FÜR Stuttgart 21 - aber nicht mit diesen Argumenten ;) (Allgemeines Forum)

Jogi, Donnerstag, 08.07.2010, 10:54 (vor 5761 Tagen) @ Holger2
bearbeitet von Jogi, Donnerstag, 08.07.2010, 10:58

Die alte Bundesbahndirektion und die Seitenflügel des Bahnhofs stehen großteils leer oder werden nur übergangsweise genutzt, da sie heute nicht mehr benötigt werden oder weil die Infrastruktur dieser Gebäude nicht mehr zeitgemäß ist. Es gibt eben heute beispielsweise keine Bahnpost mehr.

Was ist denn mit der Bundespolizei? Mit dem Casino der DB? Der Mietwagenzentrale? Die Verwaltung irgendeines DB-Geschäftsbereiches?
Und selbst wenn da so viel leer steht - was hindert die Bahn daran, es entsprechend umubauen, dass es wieder nutzbar wird, von mir aus für externe Büros oder andere Verkaufsfläche?

Wir haben heute bereits ein riesiges leerstehendes Flughafengebäude in Tempelhof (darf wegen Denkmalschutz nicht abgerissen werden), eine leerstehende Riesen - Bettenburg in Prora auf Rügen (Denkmalschutz) und demnächst vielleicht leerstehende Bahnhofsanlagen mitten in Stuttgart.

Diese Anlagen sind teuer. Außerdem verliert die Innenstadt an Attraktivität, wenn sie nur aus Potemkinschen Dörfern besteht, die Innenstädte bluten letztendlich aus.

Dir ist schon klar, dass deine drei genannten Beispiele für die gesamtdeutschte (Tempelhof -> "Rosinenbomber", Berlinblockade von 1948/49; Prora -> Symbol für das ideologiedurckdränkte KdF-Rumgeeiere) bzw. für die württembergische Regionalgeschichte bedeutend sind (hinzu kommt noch aus architekturgeschichtlicher Sicht, dass dieser Bahnhof am "Übergang" zwischen den alten Protzbauten und dem Funktionalisierungsgedanken des beginnenden 20. Jahrhunderts steht)? Nicht immer ist ein Denkmal oder eine Metallplatte ein angemessenes Erinnerungsstück Geschichte.

Selbiges gilt für die Infrastruktur: Wenn die Anbindung an die Innenstadt nicht ständig weiter optimiert wird, sinkt die Attraktivität der Innenstadt - das Umland schläft schließlich auch nicht.

Stellt sich nur die Frage, ob es ausreichend optimiert wird?
Von meinen Eltern bräuchte ich mit dem Zusatzhalt an der Mittnachtstraße mindestens eine Minute mehr in die City. Der Übereckanschluss Cannstatt-Feuerbach würde beim aktuellen Fahrplan auch nicht schneller, allerdings sicherer werden. Die nicht wirklich attraktive Fahrzeit nach Böblingen wird auch nicht kürzer.

Ist das jetzt eine ausreichende Optimierung für > 4 Milliarden Euro?

*sarkasmus-an* Au ja, 8 Minuten zum Flughafen! *sarkasmus-aus* Aber großer Vorteil ist die schnellere Fahrzeit nach Tübingen durch den Entfall des Schlenkers über Plochingen. Wenn die B27 nicht so chronisch verstopft wäre, wäre die einstündige RE-Fahrzeit ein Witz.

2. Noch zu dem Märchen mit der geringeren Kapazität der 8 statt der 16 Gleise: Auf den 16 Gleisen des Stuttgarter Kopfbahnhof werden gerade einmal 24 Züge pro Stunde abgefertigt...

Meinst du das Ernst? Du gehst davon aus, dass mit dem aktuellen Fahrplan das Maximum der Kapazität erreicht ist? Sorry, aber in meinen Augen ist das entweder eine (unabsichtlich) naive oder eine (absichtlich) verfälschende Annahme.

Machen wir stattdessen eine Milchmädchenrechnung. Der gesamte Zugverkehr wurde, seit ich mit der Bahn & Fahrplänen genauer befasse, zunächst auf 14 (!) Gleisen abgewickelt, denn damals starten die RE gen Tübingen noch auf Gleis 3. Die Gleise 1, 2 sowie 1a wurden (und werden) nur in der morgendlichen HVZ sowie nachmittags bei wenigen endenen Zügen benutzt. Ausnahme ist lediglich Gleis 2, auf dem jetzt fast alle Tübingen-REs verkehren.
Wir haben also 14 Gleise, auf denen man definitiv zumindest zwei Züge abfertigen kann: z.B. auf Gleis 2 die RE nach Tübingen, Gleise 9 & 10 sowie 15 & 16 Fernverkehr (sowie hier zusätzlich die HVZ-RE nach Aalen und die RE gen Schw. Hall). Selbst mit dieser Annahme sind wir schon bei 28 Zügen/Stunde Kapazität. Der gesamte Bahnhöfe hätte auf dieser Annahme die Kapaztität von 34 Zügen/Stunde.
Und in diesem Fenster ist definitiv noch Luft für weitere Züge.

