S21: zum Denkmalschutz (Allgemeines Forum)

Holger2, Donnerstag, 08.07.2010, 22:45 (vor 5768 Tagen) @ Jogi

Hallo Jogi,

der Denkmalschutz ist ja eine sehr politische Entscheidung, für dessen Richtlinien es nicht immer absolut logische folgerichtige Erklärungen gibt. Andere Länder gehen viel weniger restriktiv mit ihrem architektonischen Erbe um, verändern ihre Altbauten (siehe z.B. den Straßburger Hbf.) oder reißen sie sogar ab.

Wie schwer es ist, alte Denkmäler nachzunutzen, zeigen die Extrembeispiele Tempelhof und Prora. Beide Gebäude sind heute Millionengräber und eine vernünftige Nachnutzung ist bisher nicht gelungen. Die Frage ist doch, ob man bei einem deutlich weniger wichtigen Kulturgut, wie dem Stuttgarter Hbf., ähnlich restriktiv konservatorisch vorgehen muss.

Es ist häufig sehr schwer oder sogar unmöglich, heutige Anforderungen an Klima, Telekommunikation oder Raumaufteilung in einem alten Gebäude unterzubringen. Viele Gebäude werden darum zum Beispiel so saniert, dass nur die wesentlichen Außenfassaden stehenbleiben (z.B. Potsdamer Karstadt). In Frankfurt werden sogar alt aussehende Häuser neu gebaut (z.B. Thurn- und Taxis - Schloss).

Für mich ist nicht verständlich, warum die nur noch teilweise genutzten Seitenflügel des Bahnhofs gemäß den Kritikern unbedingt stehenbleiben müssen. Das Hauptgebäude wird ja nicht angetastet und die Seitenflügel sind aus den meisten Perspektiven gar nicht zu sehen. Die heutigen Nutzungen sind sehr kompromisbehaftet und allenfalls noch kurzfristig akzeptabel.

Ich bin dafür einen Ausgleich zu schaffen zwischen wirtschaftlichem Erfordernis und denkmalpflegerischen Belangen. Das bedeutet auch, dass die Seitenflügel abgerissen werden dürfen, falls erforderlich.

Zu Berlin Lehrter Bahnhof: Der heutige Hbf. ist durchaus Nachfolger des damaligen Lehrter Bahnhof. Die Nord - Süd - Gleise liegen genau auf der ehemaligen Eisenbahntrasse und verbinden den alten Lehrter Bahnhof mit dem alten Anhalter Bahnhof (der einige 100 Meter umfahren wird). Beide gehörten zu den wichtigsten Bahnhöfen der Deutschen Reichsbahn. Als nach Überwindung der deutschen Teilung das Fahrgastpotenzial nach Berlin wieder vorhanden war, ist niemand auf die Idee gekommen, wieder zwei Kopfbahnhöfe zu bauen.

Andere Beispiele für Konvertierung von Kopfbahnhöfen:
Malmö, Brüssel und Ausbau Amsterdam Zuid, nach Bau der Metro, zur Entlastung von A. Centraal.

Holger


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