S21: zu den Bahnsteigkanten (Allgemeines Forum)

Jogi, Freitag, 09.07.2010, 08:34 (vor 5764 Tagen) @ Holger2
bearbeitet von Jogi, Freitag, 09.07.2010, 08:36

Hallo Holger,

zunächst mal Danke für eine Antwort. Einige Anmerkungen kann ich mir nicht verkneifen.

Ich habe nie behauptet, dass der heutige Stuttgarter Hbf. zu wenig Gleise hätte. Vielmehr bin ich auf den Beitag von Frank Augsburg eingegangen, dass der künftige Durchgangsbahnhof mit 8 Gleisen eine geringere Kapazität habe, als der heutige Kopfbahnhof mit 16 Gleisen. Das habe ich eindeutig widerlegt:

Zitat deinerseits: Auf den 16 Gleisen des Stuttgarter Kopfbahnhof werden gerade einmal 24 Züge pro Stunde abgefertigt, auf den nur zwei Gleisen im Tunnelbahnhof der S - Bahn sind es 48!
1.) Der erste Satz lässt IMO zwei Interpretationsmöglichkeiten zu: entweder dachtest Du, der Hbf wäre mit dem heutigen Verkehr an der Kapazitätsgrenze - oder er sollte das suggerieren. Beides ist Mumpitz.

2.) Mir ist nicht klar, dass das "eindeutig widerlegt" wurde. Sicher ist es ein Vorteil von Durchgangsbahnhöfen, dass Züge schneller nachrücken können. Aber 8 Gleise sind nach einhelliger Meinung uns aller Laien zu wenig. Mag sein, dass es für den Normalbetrieb reicht, wenn man den Fern- und Nahverkehr in zwei unabhängige Knoten bringt. Das mag vielleicht nicht mal schlecht sein, denn das Umsteigen zwischen Regiozügen ist wegen der Ausrichtung auf den "Nullknoten" eher suboptimal).
Was aber ist, wenn mal zwei Fernzüge 15 min Verspätung haben? Was ist, wenn der S-Bahntunnel eine Störung hat? Soll heißen, wenn es mal zu stärkeren Abweichungen kommt, dann wird's verteufelt eng. Diese Probleme gibt es (fast) nicht, da nötigenfalls auf die S-Bahngleise ausgewichen werden kann.

3.) Es hinkt mit Holzbein, die Abfertigung in einem S-Bahnhof mit der von Fernzügen zu vergleichen! Durch die geringe Haltezeit (schneller Fahrgastwechsel + Abfertigungsverfahren) wird natürlich eine höhere Kapazität erreicht. Ein Regionalzughalt oder gar ein Fernzughalt dauert wesentlich länger, eben weil anders abgerfertigt wird und der Fahrgastwechsel (weniger, beim Fernverkehr nicht so breite Türen) länger dauert.

Umgerechnet würde bei heutiger Zugfolge jedes Gleis bei S21 statistisch alle 20 Minuten einmal belegt, das finde ich nicht zu dicht.

"Statistisch" hat mit einem praktisch Fahrplan oftmals doch eher wenig zu tun.

Es ist auch nicht so falsch, den Stuttgarter Kopfbahnhof mit vermeintlich kleineren Bahnhöfen, wie Mainz oder Kassel zu vergleichen. In diesen kleineren Bahnhöfen wird der gesamte Vorortverkehr über den Bahnhof abgewickelt, während in Stuttgart der S - Bahnverkehr, der den Vorortverkehr ersetzt, auf separaten Gleisen abgewickelt wird; dadurch wird die Zugzahl vergleichbar.

Wie bitte? Mainz hat pro Stunde tagsüber ~2,5 Fernzüge und 9-12 Regionalzugdestinationen aufzunehmen nebst hie und da noch einger Verstärker?

Im Gegenteil behaupte ich, dass man selbst die vorhandenen 16 Gleise heute überhaupt nicht komplett benötigt, denn ich habe die Gleise bisher eigentlich noch nie vollkommen belegt gesehen.

In der morgendlichten HVZ zwischen ~ 7.00 und 7.45 Uhr braucht es alle Gleise, da wird sogar Gleis 1a planmäßig angefahren.

