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ICE 1612, Dienstag, 05.04.2022, 21:15 (vor 1478 Tagen) @ J-C

kann ich einfach nicht so stehen lassen.

Ich sag‘s ganz offen, diese ach so vulnerablen Gruppen sind gegen viele Dinge vulnerabel unf da schreibt die Regierung auch keine künstliche Solidarität vor. Überhaupt wird man viel wahrscheinlicher im Umfeld mit Freunden oder Familie angesteckt.

Ganz ehrlich, ich hab auf dieses Schmierentheater einfach keine Lust. Das ist klingt uncool und asozial, aber wenn es keine gesetzliche Festlegung wäre, würde ich nur dann die Maske tragen, wenn ich es für nötig halte. Etwa wenn sich meine Mitmenschen nicht besonders für körperliche Hygiene interessieren und man das merkt. Oder wenn Eigentümer von dörflichen Grundstücken die Verheizung von Holz als Heizmethode präferieren. Da bin ich wahrscheinlich sogar in einer Mehrheit, bloß wird man es anders formulieren.

Es sollte aufhören, dass man sich an die Maskenpflicht im ÖV gewöhnt und vergisst, die mal aufzuheben.

Immer mehr Länder heben die Maskenpflicht im ÖV auf, früher oder später passiert das hoffentlich auch in der Gegend, wo ich unterwegs bin.

Ich bin nur ein paar wenige Jahre älter als du und gehöre zur vulnerablen Gruppe. Chronische Nierenerkrankung, mit einer Häufigkeit im höheren einstelligen Prozentbereich gar nicht mal so selten, auch bei jüngeren Menschen vorhanden, und etwa so häufig wie Long-Covid und Post-Covid. Diese Erkrankung siehst du aber niemandem im Gesicht an, dem du unterwegs in deinen Zügen begegnest, und diese Leute stinken auch nicht oder nehmen die körperliche Hygiene nicht ernst, sondern gehen in aller Regel ihrer täglichen Arbeit oder ihrem Studium genauso nach so wie du deinem. Bis 2019 war ich auch deswegen häufig im ÖPNV unterwegs.

Eine Grippe ist zwar für diese Gruppe auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, aber im Gegensatz zu Covid-19 ist eine Grippe vorwiegend eine Atemwegserkrankung, gegen dessen auslösendes Virus eine breite Bevölkerungsimmunität besteht, die äußerst selten auf die Nieren schlägt und besser eingeschätzt werden kann.

Bei Covid-19, das vorwiegend eine Blutgefäßerkrankung und bei dem eine Ansteckung nach derzeitigen Kenntnissstand fast wie russisches Roulette (man kann Glück oder Pech haben) ist, stehen hingegen wegen der vorhandenen Rezeptoren für das Virus Nieren gleich hinter den Lungenflügeln und sind auch bei vorhandener Impfung nach wie vor eine der ersten Anlaufstellen für das Coronavirus. Jemand mit bereits vorgeschädigten Nieren kann sich aber nunmal keine Verschlechterung der Nierenleistung durch Schäden in den Nierenkanälchen erlauben, denn das bedeutet Nierentransplantation (falls es überhaupt eine Niere gibt, die Wartezeit beträgt in der Regel mehrere Jahre) oder Dialyse.

Meine Haltung zur Maskenpflicht entspringt also nicht irgendwelcher Panik, sondern ich bewerte das ganz rational. Und ich denke schon, dass bei dieser Gefährdung beispielsweise für Menschen mit chronischer Nierenerkrankung von gesunden Menschen in deinem Alter verlangt werden kann, während des kompletten Aufenthalts in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske zu tragen, da doch der ÖPNV grundsätzlich der ganzen Gesellschaft offenstehen und Inklusion darin gelebt werden soll.

Deine Argumentation, dass man die Maskenpflicht im ÖPNV aufheben kann, weil man sich sowieso überwiegend im Privatleben anstecken würde, ist unlogisch. Denn gerade weil im ÖPNV momentan Maskenpflicht herrscht, kann man sich dort schwerer anstecken, im Gegensatz zum Privatleben, wo zu jeder unvernünftigen Gelegenheit im Privatbereich die Maske fällt. Vielleicht bereut man es ja dann Monate später doch, wenn man dummerweise vorher vollkommen gesund war und nachher trotz Boosterimpfung zu den 5-10% mit Long-Covid oder Post-Covid gehört... aber dann ist es eben zu spät, sämtliche Pläne für die nächsten Jahre kann man vergessen, man wird von einer ganzen Reihe von Medizinern hängen gelassen, weil es dafür eben noch keine durchschlagenden Therapien gibt, und kann seine Zeit kraft- und arbeitslos daheim im Bett verbringen. Klar kann man auch Glück haben und zu den 90-95% ohne Folgen gehören, aber meine Gesundheit wäre es mir nicht wert, dieses Risiko von 5-10% für eine Party mit Freunden ohne Maske einzugehen.

Um auf ein weiteres Argument einzugehen, das du in diesem Beitragsbaum geäußert hast: nein, ich habe auch nicht keine Freunde mehr, sondern Kontakte spielen sich bei mir derzeit eben vorwiegend online und telefonisch ab, so lange, bis die Infektionstätigkeit wieder nach unten gegangen ist. Mit ebenfalls vernunftbegabten und umsichtigen Freunden soll das auch möglich sein. Und genauso lange werde ich auch keinen stark ausgelasteten Zug betreten, solange es nicht unbedingt notwendig ist. Mich eben an vernünftigen Maßstäben orientieren und nicht an irrationaler Lockerungseuphorie, Hamsterkäufen etc. beteiligen, die nach wissenschaftlichen Standards nicht angebracht sind. Natürlich würde ich mir auch wünschen, dass die Pandemie vorbei ist, nur das ist sie eben bei diesen hohen Zahlen und diesen Langzeitfolgen nicht, und Wissenschaftsleugnung kommt für mich wie bei der Klimakrise nicht in Frage.


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