Trassengebühren für Güterverkehr auf dieser Strecke erhöhen (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Dienstag, 11.09.2012, 02:08 (vor 4963 Tagen) @ Felix

Hoi,

Warum sollte das so sein? Wenn eine Autobahn um eine Spur erweitert wird, wird sie dadurch nicht automatisch für den Personenverkehr auch attraktiver.

Eine Spurerweiterung ist eine Kapazitätserweiterung. Damit sinkt das Staurisiko auf dieser Strecke. Das macht den Autoverkehr attraktiver, womit mittelfristig der Autoverkehr wachsen wird. Wenn bei der Bahn mehr Züge fahren, dann macht das das Angebot auch attraktiver und die Fahrgastzahlen steigen. Das ist beim Strassenverkehr nicht anders.

In der Schweiz haben die SBB auch einen deutlichen Mehrbedarf im Netzunterhalt. Deshalb hat der Bund auch die Trassenpreise angehoben. Das wird im Personenverkehr zu fast 30% höheren Preisen bis 2018 führen.


Echt? Dann bin ich mal gespannt, ob die Fahrgäste da mitspielen.

Beim Strassenverkehr wird es auch zu Preissteigerungen kommen. Wegen der gestiegenen Unterhaltskosten beim bestehenden Autobahnnetz wird der Preis für die Autobahnvignette von 40.- auf 100.- CHF pro Jahr erhöht. Eine neue Ein-Monats-Vegnette wird dann 40.- CHF kosten.
Beim Benzinpreis soll ebenfalls kräftig aufgeschlagen werden. So soll der Benzin-Preis schrittweise auf knapp 5.- CHF pro Liter steigen. Darüber hat die politische Diskussion aber erst begonnen: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Fuenf-Franken-fuer-einen-Liter-Benzin/stor...

Bei den SBB und beim Bund geht man nicht davon aus, dass die höheren Preise zu Fahrgasteinbussen führen werden. Mit Abos ist man immer noch günstiger als mit dem Auto. Vorallem wenn man die Gesamtkosten eines Autos mit den Billettpreisen vergleicht, bleibt der öV immer noch günstiger. Dann kommt noch hinzu, dass nicht jeder gerne täglich im Stau stehen will. Während auf der Schiene der Ausbau flüssig weitergeht, kommen Strassenausbauten wenn überhaupt nur im Schneckentempo voran.

Dann verstehe ich aber erst recht nicht, wieso man zwar im Personenverkehr bei den Fahrgästen nach Belieben hinlangen darf, im Güterverkehr bei den Trassengebühren aber nicht.

Personenzüge haben eigentlich immer die höherwertigen Trassen. Es dürfte wohl selbstverständlich sein, dass die Trasse des ICN Basel-Lugano mehr kostet als die des Güterzuges, der eine Trasse bekommt, womit er etwa doppelt so lange für diese Strecke braucht und zwischendrin auch mal für die Überholung durch einen Personenzug in einem Bahnhof zur Seite genommen wird.
Ausserdem soll mit den höheren Billettpreisen der künftige Netzausbau im Personenverkehr teilweise mitfinanziert werden.

Es ist noch anzumerken, dass auch der Güterverkehr nicht um die höheren Trassenpreise herumkommt. Die Aufschläge wird auch die verladende Wirtschaft zu spüren bekommen.
Im Güterverkehr wird es aber mit dem Lärmbonus möglich sein, eine kleine Vergünstigung beim Trassenpreis zu erhalten. Wer lärmsaniertes Rollmaterial einsetzt (K-Sohle oder Scheibenbremse, bald auch LL-Sohle), zahlt etwas weniger beim Trassenpreis. Massnahmen am Rollmaterial sind nunmal die effektivsten Mittel, um den Bahnlärm zu reduzieren. Mit einem lärmabhängigen Trassenpreissystem können hier gezielt Anreize geschaffen werden.
Die schweizer Güter-EVU sind bezüglich lärmsaniertem Rollmaterial schon mit der Umrüstung auf K-Sohle fertig.

Mehr zum schweizer Trassenpreissystem: http://swissengineering-stz.ch/pdf/byr1420115008.pdf


Ansonsten wird der Güterverkehr auf der Schiene politisch entsprechend dem Verfassungsauftrag gegenüber der Strasse begünstigt. Für jeden LKW wird eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) erhoben. Mit den Einnahmen aus der LSVA wird die NEAT zu einem grossen Teil mitfinanziert.
In der schweizer Bundesverfassung steht drin, dass die Anzahl alpenquernder LKW-Fahrten durch die Schweiz auf maximal 650'000 jährlich reduziert werden muss. Dieser durch eine Volksabstimmung zustande gekommene Verfassungsauftrag erfordert auch politische Lenkungsmassnahmen. Ein Volksentscheid wird nicht im Nachhinein angezweifelt. Das Volk will diese Verlagerung und hat mit der Abstimmung auch zugestimmt, die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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