Italienische Bahn will nach Deutschland (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Mittwoch, 09.04.2014, 18:41 (vor 4389 Tagen) @ flierfy

Hoi,

So lange du und deine Landsleute die Infrastrukturen der euch umgebenden Länder mitbenutzen, gelten für euch die gleichen Regeln wie für alle anderen auch.

Du verwechselst Personen mit EVU. EU-Landsleute dürfen ohne Einschränkungen in der Schweiz die Züge nutzen. Somit ist es auch kein Problem, wenn Schweizer Landsleute Züge in der EU nutzen.

Und die beinhalten eben, dass auch Open-Access-Verbindungen vernünftige Trassen bekommen.

Nein, das beinhalten sie nicht.

Nur im Güterverkehr fahren CH-EVU in der EU im Open Acess. Und oh Wunder: Im Güterverkehr fahren EU-EVU auch in der Schweiz im Open Access diskriminierungsfrei. Dabei wird von allen Cargo-EVU im Open Access die Trassenvergabe in der Schweiz immer als besonders transparent und fair bewertet.

Und wenn wir im Personenverkehr eben eine andere Strategie fahren, dann ist das unser Problem. Im Gegenzug ist dann aber auch so, dass kein Schweizer EVU im Ausland Personenverkehr im Open Access betreibt.

Steuergeld für Infrastrukturen wird immer dafür aufgewandt, damit private Unternehmen Gewinnen machen können, um wiederum Steuern zu zahlen. So funktionieren unsere Volkswirtschaften nun mal. Mach du dich mal mit diesen Realitäten vertraut.

Mach Du dich erstmal mit den Realitäten in der Schweiz vertraut, bevor Du dich darüber so auslässt.

Jedes CH-Personverkehrs-EVU ist mehrheitlich im Eigentum der öffentlichen Hand, also nicht privat.
Die SBB fahren den Fernverkehr landesweit auf eigene Rechnung, dabei haben sie aber auch per Konzession Verkehre zu fahren, die nicht kostendeckend sind. Es wird erwartet, dass die SBB diese Kosten mit den Gewinnen aus den lukrativen Verbindungen abdecken und ohne Subventionen auskommen.

Wenn aber jetzt ein EVU im Open Access käme und dieses auf den lukrativen Strecken den SBB die Fahrgäste streitig macht, würde dieses System in Frage gestellt werden. Die Anbindung einiger Regionen an den höherwertigen Schienenverkehr wäre wie in Deutschland in Frage gestellt. Volkswirtschaftlich gesehen ist es also ein absoluter Blödsinn, Personenverkehr auf der Schiene dem freien Markt zu überlassen oder ihn von Open Access Verkehren sabotieren zu lassen.
Denn bedenke dies: Wenn dann einige Regionen verkehrlich schlechter angebunden sind, werden sie plötzlich weniger attraktiv für Unternehmen, was dort zu Steuerausfällen führt. Damit entsteht dann ein volkswirtschaftlicher Schaden für die Region oder gar für das ganze Land.

Das sind die Gründe, warum man die Schweiz im Personenverkehr nicht für Open Access Verkehre aufmachen wird. Dass man das innerhalb der EU anders macht, ist klar. Die EU will ja auch ein eigener Staat sein. Innerhalb eines Staates darf ja auch ein EVU eines mit Hauptsitz in einem Bundeslandes ohne Probleme auch im anderen Bundesland fahren. Genauso kann ein EU-EVU ja auch nicht im Open Access in die Türkei oder nach Russland fahren. Das sind andere Länder, die genauso wie die Schweiz nicht in der EU sind. Das ist zu respektieren. Trotzdem ist die Schweiz im Güterverkehr masssiv der EU entgegen gekommen. Mit der Neat tut die Schweiz mehr zum Zusammenhalt der EU beitragen als die EU es selbst auf die Reihe bekommt. Das mögen vielleicht einige nicht wahr haben, die nur der EU-Propaganda folgen, es ist aber trotzdem so.

Ein Viertelstunde schneller von Bahnhof zu Bahnhof heisst, dass das Auto von Stadt zu Stadt mindestens gleich schnell ist.

Die Erfahrung zeigt, dass das reicht, um 80% der Nachfrage auf die Schiene zu lenken. Denn man muss auch bedenken, dass die meisten sich lieber auf einer dreistündigen Reise fahren lassen wollen anstatt selbst zu fahren. Zuverlässigkeit und gutes Taktangebot vorausgesetzt, ist der Zug auch bei gleicher Reisezeit mehr als konkurrenzfähig. So schnell wie nötig, nicht so schnell wie möglich.
Und auf der Strasse hat man diverses, was einem den Spass am Autofahren verdirbt: Stadtverkehr Zürich, Stau am Gotthard, Stau vor der Grenze, allenfalls Grenzkontrollen, Mautstellen in Italien, Mailänder Stadtverkehr, Parkplatzsuche, blöde andere Autofahrer etc.