... auf den nur zwei Gleisen im Tunnelbahnhof der S - Bahn sind es 48! Grund ist, dass auf einem Durchgangsbahnhof der nachfolgende Zug hinten schon nachrücken kann, wenn der vorhergehende nach vorne herausfährt.

Da muss aber der Streckenblock aber frei sein. Und wenn man den wie beim Bau der Flughafenstrecke so groß macht hat man halt Probleme, 4 Züge pro Stunde und Richtung da durchzuschleusen. Da wurde erst mit der Eröffnung der Messe umgebaut, dass die S3 recht problemlos am Flughafen wenden konnte.

Zweitens hinkt es gewaltig die Abfertigung einer S-Bahn (viele Türen, kurze Standzeiten) mit der eines Fernzuges zu vergleichen. S-Bahnen sind auf schnellen Fahrgastwechsel ausgelegt. Aber das hat Steffen ja schon angesprochen.

Auf einem Kopfbahnhof muss erst der Bahnsteig und die komplette Weichenstraße davor frei sein, bis der nächste Zug nachrücken kann.

Viele Städte haben übrigens nur ca. 10 Gleise (S - Bahn und Fernbahn), wie z.B. Mannheim, Mainz, Köln, Kassel.

1. Mannheim soll in naher Zukunft zwei zusätzliche Gleise bzw. einen zusätzlichen Bahnsteig bekommen.
2. Hat Mainz das Verkehrsaufkommen von Stuttgart? Muss Mainz Züge aus sieben verschiedenen Nahverkehrsrelationen sowie den Fernverkehr aufnehmen?
3. Mit Köln hast du Dir ein tolles Beispiel rausgesucht. Ich wette, jeder hier, der durch Köln fährt wird Dir sagen können, dass er auf der Hohenzollernbrücke oder auf Höhe Hansaring stand - sicher nicht deswegen, da die Aussicht dort so toll ist. Köln Hbf ist mit seinen 9 Gleisen kapazitätsmäßig am Ende.
4. Kassel hat schon mal zwei große Bahnhöfe, auf die sich der Verkehr verteilt, ergo stellt sich die Frage, ob Kassel-W auch das Verkehrsaufkommen von Stuttgart bewältigen muss.

Bei sämtlichen Bahnhofsumbauten nach dem Krieg sind übrigens durchweg Kopfbahnhöfe in Durchgangsbahnhöfe umgebaut worden, nie andersrum: Heidelberg, Ludwigshafen, Kassel, Berlin Hbf (ehem. Lehrter Bf.).

Und nun? Was sagt das aus? Alle diese Bahnhöfe mit Ausnahme Berlins liegen nicht mitten in einer Innenstadt (Berlin dagegen in einer innenstädtischen Pamapa, auf der der Baugrund vorgehalten wurde). Schon mal versucht, vom Heidelberger Hbf zu Fuß in die Innenstadt zu kommen? Willst Du uns suggerieren, alle K21-Anhänger (zu denen ich nicht gehöre!!) würden eine Führung der SFS Hann-Wü. durch den Kasseler Kulturkopfbahnhof favorisieren?

Ludwigshafen Hbf ist eine Städtebauleiche außerhalb der City, aber das nur am Rande. Als die alten Bahnhöfe neu gebaut wurden war der Wechsel von der Dampf- auf Diesel- und E-Traktion im vollen Gange. Und z.B. grad auf der Achse Heidelberg-Ludwigshafen wären zwei Kopfbahnhöfe tierisch unpraktisch.
Heidelberg liegt ebenso am Rande der Stadt, Kassel-W liegt irgendwo in der Peripherie des Kasseler Umlandes. Da ist genug Platz, ein Durchgangsbahnhof billig und problemlos anzulegen. Ist das in Stuttgart der Fall?

Zu Berlin Lehrter STADTBAHNhof: Muss mir entgangen sein, dass die S-Bahn dort ihre Fahrtichtung gewechselt hat... oder spielst du auf den alten Lehrter Bahnhof an? Was sagt denn wikipedia dazu? Ui, bis 1951 Endpunkt, ab 1957 abgetragen.
Was hat denn bitte der Bahnhof mit dem heutigen Hauptbahnhof zu tun???

Unter anderem darum: Ja zu Stuttgart21!

Diese Meinung will ich Dir beileibe nicht streitig machen, aber deine hier vorgebrachten Argumente musst du erstmal wieder gerade rücken ;-)

Herzlichst, Jogi


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