthaft noch weiter steigen? Obwohl die aktuelle Infrastruktur den Ansprüchen (genauer gesagt: Dem vorher festgelegten Fahrplan) genügt?

Ich glaube nicht, dass Taktzüge wegen einer einzigen Überholung gleich die Anschlüsse verpassen. So eng dürfte der Fahrplan nicht gestrickt sein.

Das ist keine Glaubensfrage, das kann man aufzeigen. Eine Überholung dauert mindestens 6 Minuten (2x Zugfolgezeit von 2 Minuten, 1 Minute abbremsen, 1 Minute beschleunigen).

Jetzt nehmen wir mal an, der überholte Zug ist der IR Luzern-Zug-Zürich. Ankunft bisher 09:25, neu 09:31. Mindestumsteigezeit in Zürich: 7 Minuten.

Es werden verpasst: IC Richtung Genf 09:32, TGV Paris 09:34, (IR Luzern 09:35), IR Basel 09:36, IC Chur 09:37, IR Konstanz 09:37. Von insgesamt 7 bisher erreichten FV-Anschlüssen gehen 6 verloren, nur St. Gallen um 09:09 wird noch erreicht. Du unterschätzt total, wie schlank die Anschlüsse in der Schweiz sind.

Zumal es ohnehin günstiger wäre, wenn eine solche Überholung in Knotenbahnhöfe selbst statt finden würde. Allerdings bräuchte man dort dann ein freies Gleis. Und das wird es wahrscheinlich nicht geben, weil die Infrastruktur genau auf Kante genäht wurde, oder wie es so schön euphemistisch heisst, weil sie 'massgeschneidert' ist.

Ich erkläre dir mal den Unterschied zwischen den beiden. Auf Kante genäht heisst ohne Reserven (was zu schlechter Pünktlichkeit führt). Massgeschneidert heisst mit genau den nötigen Reserven, aber nicht mehr. Die Pünktlichkeit in der Schweiz ist sehr gut, also kann die Infrastruktur nicht auf Kante genäht sein.

Reservegleise in Zürich gibt's, aber keine Trassen. Allein die Strecke zwischen Zug und Zürich hat lange einspurige Tunnels und muss 5 Züge pro Stunde und Richtung verkraften. Man müsste also für ziemlich genau eine Milliarde Euro den Zimmerberg-Basistunnel II bauen, damit pro Tag ein paar Zusatzzüge ein paar Minuten schneller fahren könnten. Kann man machen, aber man müsste dafür Strecken vernachlässigen, wo die Züge völlig überfüllt sind... was am Gotthard nicht der Fall ist, erst rech nicht, wenn 2016 der Halbstundentakt eingeführt wird.


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