Ja ja, von wegen flaches Deutschland und hochalpine Schweiz. Zwei Drittel von Deutschlands Fläche ist von Mittelgebirgen und deren Ausläufern bedeckt, genau wie 50% der Schweiz.

Du hattest in Geografie wohl einen Fensterplatz? Allein das, was man zwischen Müllheim (Baden) und Frankfurt an Landschaft sieht, ist schon mal um einiges flacher als alles, was man in der Schweiz vorfindet. Somit ist es auch logisch, dass man zwischen Frankfurt und Basel auch deutlich einfacher und um ein vielfaches günstiger eine schnelle Bahnstrecke legen könnte wie zwischen Erstfeld und Basel.

So ein Zug will aber gar nicht in den Takt eingebunden sein. Wofür auch. Das wird eine Direktverbindung zwischen wenigen Grossstädten.

Nein, stimmt ja, ein Zug benötigt nirgends Anschlüsse. Deswegen ist das spanische HGV-Netz auch so wahnsinnig toll. Glaubst Du das Zeug, was Du hier schreibst, eigentlich wirklich auch selbst?

Frankfurt-Milano mögen zwar einige Leute reisen wollen, aber kaum täglich genug, um einen ganzen Fernzug kostendeckend führen zu können. Es ist nötig, dass auch zusätzliches Potenzial entlang der Strecke abgegriffen wird. Die vielen Plätze, die nicht von Durchreisenden besetzt werden, müssen mit Fahrgästen auf Teilstrecken belegt werden können. Dafür muss man den Zug aber auch an entsprechenden Korrespondenzbahnhöfen wie eben Arth-Goldau anhalten lassen, um diese Reisenden auch aufnehmen zu können.

Es gibt dutzende Orte von dieser Grösse an der Strecke. Da kann man eben nicht einfach in jedem dieser Städtchen 6 Minuten liegen lassen. Zumal die Zahl der Zusteigenden wahrscheinlich nicht mal die anfallenden Stationsgebühren decken dürfte.

Nochmal extra für Dich zum mitschreiben: In Arth-Goldau werden Anschlüsse aus Zug/Zürich oder Luzern/Basel/Deutschland aufgenommen. Entsprechend hoch sind auch die Fahrgastwechselfrequenzen in Arth-Goldau. In Arth-Goldau zu halten, ist also sogar enorm gewinnbringend. Die Schnellzüge halten ganz sicher nicht wegen Arth-Goldau in Arth-Goldau. Somit kannst du auch Arth-Goldau nicht einfach pauschal mit anderen Orten gleicher Grösse vergleichen.

Genau aus dem Grund baut jedes andere Land, das auf die Eisenbahn setzt, neue Bahnstrecken, die sehr viel höhere Geschwindigkeiten zulassen. Nur in der Schweiz meint man mit Strecken aus dem 19ten Jh auszukommen.

Da nirgendwo auf der Welt die Eisenbahn intensiver genutzt wird als in der Schweiz, kann man ja nicht davon reden, dass die Strategie der Schweiz falsch wäre. Wenn man schnellere Strecken bräuchte, wird man die schon bauen. Und eben, nach der gewaltigen Investition in die Neat muss man das Geld für irgendwelche schnelleren Bahnstrecken auch zuerst mal haben. Wie gesagt, vom Investitionsvolumen baut die Schweiz mit dem Gotthard- und Ceneri-Basistunnel zehnmal die Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg-Berlin.

Jedes EVU zahlt für jeden Streckenkilometer und jeder Halt seine Gebühren. Deine Angst, dass hier jemand umsonst etwas benutzen könnte, ist vollkommen unbegründet.

Die Trassengebühren decken nicht die Vollkosten der Infrastruktur, nirgendwo in Europa. Wenn es für irgendwelche Open Access Verkehre mehr Gleise bräuchte, die es ohne diese Verkehre eben nicht bräuchte, wer zahlt die dann?

Das ist doch Unsinn. Wenn die SBB eine Trasse anmelden, dann bekommen sie sie auch. Und zwar eine Trasse, die auch fahrbar ist. Der verzögerte Ausbau ist ganz bestimmt kein Grund für ein Ausbleiben dieser Linie.

Nein, das ist kein Unsinn. Für die Rheintalbahn existiert bekanntlich eine Überlasterklärung durch DB Netz. Wenn man eine Trasse anmeldet, dann ist das kein Garant darauf, dass man sie auch bekommt. Das ist nicht wie im Strassenverkehr, wo man einfach nach Lust und Laune auf die Autobahn fahren kann (wobei es dann dort bei Überlastung auch Stau gibt).
Für schnelle Verkehre sind ausser den aktuellen Fernverkehrstrassen auf der Rheintalbahn keine Kapazitäten mehr frei. Das ist Realität, die NVBW kann jetzt schon nicht die Regionalzüge so fahren lassen, wie sie es gerne hätten.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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