Ein Blick in die Geschichte zeigt warum: Vor Bau des S - Bahntunnels ist der gesamte Vorortverkehr über den Kopfbahnhof abgewickelt worden, hierfür war die nördliche Bahnhofshälfte vorgesehen. Die heutigen S - Bahngleise aus Richtung Zuffenhausen und Plochingen gab es schon. Nach Bau der S -Bahnrampe wurden diese Vorortzüge neu als S - Bahn in den Tunnel geführt, die nördlichen Bahnhofsgleise quasi vom Vorortverkehr befreit und dem Regional- und Fernverkehr zugeschlagen. Das heißt, dass die 16 Gleise des Stuttgarter Hbf. heute nur noch von 3 Gleisen gespeist werden (zzgl. müssen teilweise die S - Bahngleise mitgenutzt werden), während es früher, vor der S - Bahn, ganze 5 Zulaufgleise gab. Zuwenig Zualufgleise, um den Hbf. in angemessener Zeit füllen zu können.

Das Konzept K21 sieht AFAIK ein weiteres Zulaufsgleis aus Bad Cannstatt vor, was den nördlichen Bahnhofskopf speisen soll. Bei der Beibehaltung des Kopfbahnhofs wäre dies zweifellos nötig. Ob das realisierbar ist, weiß ich natürlich nicht.

Noch zu Köln und Kassel: In Köln ist nur ein kleiner Teil des Vorortverkehrs in den S - Bahnverkehr integriert worden [...]. Die restlichen Vorortzüge fahren gemeinsam mit dem Regional- und Fernverkehr von den verbleibenden sieben Gleisen ab, z.B. nach Euskirchen, Bonn oder M.gladbach. Klar, dass unter diesen Umständen von diesen 7 Gleisen noch deutlich mehr Züge abfahren, als von den 16 Gleisen in Stuttgart (oben).

Das zeigt doch zwei Sachen:
1.) Ein ITF-(ähnlicher-)Knoten ist auf diesen sieben Gleisen unmöglich.
2.) Die Kapazität ist irgendwann am Ende. Was ist, wenn das bei Stuttgart 21 der Fall ist? In den Selbstbeweihräucherungsheftchen des Projekts wird zwar gesagt, dass es möglich sei, den nördlichen Zulauf um zwei Gleise zu erweitern und den neuen hauptbahnhof um zwei weitere Gleise zu erweitern, doch wie das praktisch aussehen mag, will ich mir nicht vorstellen.

Hinzu kommt noch, dass nicht alle Gleise aus jeder Richtung angefahren werden können. Diese Mängel im Zulauf zum Bahnhof führen dann zu den erwähnten Verspätungen in Köln.

Link zu einem offenen Brief Prof. Karl.Dieter Brodacks betr. Fahrstraßenkonflikte bei Stuttgart 21.

Kassel hat zwar zwei Bahnhöfe, dass sich der Verkehr dadurch verteilt, kann man aber nicht sagen. Vielmehr wird der alte Kasseler Hbf. heute kaum noch genutzt.

Alle RV-Züge, die in KS-Wilhelmshöhe halten, bedienen auch den Kasseler Hbf mit Ausnahme der EB-Züge gen Hann München - Erufrt; außerdem beginnen die RE-Züge nach Halle Mo-Fr in Kassel-W, Sa und So in Kassel Hbf. Der Fernverkehr hält sinnigerweise nur in Kassel-Wilhelmshöhe. (Abweichungen bei Bauarbeiten nicht ausgeschlossen ;). Weist durch aus Parallelen zum S21-Szenario auf.
Das ändert nichts an dem Faktum, dass Fern- und Regionalverkehr weitgehend von einander getrennt ablaufen. Ausnhmen sind die IC-Züge gen Gießen und Eisenach bzw. Dortmund, die durch gewaltige Fahrzeitpuffer glänzen. Ist das in Stuttgart der Fall?

Die Regiotram (ersetzt die Vorortzüge) fährt über die neuen Gleise in die Stadt hinein, während viele Züge nur noch in K.- Wilhemshöhe halten.

Nein, siehe oben.

Lediglich die verbliebenen in Kassel verendenden Regionalzüge halten (meist) an beiden Bahnhöfen. Der Bahnhof ist weitgehend zu einem innerstädtischen Torso verkommen.

Kassel Hbf hat vor allem zwei Existenzberechtigungen: Endstation der Regionalzüge, "Tor" zur Innenstadt, da der Bahnhöf Wilhelmshöhe gut 4 bis 5 km Distanz zur Innenstadt aufweist.

Viele Grüße, Jogi


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