Versuch einer Zusammenfassung (Allgemeines Forum)

Lars(DK), Samstag, 03.09.2011, 00:22 (vor 5332 Tagen) @ Tommyboy

Liebe Mitschreiber ;-)
Was für eine interessante Diskussion - deswegen ist dies das beste Forum, wie Ihr wisst ;-))
Zusammenfassend würde ich meine Position so beschreiben:
1. Wer öffentlich fährt, will gerne schnell vorwärts kommen, erst recht gefühlt (wenn auch nicht immer real). Deswegen warten z.B. Fernpendler in Odense (DK) lieber einen verspäteten Blitzzug (Lyntog) nach Kopenhagen ab, als sich in den IC zu setzen, der sie mit einer ca 15 Min längeren Fahrzeit mit Zwischenstopps nach Kopenhagen bringt. Der ICE von Kopenhagen nach Berlin hat zu stark erhöhten Fahrgastzahlen geführt (nach Aussage DSB, der Zugbegleiter und meiner eigenen Erfahrung). Die Fahrzeit ist wie früher mit Umstieg, aber gefühlt ist die Verbindung schneller.
2. Ich verstehe gut die besonderen schweizerischen Gegebenheiten (was dort die Berge sind, waren bei uns vor den Brücken das Wasser), aber es fällt mir auf, dass das Tempo des FV in der CH eben gefühlt (und teilweise real) langsam ist. Die Netzgeschwindigkeit als solche mag höher sein, aber wenn ich einfach von Bahnhof A nach Bahnhof B will (weil meine Ziele fussläufig sind, z.B.), dauert es halt lange. Selbst aus dänischer Perspektive (und bei uns geht es wirklich nicht schnell zu), lassen sich die ca 160 Km von Kopenhagen nach Odense in ca 75 Minuten und die 329 Km nach Aarhus unter 3 Stunden trotz ungünstiger Trassierung in Jütland aus dem 19. Jh. meistern.
3. Ich finde, dass sich D oder andere Länder nicht mit der CH vergleichen lassen, da schweizerische Reisezeiten auf lange Distanzen wie in D eher unattraktiv wären. Insofern verstehe ich, warum die DB am Kern-IC-Netz seit fast vierzig Jahren festhält: wenige Halte (abgesehen von der Sondersituation Rhein-Ruhr), Konzentration auf die Zentren, schnell wann immer möglich. Der ICE hat ja im Grunde genommen "nur" dieses Grundnetz beschleunigt und so zu markanten Fahrzeitverbesserungen auch international geführt (in meinem konkreten Fall hätte ein Umstieg in K über KRM mich ja 1 Stunde früher ans Ziel gebracht).
4. Es steht für mich ausser Zweifel, dass der FV und SPNV in der CH für die schweizerischen Gegebenheiten sehr geeignet ist, umfassende Mobilität ermöglicht und wie Twindexx ja darlegt hat, auch demokratisch so gewollt ist. Das Schweizervolk hat m.a.W. die Bahn, die es will. Und natürlich muss es nicht immer um HGV gehen ;-))
5. ITF finde ich für Regionalverkehr (oder FV, der in Wirklichkeit durch viele Halte NV ist) in begrenzten Räumen sinnvoll (wie CH oder ein Bundesland, etwa), aber nicht für Räume, in denen der FV weit (d.h. mehr als 500 km) reicht, weil die Häufigkeit von Knotenbindungen eben ein FV-Zug immer mehr binden und verlangsamen, je länger er unterwegs ist. Die Situation in DK ist in dem Zusammenhang sehr speziell, weil wir eine sehr starke monozentrische Struktur mit einer Hauptachse und ziemlich sekundären Nebenachsen (ausser im NV Seeland) haben.
Bg
Lars


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