Fehlinvestition Schnellzug St.Gallen-Konstanz? (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Freitag, 07.09.2012, 06:39 (vor 4968 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hoi,

Momentan werden ja gerade die Kreuzungsstellen für den künftigen Schnellzug St.Gallen-Konstanz gebaut, welcher hoffentlich direkt oder indirekt an den Knoten Singen angebunden wird. Pikanterweise wird der aus dem Topf "HGV-Anschluss" bezahlt und scheint nun seinen Zweck vollkommen zu verfehlen.

Das ist nun zu befürchten. Der Schnellzug St.Gallen-Konstanz wird definitiv kommen, jetzt hier eine Notbremse zu ziehen ist auch wieder nicht sinnvoll. Die SOB-Spange zwischen St.Fiden und Wittenbach steht schon seit einem Jahr ohne planmässigen Personenverkehr fertig herum.

Man fährt mit diesem Zug ja um :45 in St. Gallen ab und erreicht den Knoten Singen in knapp 1h15. Danach geht's je nach Neigetechnik in 1h45 bis 2h nach Stuttgart. Macht zusammen 3h bis 3h15. Die Route via Friedrichshafen und Ulm soll aber angeblich in knapp 2h30 zu schaffen sein.

Mit NT währen es knapp 3 h. Die Verknüpfung in einem 00'er-Knoten Singen wäre ja eigentlich auch ein intelligentes Konzept. Das hätte auch zur Zunahme der Fahrgastzahlen auf der Gäubahn beigetragen, was ja seitens des BAV auch erwartet wird.

Bei der Route via Friedrichshafen kommt noch hinzu, dass sie wahrscheinlich sogar günstiger ist, da billige Ländertickets statt der teureren FV-Billette möglich wären. Das ist für mich mal wieder ein Beispiel, wie intransparent doch das deutsche Preissystem ist. Die von der Kilometeranzahl längere, aber doch schnellere Route darf eigentlich nicht günstiger zu haben sein. Nun wird aber wahrscheinlich niemand einen extra teureren Tarif für die RE via NBS einführen, bei dem BaWü-Tickets und dergleichen nicht gelten. Den FV auf der Gäubahn so günstig zu machen, dass er preislich unter den Ländertickets ist, wird es wahrscheinlich auch nicht geben.
Aber wir werden sehen.

Schlimmer noch: Auch die Unterwegsbahnhöfe Romanshorn und evtl. Konstanz sind wohl über die Ulmer Route besser bedient. Bleibt nur noch der schnelle Regionalverkehr für den Schnellzug, aber ob man damit einen vernünftigen Kostendeckungsgrad hinbekommt?

Hier wurde die Schweiz ein Opfer der kurzsichtigen und eigentlich konzeptlosen deutschen Verkehrsplanung. Noch im März nahm man beim BAV an, die Südbahn-Elektrifizierung käme erst weit nach 2020. Es gibt in Deutschland scheinbar keine einzige verlässliche Planung, nach der sich auch andere Staaten richten könnten. Eigentlich sollte die Gäubahn zusammen mit Bülach-Schaffhausen und St.Gallen-Konstanz ausgebaut werden. Nun macht die Schweiz diese Teile, während in Deutschland statt der Gäubahn nun wo ganz anders ausgebaut wird. Mir kann da keiner sagen, dass da ein Konzept dahinter stünde.
Auch die NBS Stuttgart-Ulm ist so ein konzeptloses Einzelstück. Anstatt dass man im Rheintal, wo der Schuh heute schon mehr als drückt, endlich mal den Ausbau fokussiert, wird bei Ulm eine SFS auf Vorrat gebaut. In Deutschland fehlt einfach ein Landesweites Konzept, bri dem die Projekte nach klaren Prioritäten abgearbeitet werden und deren Finanzierung jeweils schon bei Aufnahme in den Verkehrswegeplan gesichert ist.

Es bleibt allerdings noch abzuwarten, ob bei der Elektrifizierung der Südbahn den Worten auch wirklich Taten folgen. Interessanterweise hat man's gewagt, eine Jahreszahl zu nennen: 2019 soll sie umgesetzt sein.

Die Elektrifizierung soll sogar schon Ende 2017 fertig sein. Die NBS Stuttgart-Ulm soll Ende 2019 in Betrieb gehen. Ich bin da auch mal gespannt.


Grüsse aus IC 708.

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Der SBB FV-Dosto.


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